Mutig gegen Mobbing

Prominentes Mobbing-Opfer Lady Gaga: Als Schülerin erniedrigt und ausgegrenzt, setzt sie sich heute aktiv gegen antisoziales Schülerverhalten, Machtmissbrauch & Schikane ein. Was können WIR Eltern gegen Mobbing tun? – Warnsignale, Folgen, Lösungsansätze.

Sie war einfach nur anders. Grund genug für ihre Mitschüler, sie systematisch fertig zu machen: Stefani Joanne Angelina Germanotta wurde regelmäßig gehänselt, ausgelacht, isoliert, bestohlen und landete gedemütigt im Mitkübel. Lady Gaga ist als Schülerin durch die Kinder-Hölle gegangen. Nicht jeder kommt da heil raus.

"Mobbing ist der Missbrauch von sozialer Macht auf der Basis systematischer und wiederholter Attacken gegen Schwächere" formuliert der schwedische Psychologe und Mobbing-Forscher Dan Olweus. Die Formen von Mobbing sind vielseitig. Von Verbalattacken wie verspotten, anschreien, Gerüchte verbreiten, bei den Lehrern verpetzen und dem Erteilen von Redeverbot bis zur Androhung und Ausübung körperlicher Gewalt (treten, schubsen, im Klo einsperren) und Erpressung (Kinder müssen Sachen hergeben oder erniedrigende Dienste verrichten), Zerstörung von Eigentum (Stifte zerbrechen), sexueller Demütigung und schwerer Körperverletzung. Nicht äußere "Makel" geben Anlass zum Mobbing, sondern ein Ungleichgewicht von Stärke und Macht, das die Angreifer ausnutzen. Mobbing hat viel mehr mit der Persönlichkeit des Mobbers zu tun als mit dem Verhalten des Opfers.

In einem abgeschlossenen, hierarchischen Systeme - wie etwa der Mikrogesellschaft einer Schulklasse - kann aggressives antisoziales Verhalten besonders gut gedeihen, solange
kein Widerstand entgegengesetzt wird. Um Mobbing erfolgreich zu begegnen, muss man verstehen, dass es sich um eine Gruppenproblem handelt. Erst die Akzeptanz der Gruppe ermöglicht dem Täter, sein Opfer zu quälen. Soziometrische Forschung der Finnin Christina Salmvialli belegt, dass beim Mobbing-Prozess etwa 10 % der Schüler eine aktive Rolle als Täter, 10% als Assistenten und weitere 10% als Verstärker einnehmen. Intervention durch Pädagogen und Schulleitung hat vorrangig zwei Ziele: Die ganze Klasse gegen Mobbing zu aktivieren und den oder die Täter zum Aufhören zu bewegen.

Was die Eltern tun können


Schritt 1.
Bei ersten Anzeichen: Wenn das Kind durch Verhaltensänderungen auffällig wird, sollten die Eltern versuchen behutsam ein Gespräch zum Thema Mobbing zu führen (etwa: "Mit wem bist du befreundet?", "Mit wem verbringst du deine Pausen?" "Kommt es manchmal zu Streit oder Beleidigungen?" "Vertraust du deine(r)m LehrerIn?").


Schritt 2.
Bei der Wahrnehmung von Mobbing: Sofort reagieren! Selbstbewusstsein stärken! Jetzt ist es wichtig das Kind auf zu fangen, es erst zu nehmen und ihm familiären Rückhalt zu signalisieren.



Schritt 3.
Die Eltern des Opfers müssen sich so rasch wie möglich an die Schule wenden, da sie selbst auf den Schulalltag keinen direkten Einfluss nehmen können. Die Vorfälle spielen sich ja auch am Tatort Schule ab. Jeder einzelne Mobbing-Fall fordert ab nun dringenden Handlungsbedarf und muss einzeln mit Datum, Beschreibung des Vorfalls und der beteiligten Personen dokumentiert werden und an die Schule weitergeleitet werden.



Der staatliche Erziehungsauftrag verpflichtet LehrerInnen und Schulbehörden, die ihnen anvertrauten Schüler zu schützen und vor Schäden zu bewahren.

Fehler im Umgang mit Mobbern
Für die Eltern des Opfers ist absolut NICHT ratsam, den Mobber oder dessen Eltern DIREKT auf die Vorfälle anzusprechen. Das Einschreiten der Eltern des Opfers wird seitens des Täters als Schwäche interpretiert und verstärkt nur dessen Aggression. Es besteht auch die Möglichkeit, dass die Eltern des Täters ihrerseits den Täter bestrafen oder durch Nichtstun dessen Verhalten billigen. Beides verschlimmert die Situation des Opfers.

Das Kind klagt, dass niemand es mag, dass es gehänselt & ausgelacht wird.
Das Kind “verliert“ angeblich immer wieder Sachen oder kommt mit beschädigten Sachen nach Hause.
Das Kind kommt mit Verletzungen, Schürfungen und blauen Flecken nach Hause.
Das Kind braucht mehr Taschengeld.
Das Kind geht nicht mehr gern zur Schule.
Das Kind schläft oder isst schlecht, klagt über Schmerzen.
Das Kind hat keine Freunde und wird nie eingeladen.
Die Leistungen des Kindes sinken drastisch ab.
Das Kind erscheint mutlos, depressiv, schüchtern, ängstlich und unsicher.

(Quelle, verkürzt): Mobbing bei Kindern: Erkennen, helfen, vorbeugen von Dr. Jo-Jacqueline Eckardt)
 

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