Mütter in Österreich verlieren besonders viel Geld im Laufe ihres Berufslebens

Eine neue Studie zeigt: Frauen in Österreich erleiden nach der Geburt eines Kindes besonders dramatische Lohneinbußen.

Der Gender Pay Gap ist real. Darüber sind sich mittlerweile alle ExpertInnen einig - und viele verschiedene Faktoren spielen mit, dass Frauen im Berufsleben auch im Jahr 2019 noch diskriminiert werden.

Mutter und Kind

Aber welchen Einfluss hat die Geburt eines Kindes auf die Lohnschere zwischen den Geschlechtern? Diese Frage hat sich eine aktuelle Studie der Universitäten Princeton und Zürich gestellt, und ist zu einem dramatischen Ergebnis für Österreich gekommen. Die Studienautoren haben dafür Daten aus Österreich, Deutschland, Schweden, Dänemark, Großbritannien und den USA verglichen und analysiert, wie "Der Standard" berichtet.

Langfristige Folgen auf die finanzielle Situation von Müttern

Das Ergebnis: Ein Kind hat überall verschärfende Auswirkungen auf den Gender Pay Gap. Doch in Österreich ist das auch nach vielen Jahren noch so: Zehn Jahre nach der Geburt des ersten Kindes liegt das Erwerbseinkommen von Frauen in Österreich im Schnitt um 51 Prozent unter dem Wert ein Jahr vor der Geburt. In Deutschland beträgt die Differenz sogar 61 Prozent. Für Männer gibt es laut Studie in diesen beiden Ländern jedoch keine Nachteile. Anders sieht das etwa in Schweden aus: Dort sind es nach zehn Jahren 27 Prozent weniger Gehalt, in Dänemark 21 Prozent.

Die Forscher führen das auf die reduzierte Arbeitszeit zurück, da viele Mütter in Teilzeit arbeiten. Die Teilzeitquote ist in Österreich besonders hoch. Aber auch die Aufstiegschancen verschlechtern sich laut Studie nach einer Geburt. Das ist an sich nichts Neues - doch dass es im internationalen Vergleich so schlecht um Österreich steht, überrascht dennoch. Die Dauer der Karenz hat übrigens keine Auswirkungen, so die Autoren. Trotz der Änderungen in den Karenzregelungen bleiben die Chancen oder eben Nicht-Chancen für Mütter am Karriereweg gleich schlecht. Das führen die Autoren auch auf ein traditionelles Rollenverständnis zurück - und darauf, dass noch immer so wenige Väter in Karenz gehen.

Was könnte man dagegen tun?

Dass die Karenzzeit in allen Berufen und Kollektivverträgen angerechnet werden soll, ist eine langjährige frauenpolitische Forderung. Auf gesetzlicher Ebene würde das heißen: Wenn jemand bis zum 2. Geburtstag des Kindes Karenz nimmt, sollte sie oder er künftig in dieser Zeit alle Gehaltsvorrückungen sowie die entsprechenden Urlaubsansprüche, Kündigungsfristen und Entgeltfortzahlungen angerechnet bekommen. Um später keinen Nachteil daraus zu ziehen. Jetzt sind es 10 Monate, und das auch nur beim ersten Kind. Diese Reform wäre ein erster Schritt, um die Lohnschere zu verringern.

 

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