Model Eva Padberg über Schönheitsideale und die ewige Liebe

Die WIENERIN traf Topmodel Eva Padberg auf den Malediven zum exklusiven Gespräch über Auszeiten, Glück, Schönheit – und die ewige Liebe. Warum sie seit 19 Jahren nur ihren Mann Niklas liebt und warum das nur mit Ironie und Humor geht.

Wir sind hier an einem paradiesischen Ort, fernab von Terminen, Sorgen und Stress. Du bist jemand, der sehr umtriebig ist. Gönnst du dir oft genug so eine Auszeit?
Ich gehöre zu der seltenen Gattung Mensch, die sehr gut und schnell entspannen kann. Ich habe viele Projekte, aber tatsächlich sind mir diese Auszeiten wahnsinnig wichtig – ich beginne schon am Anfang des Jahres, sie zu planen. Ich bin überhaupt nicht der Workaholic-Typ, wenn ich jetzt einfach 24/7, ohne ein Ziel vor Augen zu haben, durcharbeiten würde, wäre ich wahnsinnig unglücklich und unzufrieden. Ich brauche diese Lichtblicke.


Wenn keine Zeit für eine ­Reise bleibt, wie entfliehst du dann dem Alltag?
Ich finde es wahnsinnig schön, Zeit mit Freunden zu verbringen. Wenn ich in Berlin bin und einen Abend frei habe, mache ich ein Essen und lade Freunde ein. Ich koche wahnsinnig gerne und gärtnere viel auf unserer Terrasse in Berlin, versuche so ganz normale Dinge zu tun. Und wir haben jetzt außerhalb von Berlin noch ein Haus mit einem richtigen Garten. Ich habe das von meinen Eltern, die haben beide einen großen Garten, und ich bin damit aufgewachsen, im Sommer die eigenen Tomaten zu pflücken.


Du bist erfolgsverwöhnt – als Model, Moderatorin, Musikerin. Wie eng ist für dich persönliches Glück mit Erfolg im Beruf verknüpft?
Wenn man im Beruf unzufrieden ist, nicht glücklich mit dem, was man macht, dann nimmt das auch Einfluss auf das Privatleben. Ich glaube, dass berufliches Glück nicht einmal Erfolg sein muss, sondern einfach das Gefühl, dass man etwas macht, was einen erfüllt, einen als Privatmenschen auf jeden Fall glücklicher macht.

Eva Padberg in einer Hängematte


Also zum Beispiel Gärtnern – ohne Öffentlichkeit – würde dich das glücklich machen?
Auf jeden Fall. Das hat sich in den vergangenen Jahren so entwickelt bei mir. Als Kind habe ich nicht verstanden, was meine Eltern daran erfüllt, aber inzwischen finde ich es einfach schön, wenn Dinge wachsen und ich dafür verantwortlich bin.


Mode ist dennoch wichtig für dich. Gibt es Dinge, die dich am ­Modezirkus nerven?
Was mich ehrlich gesagt mehr nervt als der Modezirkus selbst, sind die Vorurteile von außen. Die Außenwelt ist ja oft der Meinung, das wäre alles nur oberflächlich und Drama. Ich glaube, man kann die Modewelt nur verstehen, wenn man tatsächlich mal darin gearbeitet hat. Ich finde es schade, dass viele Vorurteile zum Beispiel durch Casting-Shows geschürt werden. In der Mode gibt es so viele kreative Möglichkeiten, und das ist das, was ich immer schon daran mochte.


Du hast mit Karolína Kurková gemeinsam die Show Das perfekte Model gestaltet. Wie siehst du heute Casting-Formate wie diese?
Es hat meine Sicht darauf verändert, wie Fernsehen gemacht wird und funktioniert. Karolína und ich sind mit dem Gedanken reingegangen, dass wir die Modewelt so zeigen wollen, wie sie wirklich ist. Aber das war nicht möglich, es würde bei einem großen Unterhaltungssender niemanden interessieren. Wenn Arte eine Doku macht, ist das eine Sache, aber wenn man für Unterhaltung sorgen muss, wenn es immer ein wenig Drama geben muss, dann ist das etwas anderes. Bei uns gab es keinen Zickenkrieg, die Mädels waren sehr intelligent und wussten auch, was sie nicht von sich zeigen wollten. Da war der Sender der Meinung, dass das der Quote geschadet habe.

Findest du, dass nach der x-ten Staffel GNTM solche Shows noch Relevanz haben?
Sie haben noch Relevanz fürs Fernsehen. Für die Mädchen haben sie insofern Relevanz, als sie dadurch bekannt werden, aber in der Branche ist es eigentlich nicht zuträglich. Die Mädchen aus meiner Show, mit denen ich noch in Kontakt bin, haben versucht, sich ganz davon zu lösen, weil Kunden und Agenturen oft negativ reagieren. Das ist natürlich wieder ein Vorurteil und schade.

Ein Mensch ist schön, wenn er über sich lachen kann und sich generell nicht zu sehr mit seinem Äußeren beschäftigt.
von Eva Padberg


Beurteilst du nach Äußerlichkeiten? Und hast du dich schon mal völlig geirrt bei einem ersten Eindruck?

