Mobbing vermeiden

Fehlzeiten, Krankenstände, schlechtes Betriebsklima – Mobbing kommt Unternehmen teuer. Nur recht und billig ist es dagegen, sich zu wehren. Psychologin Tania Konnerth weiß, wie.

Tipps fürs Opfer

Laut zu jammern oder still zu leiden nutzt nichts. Werden Sie aktiv:

1. Situationsanalyse: Wann begann das Mobbing? Welche Auslöser gab es -wurden Stellen neu besetzt, Gehälter gekürzt? In welchen Situationen werden Sie angegriffen? Wer mobbt und wie? Was empfinden Sie? Wie reagieren Sie?

2. Selbsterkenntnis: Fragen Sie sich, was Sie zur Misere beitragen. Signalisieren Sie unbewusst „Mit mir könnt ihr es ja machen"? Haben Sie unabsichtlich provoziert durch Mimik, Gestik oder Worte? Setzen Sie durch Kleidung, Sprache oder Arbeitsweise Signale wie„ Ich will anders sein"?

3. Defensive: Vermeiden Sie Verhaltensweisen, die das Mobbing begünstigen. Im Zweifel suchen Sie sich aber lieber einen neuen Job als ein neues Ich.

4. Offensive: Sprechen Sie die Mobber auf ihr Verhalten an. Konflikte lassen sich in einem Gespräch oft klären. Auch den Angreifern selbst ist daran gelegen, das Betriebsklima zu verbessern statt es zu vergiften.

5. Alternative: Wechseln Sie das Zimmer, die Abteilung, den Job.

Tricks für Chefs finden Sie auf Seite 2.

Tricks für Chefs

„Mobbing ist ein Problem schwacher Führungskräfte." Also: Seien Sie stark.

1. Konfliktmanagement: Belegen Sie Seminare zu Mitarbeiterführung, Konfliktmanagement, Kommunikation ...

2. Beziehungsweise: Lernen Sie die Belegschaft kennen. Auch informell, z.B. beim Betriebsausflug. Hilfreich: Dossiers anlegen mit Wünschen, Schwächen, Stärken der Angestellten. Wichtig: Informieren! Wer kann mit wem (nicht)? Achten Sie beim Zusammenstellen von Teams darauf.

3. Zuhören: Kennen Sie die Probleme der Kollegen?

4. Problemlöser: Mobbing? Sprechen Sie sofort den Konflikt an, suchen Sie Lösungen. Ergreifen Sie aber nicht Partei fürs Opfer, das verschlimmert seine Situation.

5. Betriebsklima: Mobbing gedeiht, wo das Betriebsklima schlecht ist. Verbessern Sie es durch Lob, Anerkennung etc.

6. Mediator: Holen Sie sich Hilfe von einem Mediator.

Rat für Kollegen von Betroffenen und Hinweise für Mobber finden Sie auf Seite 3.

Rat für Kollegen

Sie tragen Verantwortung -dem Gemobbten und dem Betriebsklima gegenüber.

1. Positionieren: Nehmen Sie das Mobbing als etwas wahr, das aus dem Kollegenkreis heraus entstanden ist. Überlegen Sie, was Sie zur Lösung beitragen können.

2. Ermutigen: Zeigen Sie dem Opfer, dass Sie das Verhalten der Kollegen nicht okay finden. Seien Sie gesprächsbereit. Wenn Sie wissen, welches Verhalten des Gemobbten aneckt, weisen Sie ihn darauf hin.

3. Zivilcourage: Weisen Sie den Mobber in seine Grenzen. Ein Mobber mobbt, weil er bei Dritten auf ein offenes Ohr stößt.

4. Hilfe: Bitten Sie andere Kollegen um Hilfe, wenden Sie sich an Vorgesetzte oder den Betriebsrat. Auf Dauermacht das schlechte Betriebsklima nämlich auch Sie krank.

Hinweis für Mobber

Manche Kollegen sind unerträglich. Wie Sie sich gegen diese wehren, ohne zum Mobber zu werden:

1. Don'ts: Was die Lage weder für Sie noch für die schwierige Person in Ihrem Büro besser macht: Psychologisieren, Rückzug, Bestrafung, Heimzahlen oder Mit-Dritten-Tratschen. Sprechen Sie mit Ihrem Kollegen offen über Ihr Problem mit ihm.

2. Konstruktivität: Lernen Sie Kommunikationstechniken, mit denen Sie Ihren Ärger angemessen und konstruktiv ausdrücken können. Machen Sie dem ungeliebten Kollegen doch einen Vorschlag, wie er sich in Zukunft besser verhalten könnte.

3. Zufriedenheit: Wer mobbt, ist meist unzufrieden. Nehmen Sie Ihr Leben in die Hand.

 

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