Mund zu, Glotze an?

Darf sich Mutti eine kurze Auszeit genehmigen und die aufsässige Brut kurz vor dem Fernseher parken? Wenn ja: Ist das Sonntagsmärchen noch okay? Und: Machen die Barbapapas, Pumuckl und Die Sendung mit der Maus die kleinen Medienkonsumenten schon süchtig?

Mein 5-Jähriger zeigt auf ein Bild von Thomas Gottschalk. „DU kennst den?" frage ich entsetzt. „Klar, das ist doch der Gummibärchen-Mann von Haribo." Eine hervorragende Zusammenfassung einer der größten, deutschen Showkarrieren. Wer Dinos mag, mag auch Showbiz-Dinos. Trotzdem gruselig: Werbung ist offensichtlich gefährlich. Fernsehen auch?

Aber habe ich nicht ohnehin ALLES richtig gemacht?

  1. 1.) Altersgerechte Sendung aussuchen.
  2. 2.) TV-Konsum zeitlich einschränken und diese Begrenzung mittels Küchenuhr und Abschluss-Wecksignal unterstreichen.
  3. 3.) Werbung vermeiden.

Klingt schon mal gut. Reicht aber noch lang NICHT aus, um ein kleines Vorschulwesen-Wesen auf seinem Weg durch die knallbunte, verlockende Vielfalt an TV-Angeboten zu begleiten.

„Um der sich erst schrittweise entwickelnden medialen Zeichenkompetenz von Vorschulkindern Rechnung zu tragen, lassen sich Grundregeln von Vorschulsendungen formulieren wie:

  • Geradlinig erzählen (nicht 2 oder 3 Stränge in Zopfdramaturgie).
  • Stets das Wichtigste im Bild zeigen.
  • Zeit zum Eindenken und Verstehen lassen.
  • Handelnde Figuren in den Mittelpunkt stellen.
  • Technische Tricks möglichst vermeiden", erläutert die aktuelle, internationale Vergleichsstudie „Wie Vorschulkinder Fernsehgeschichten verstehen" von Maya Götz, Judith Schwarz, Simone Gruber u.a. aus dem Jahr 2012.
Barbapapa

Ich folge dem Rat der Experten und beobachte meine Kinder beim Fernsehkonsum: Weit aufgerissene Fernsehschreck-Augen sind ein deutliches Anzeichen dafür, das Gerät auszuschalten. Die äußerst unterhaltsame Disney-Serie „Phineas & Ferb" fällt unter diese Zensur.

Sogar beim vergleichsweise harmlosen altersgerechten „Yakari" muss ich in Rufweite bleiben. Nur für den Fall, dass der kleine Protagonist in Lebensgefahr gerät und seine Fans vor dem TV-Gerät Angst bekommen.
Wichtig ist auch, dass im Fernsehen Erlebte mit den Kindern zu besprechen. Die Eindrücke müssen verarbeitet und richtig eingeordnet werden. Das gilt vor allem für den unmittelbaren Anschluss. Kinder vor dem Gerät bequem zu parken und selbst das Zimmer zu verlassen, geht nur im Notfall und selbst dann nur in einem begrenzten Zeitrahmen.

Experten sprechen davon, dass 30 Minuten Fernsehkonsum pro Tag für Vorschulkinder absolut ausreichend ist.

Der „effizienteste Babysitter der Welt" darf also nur sehr sparsam eingesetzt werden. Die Umsetzung dieser Richtlinien im Alltag wird auf jeden Fall schwierig ...

Mit 76 % nimmt Fernsehen die größte Rolle in der Freizeitgestaltung deutscher Kinder zwischen 6-13 Jahren ein.
60 % deutscher Mädchen antworten auf die Frage, worauf sie am wenigsten verzichten könnten mit: Fernsehen.
3-13 Jährige sehen 2011 täglich bis zu 90 Minuten fern (Der Trend ist seit 1995 leicht rückläufig).
Durchschnittlich bis zu 139 Minuten schafft es ein durchschnittliches 3-5 jähriges Kind 2011 vor dem TV-Gerät auszuharren. 10-13 Jährige im Vergleichszeitraum sogar bis 189 Minuten.

Quelle: Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI)
 

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