Ich irre mich, glaube ich, sehr oft. Ich bemühe mich natürlich, nicht sofort ein Urteil zu fällen, aber der erste Eindruck ist sehr wichtig für mich. Ich bin sicher auch gesteuert durch das Business, in dem ich mich bewege, aber ich mache auch nicht automatisch dicht, wenn mir jemand optisch nicht sympathisch ist.


Was macht einen Menschen schön?
Warmherzigkeit und Ehrlichkeit. Wenn jemand über sich lachen kann und sich generell nicht zu sehr mit seinem Äußeren beschäftigt (lacht).


Du bist seit 19 Jahren mit deinem Mann Niklas zusammen. Wie war da der erste Eindruck?
Positiv. Als wir uns kennen gelernt haben, war ich 14. Er war der Typ in der Schule, den ich unbedingt haben wollte. Zwei Jahre später hat’s dann auch geklappt. Ich fand ihn wahnsinnig attraktiv und finde ihn auch jetzt noch wahnsinnig attraktiv. Auch wenn man alte Fotos betrachtet und sich denkt: „Oh Gott, wie sah ich aus?!“ Ich fand ihn damals schon toll und habe ihn einfach gern angeschaut.

Niklas Worgt und Eva Padberg auf den Malediven


Wie schafft man es, nach so langer Zeit noch so harmonisch zu wirken?
Ich weiß nicht, ob es ein Rezept dafür gibt. 19 Jahre klingen lange, das ist über die Hälfte meines Lebens und vielleicht ist es auch gerade das. Dass wir uns zusammen weiterentwickelt haben und dem anderen dennoch Freiraum gegeben haben, sich in die eigene Richtung zu entwickeln. Auch das gemeinsame Musikprojekt ist für uns wichtig, um als Paar noch mal ganz anders Zeit miteinander zu verbringen, die kreativer und nutzvoller ist. Ich glaube auch, dass Humor sehr viel damit zu tun hat: Man muss miteinander lachen können. Wenn der eine schlecht drauf ist, macht der andere einen dummen Spruch und relativiert dadurch die Situation. Aber im Endeffekt liegt es wahrscheinlich daran, dass wir uns früh gefunden und erkannt haben: Den Menschen mag ich, den will ich lange in meinem Leben haben.


Geht ihr trotzdem manchmal bewusst auf Distanz?
Eigentlich nicht. Früher waren wir viel getrennt, ich war oft sechs Wochen am Stück unterwegs. Diese Fernbeziehung war okay, aber nicht schön für uns. Wir verbringen am liebsten so viel Zeit wie möglich miteinander. Deshalb machen wir ja auch gemeinsam Musik (lacht). Wir sind wirklich gute Kumpels, das Liebespaar auf der einen Seite, richtig gute Freunde auf der anderen. Man erzählt sich alles, man teilt alles mit dem anderen. Er ist der wichtigste Mensch in meinem Leben, und ich kann mir nicht vorstellen, ohne ihn zu sein. Allein, um ihm am Ende des Tages zu erzählen, was ich erlebt habe, und umgekehrt.

Mein Lieblingsbuch ... Die Frau des Zeitreisenden.
Mein Lieblingsfilm ... Moulin Rouge.
Diese Musik höre ich gerade ... FKA Twigs.
Mein liebster Ort ... Provence.
Mein größter Luxus ... Zeit mit Freunden.
Das bedeutet Glück für mich ... So viel Zeit zu haben, auch die schönen Dinge wahrzunehmen.



Denkst du manchmal über das Älterwerden nach?
Wir denken oft darüber nach, wo wir unseren Lebensabend verbringen wollen. Seit ein paar Jahren fahren wir in die Provence und mieten dort ein Ferienhaus. Jetzt haben wir auch dieses Haus in der Uckermark gekauft, außerhalb von Berlin. Wir sind uns einig: raus aus der Stadt, raus aus dem Gewusel, und spielen da so mit Ideen herum. Momentan ist die Nähe zu Berlin noch gut für uns, aber vielleicht, wenn wir 60 oder 65 sind, sagen wir: Komm, lass uns nach Südfrankreich gehen. Es kann auch sein, dass wir nach zehn Tagen hier sagen, es werden die Malediven (lacht).

Das deutsche Model, das auch Moderatorin, Sängerin und Schauspielerin ist, wurde 1980 in Bad Frankenhausen geboren. Als Model arbeitete Eva in Paris, Tokio und New York. Seit 2006 ist sie mit ihrem Partner, dem Musikproduzenten Niklas Worgt, verheiratet, mit dem sie gemeinsam unter dem Namen ­Dapayk & Padberg elektronische Musik produziert und bis jetzt drei Alben releast hat. Padberg setzt sich für karitative Projekte ein, u. a. als Unicef-Botschafterin. Seit 2014 entwirft sie gemeinsam mit Freundin Katja Will (C’est tout) für das gemeinsame Fashion-Label Ce’Nou (cesttout.de).

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