Moderne Einsamkeit

Jeder ist einmal einsam, jedoch lässt sich immer mehr ein Trend der modernen Einsamkeit aufzeigen. Singleleben und Arbeitslosigkeit, aber auch andere Faktoren tragen zu dieser Form von Einsamkeit 2.0 bei.

Einsamkeit hat viele Gesichter. So kann man sich zum Beispiel einsam fühlen, selbst wenn man unter Leuten ist. Da nutzt es auch nichts, dass man miteinander redet, Spaß hat oder etwas unternimmt - die innere Einsamkeit kann einem keiner nehmen. Andererseits fühlt man sich einsam, wenn niemand Zeit für einen hat und man seine Probleme mit niemandem teilen kann. Es gibt aber auch eine dritte Form von Einsamkeit, nämlich die des modernen Einsamseins. Dieses unterschätze Phänomen wird in unserer Gesellschaft immer häufiger und hat immer öfter verherende Folgen: Einer Studie zufolge treibt die moderne Einsamkeit Menschen in Selbstmordgedanken und -gefahr.

Immer mehr Menschen sehen im Suizid die einzige Möglichkeit, ihrer unerträglichen Einsamkeit ein Ende zu bereiten. „Wir können von einer sogenannten modernen Einsamkeit sprechen", sagt Günter Klug, stv. Obmann der Gesellschaft zur Förderung seelischer Gesundheit (GFSG) und Facharzt für Psychiatrie. „Es gibt eine gesellschaftliche
Entwicklung, die einsames Leben fördert, anstatt es zu vermeiden. Das ist bedauernswert, weil viele Menschen dieser modernen Einsamkeit nicht gewachsen sind und sie auf Dauer daran erkranken. Das führt in die Depression und im schlimmsten Fall zum Suizid."

Die modernen Einsamkeitsfallen

Leben im Einzelhaushalt
Die Zahl der Einzelhaushalte unter den Privathaushalten hat sich in der Steiermark in den letzen 50 Jahren mehr als verdoppelt. Jede/r 7. SteirerIn beispielsweise, lebt heute allein in einem Haushalt. Das sind fast doppelt so viele wie noch vor 30 Jahren. Oft führt das Single-Leben dann in die Einsamkeit und soziale Isolation.

Jobwechsel und Arbeitslosigkeit
„Häufig beschränken sich soziale Beziehungen auf das engere Berufsumfeld. Das kann fatale Auswirkungen haben, wenn Menschen dazu gezwungen sind, öfter den Beruf zu wechseln", gibt Klug zu bedenken. Wer seinen Arbeitsplatz unfreiwillig wechseln muss oder wer plötzlich arbeitslos wird und aus der Arbeitswelt herausfällt, ist ebenso gefährdet. Und auch Jugendarbeitslosigkeit bildet ein großes Problem der modernen Einsamkeit.

Einsamkeit im Alter
In den letzten Jahrzehnten des Lebens nimmt Einsamkeit drastisch zu. Man verliert vielleicht seinen Partner oder enge Vertraute, man steht plötzlich alleine da und weiß nicht wie man damit umgehen soll. Zu den am meisten von Suizid gefährdeten Menschen gehören nach wie vor Männer ab 65. „Männer im höheren Alter können nur sehr schwer mit ihrer Einsamkeit umgehen, sie haben oft nicht rechtzeitig gelernt, Probleme dieser Art zu lösen, oder sich Hilfe zu holen. Das zeigen uns die Suizidraten Jahr für Jahr auf erschreckende Weise", bedauert Klug.


Psychische Erkrankung
Die Zahl der psychisch erkrankten Menschen hat, auch bedingt durch vorgehenden Punkte, zugenommen. Oft führt psychische Krankheit durch Selbst- und Fremdstigmatisierung zur Isolation - die Betroffenen schämen sich ihrer Erkrankung oder Freunde und Bekannte können damit nicht gut umgehen und brechen den Kontakt ab. Es kommt zum sozialen Rückzug.

Moderner Einsamkeit vorbeugen

Beginnen Sie früh, gute stabile Freundschaften zu pflegen und Kontakte auch außerhalb des Berufsumfeldes zu suchen. Stellen Sie dabei private Interessen nicht völlig hinter berufliche Notwendigkeiten. Jeder darf so sein, wie er ist. Selbstannahme ist dabei das beste Mittel gegen Einsamkeit. Und das Wichtigste: Bei Schwierigkeiten keine Scheu haben, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

 

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