Muss man Tomaten wirklich mit Frauennamen bewerben?

Von der süßen, kleinen Sophie bis zur vielseitigen, großen Runden Resi: Die neue Marketingstrategie des Zeiler Gemüsevertriebs ist ein wenig daneben gegangen.

Wer in letzter Zeit durch die Gemüseabteilungen österreichischer Supermärkte gewandert ist, dem werden vielleicht die neuartigen Tomatenverpackungen aufgefallen sein. Und zwar nicht unbedingt positiv. Denn hier begegnen einem plötzlich die "Runde Resi", die "Süße Sophie" und die "Knackige Kathi". Mein erster Gedanke war: Autsch, da ist wohl etwas gehörig daneben gegangen.

"Von der süßen, kleinen Sophie bis zur vielseitigen, großen Runden Resi – die Schwestern der Zeiler-Familie verwöhnen jeden Gaumen mit ihrem typisch intensiven Geschmack." Mit diesen Worten werden die Tomaten auf der Website beworben. Die illustrierten Frauen (die immerhin nicht gänzlich stereotyp dargestellt werden) haben eine passende Tomate an ihren Körper geheftet und besitzen ihren eigenen Steckbrief, der über ihre Vorzüge und Hobbys aufklärt.

"Klein aber oho! – die süße Sophie ist eine kleine Geschmacksbombe", erfährt man da etwa. "Wem ich zu groß bin, der greift einfach zu meiner Schwester der Fruchtigen Frieda", sagt die "Herzhafte Herta". Und die "Runde Resi" pflegt besonders gern ihre "Rundungen", wie man nachlesen kann. Sie alle sind übrigens Schwestern, und "echte Österreicherinnen".

Der negative Beigeschmack "weiblicher" Gemüsesorten

Warum es notwendig ist, Tomaten mit Frauennamen und körperlichen Attributen zu bewerben, haben wir beim Hersteller Zeiler herausfinden wollen. Anna Starkl, CFO der Zeiler Holding GmbH, hat auch eine Antwort parat: "Wir wollten unseren Tomaten Namen geben, um sie für unsere Kunden leichter erkennbar zu machen. Die Adjektive, die wir gewählt haben, sind eine Beschreibung der einzelnen Sorten und beziehen sich rein auf deren Eigenschaften. So ist beispielsweise unsere Frieda eine sehr „fruchtig“-schmeckende Cherrytomate. Sophie ist aufgrund ihres hohen Zuckergehalts besonders süß." Sie wollten damit niemanden diskriminieren und auch nicht sexistisch sein, so Starkl.

Starkl betont außerdem, dass an der Entwicklung der Sujets fast ausschließlich Frauen beteiligt waren und "keine dieser Frauen empfand die Namen als diskriminierend, herabsetzend oder eben sexistisch. Einige Resis und Sophies in unserem Umfeld haben sich sogar sehr gefreut, als sie gehört haben, dass die Tomaten nach ihnen benannt wurden." Trotzdem kann sich diese Marketingstrategie ihres merkwürdigen Beigeschmacks nicht entledigen. Und die Reduzierung von Frauen auf Äußerlichkeiten wird ja in dieser Gesellschaft nicht nur von Männern betrieben.

Das Problem ist nämlich: Wer Frauennamen auf Tomaten klatscht und ihnen äußerliche Attribute gibt, macht Frauen zu Objekten. Denn die werden ohnehin ständig nach ihren Körpern beurteilt, verurteilt und zur Schau gestellt. Wir müssen das nicht unbedingt auch noch in den Gemüseabteilungen machen.

 

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