Muss unser*e Partner*in wirklich alles über uns wissen?

"Alles miteinander teilen", "keine Geheimnisse voreinander haben" - ist das wirklich notwendig, um eine glückliche Beziehung zu führen?

Muss unser*e Partner*in wirklich alles über uns wissen?

Das Schönste an einer Beziehung ist mitunter, jemanden zu haben, vor dem man nichts verheimlichen muss und dem man alles anvertraut, sagen viele. Aber ist das wirklich so? Was, wenn ich meinem*r Partner*in vielleicht doch nicht jedes Detail meiner Vergangenheit erzählen möchte? Leidet die Beziehung darunter? Oder ist es womöglich gar förderlicher für die Partnerschaft, einige Dinge über den*die andere*n nicht zu wissen? Was Expert*innen dazu sagen:

Nix muss

Für all jene, denen komplette Transparenz in der Partnerschaft ein bisserl Bauchweh bereitet, kommt gleich mal Entwarnung: Nein, wir müssen unserem*r Partner*in nicht alles anvertrauen, so Dating-Experte Jonathan Bennett im Gespräch mit Bustle. "Beziehungen müssen nicht unbedingt ein offenes Buch sein. Es gibt Dinge, die wir vielleicht für uns behalten wollen, weil wir sie peinlich finden oder bedauern oder die einfach uninteressant für den anderen sind. Die müssen wir nicht unbedingt alle ausbreiten."

Heikles Thema: Ehemalige Sexualpartner*innen

Laut einer Umfrage von Sextoy-Brand Lelo und OnePoll aus dem Jahr 2020 ist das unangenehmste Gesprächsthema für Paare die Anzahl ihrer früheren Sexualpartner*innen. Von den 2.000 Umfrageteilnehmer*innen, die derzeit in einer Beziehung leben, haben 40 % ihre "Zahl" nicht preisgegeben. Von den 58 %, die sie preisgegeben haben, hat fast die Hälfte die Information innerhalb der ersten drei Monate nach Beginn der Beziehung mitgeteilt.

Wer sich unsicher ist, ob er*sie eine Information teilen möchte, soll laut Beziehungscoach Anna Gonowon, am besten die Vor- und Nachteile abwägen, quasi: "Was macht es mit unserer Beziehung, wenn ich dir diese Information gebe? Würde ich sie von dir wissen wollen? Bringt uns das näher zusammen? Oder eher im Gegenteil mehr auseinander?". So falle es etwas leichter, die Kommunikation in der Partnerschaft zu navigieren.

Was wir mit unserem*r Partner*in teilen sollten

Beziehungsexpert*innen auf bustle.com sind sich einig, dass es für eine langfristige Beziehung förderlich ist, gewisse Themen offen mit dem*r anderen zu besprechen. So zum Beispiel alles, was den (aktuellen) Gesundheitszustand angeht - vor allem dann, wenn es den*die andere*n potenziell auch betrifft, wie etwa STDs, Reproduktionsschwierigkeiten aber auch Mental Health-Probleme.

Was möglicherweise schwer fällt, laut Beziehungscoach Gonowon aber durchaus ratsam wäre, sei Ehrlichkeit bezüglich vergangener Vertrauensbrüche in früheren Beziehungen. "Erfahren wir es von jemand anderem als unserem Partner verletzt es uns noch viel mehr", erklärt sie. "Hier offen zu sein und von selbst das Thema anzusprechen, zeigt, dass man Verantwortung für seine Taten übernimmt und aus seinen Fehlern gelernt hat".

Ehrlich sein, was Finanzen und Familie angeht

Auch wenn es ums Thema Geld geht, raten Dating-Expert*innen, Klartext zu sprechen - gerade, wenn man sich eine langfristige Zukunft mit seinem*r Partner*in wünscht. "Dein Partner hat ein Recht darauf zu erfahren, ob alte finanzielle Probleme die Beziehung belasten könnten", sagt Psychotherapeutin Tina B. Tessina. Und andersherum natürlich auch.

Ein weiteres Thema, über das wir wahrscheinlich nicht gerne sprechen, sind traumatische Erfahrungen in der Vergangenheit. Gerade, wenn sie uns bis heute beschäftigen und unser Handeln oder unsere Beziehungen beeinflussen, sollten Ereignisse, die uns derart prägen, offen angesprochen werden. Ehrlich zu sein, gibt dem*r Partner*in die Möglichkeit, uns zu unterstützen und bei der Bewältigung schwieriger Lebenssituation zu helfen. Ist ein Thema besonders groß bzw. nimmt es sehr viel Raum ein, ist es sinnvoll, professionelle Hilfe von außen dazuzuholen.

Weiters kann es die Beziehung stärken, wenn Partner*innen in Sachen Familienverhältnisse, Ängsten & Depression sowie Trauer offen sind und Gedanken und Gefühle miteinander teilen.

Was wir vielleicht lieber für uns behalten

Wie bereits erwähnt: Nein, unser*e Partner*in muss nicht alles über uns wissen. Life Coach Kailen Rosenberg erklärt auf bustle.com, dass etwa Ex-Sexpartner*innen nicht zwangsläufig mit dem*r aktuellen Partner*in geteilt werden müssen: "Das ist zu 100 Prozent deine Sache. Es gibt nichts, wofür du dich schämen musst, tatsächlich geht es deinen aktuellen Partner aber auch nicht unbedingt was an".

Zu viele Details über Ex-Beziehungen müssen ebenfalls nicht sein, so die Expert*innen. Wir Menschen tendieren dazu, uns ständig mit anderen zu vergleichen, was meist nur für Frustration und Enttäuschung sorgt. Hier kann manchmal also auch weniger mehr sein.

Letztendlich muss natürlich jedes Paar für sich entscheiden, was ihm guttut und wieviel Offenheit es sich in seiner Beziehung wünscht - und das kann von Partnerschaft zu Partnerschaft stark variieren.

 

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