Mode und Kunst

Vom 4. bis 7. Dezember fand die Art Basel Miami statt. Die Kunstmesse ist in den letzten Jahren zum Laufsteg der Mode(labels) avanciert. Höchste Zeit, sich die kreative Verbindung von Kunst und Mode näher anzusehen.

Ein Hut in Form eines Schuhs und ein Kleid mit einer überlebensgroßen Hummerzeichnung waren Sensation und Skandal zugleich. Die Rede ist von den wohl bekanntesten Entwürfen der Haute-Couture-Designerin Elsa Schiaparelli, die im Jahr 1937 entstanden sind. Die Modeschöpferin war damals Teil der Pariser Bohème und eine gute Freundin von Salvador Dalí. Es war also naheliegend, dass die Ideen der beiden Künstler früher oder später zu einem gemeinsamen Werk verschmolzen.

Diese Zusammenarbeit gilt bis heute als einer der Meilensteine in der Geschichte der Mode und der Kunst. Und sie war erst der Anfang einer fruchtbaren Liaison. Nicht zuletzt deshalb, weil sich Elsa Schiaparelli nicht als Modeschöpferin, sondern als Künstlerin sah.

Pop-Art & Fashion

Yves Saint Laurent setzte den nächsten kunstvollen Höhepunkt, der ihm viele Kapitel in der Modegeschichte einbringen sollte. Es war die Zeit der Pop-Art und der Designer sorgte im Jahr 1965 mit seinem Mondrian-Kleid für einen Wow-Effekt, den man nie wieder vergessen sollte. Er bedruckte eine ganze Kleiderkollektion mit den abstrakten Malereien des Niederländers Piet Mondrian, der bereits im Jahr 1944 verstorben war und somit nicht Teil des Entstehungsprozesses war. Damit hatte Saint Laurent einen neuen Ansatz.

Ein Jahr später beauftragte Rodolfo Gucci den italienischen Künstler und Kinderbuchillustrator Vittorio Accornero damit, ein florales Muster zu Ehren von Grace Kelly zu entwerfen. Mit diesem Auftrag bekam das Luxuslabel nicht nur sein ikonisches Muster, das bis heute in vielen Kollektionen zu finden ist, sondern vergab auch als erstes Modelabel der Geschichte einen Auftrag für eine Kollaboration.

Mode im Museum

Die Sache mit Schiaparellis Hummerkleid war längst verdaut und die Beziehung zwischen Mode und Kunst in den folgenden Jahrzehnten immer weiter gediehen. Anfang der 1980er-Jahre war man endlich reif für den nächsten großen Schritt. Und der wurde von der Kunstzeitschrift Artforum gesetzt. Die damalige Chefredakteurin Ingrid Sischy zeigte im Februar 1982 ein Model in einem Kleid des japanischen Designers Issey Miyake auf dem Titelbild.

Wieder einmal lagen Schock und Sensation so dicht beieinander, dass sich in der Fashionwelt etwas nachhaltig verändern musste. Damals hielt die zeitgenössische Mode Einzug ins Museum und die ehemalige US-Vogue-Chefredakteurin Diana Vreeland kuratierte die erste Yves Saint Laurent-Ausstellung im Metropolitan Museum of Art. Ab sofort galt Mode auch als Kulturgut.

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Der kanadische Künstler Kris Knight ist auf dem besten Weg, der Haus- und Hofkünstler von Gucci zu werden. Designerin Frida Giannini ließ sich zuerst von der Farbgebung seiner gemalten Porträts für die H/W-Kollektion 2014/15 der Herren inspirieren. Für die ­aktuelle Cruise-Kollektion interpretierte der 33-Jährige die bekannten Blumenprints des italienischen Labels. Während der Art Basel Miami organisiert die Marke eine Ausstellung für den Künstler.

Heute sind Designer-Retrospektiven schon echte Zugpferde und bringen mehr Besucher ins Museum als so mancher Alte Meister. Bestes Beispiel dafür ist die Ausstellung Savage ­Beauty mit Haute Couture von Alexander McQueen. Bis zu zwei Stunden mussten die Besucher 2011 vor dem Metropolitan Museum in New York anstehen, um einen Blick in die kreative Welt des damals bereits verstorbenen Designers zu erhaschen (die Ausstellung ist vom 14. März bis 19. Juli 2015 im Victoria & Albert Museum in London zu sehen).

Gesamtkunstwerk Runway

Die 1990er-Jahre gehörten den Designern, die mit möglichst viel Konzept und oft wenig Tragbarkeit ihre Karrieren machten. Dazu zählten u. a. Hussein Chalayan oder Rei Kawakubo vom Label Comme des Garçons, die die Mode bewusst zu einer Kunstform erhoben, bei der – im klassischen Sinn – schöne Outfits nichts zu suchen hatten. Aber auch diese Entwicklungen wären ganz nach Elsa Schiaparellis Geschmack gewesen!

Am lautesten hätte die Modeschöpferin wahrscheinlich Marc Jacobs applaudiert, der im Jahr 2002 den Japaner Takashi Murakami damit beauftragte, das Louis Vuitton-Logo zu adaptieren. Mit dem genialen Marketing-Schachzug und dem bunten Ergebnis setzte er einen Trend, der die Kunst in der Mode endlich massen- und alltagstauglich machen sollte.

Seitdem gelten Kooperationen zwischen Künstlern und Labels zum guten Ton. Denn der intellektuelle Charme, der der Kunst anhaftet, färbt auf die als oberflächlich geltende Modebranche ab. Ein echtes Happy End für eine Geschichte, die ursprünglich mit einem toten Hummer begann.

Faktbox (a22c0943)

 

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