Mit Gefühl

Wir zeigen fünf typische Alltagshürden im Zusammenleben mit depressiven Menschen – und wie Sie diese umschiffen.

Freunde und Familie von depressiven Menschen plagt oft die Unsicherheit: Was soll man tun, was lassen? Wir zeigen fünf typische Alltagshürden im Zusammenleben mit depressiven Menschen – und wie Sie diese umschiffen.

Text: Mareike Müller

Hürde 1:
„Ich bemühe mich wirklich, aber da kommt emotional nichts zurück.“

Auf „Ich liebe dich“ keine Antwort zu erhalten, kränkt. Die Verletzung passiert aber von Seiten des depressiven Menschen nicht bewusst. Er hat durch die Krankheit wenig Zugang zu seinen echten Gefühlen und kann nicht adäquat reagieren. Üblicherweise, sagt Psychologin Ulla Konrad, gebe es aber schon Reaktionen. „Vielleicht kommen sie einfach nur zeitverzögert oder scheinbar emotionslos daher. Bleiben Sie dran.“ Akzeptieren Sie: Der Erkrankte schafft es nicht, wie gewohnt auf Ihre Bedürfnisse einzugehen. Achten Sie daher auf eigene Freiräume, treffen Sie sich viel mit Freunden, um aufgefangen zu werden.

Hürde 2:
„Oft will ich nur schreien: Reiß dich endlich zusammen.“

Niemand erwartet, dass Sie psychologisch immer richtig reagieren. Das können Sie auch gar nicht. Die Depression Ihres Freundes / Verwandten / Liebsten ist schließlich auch für Sie Neuland. Obiger Satz aber ist ein No-go. Denn er impliziert, so Psychiater und Psychotherapeut Dr. Stefan Frühwald, „der Kranke könne im normalen Lebenstempo mithalten, wenn er einfach nur genügend Willensstärke aufbringen würde. Doch das kann er nicht.“

Hürde 3:
„Das kann doch nicht sein, dass du es nicht mehr aus dem Bett schaffst!“

Abends fühlen sich depressive Menschen meist etwas besser, weil sie hoffen, am nächsten Morgen sei der Spuk vorbei. Umso schlimmer, wenn die Welt dann gleich schlecht aussieht. Bleibt der Erkrankte im Bett liegen, rät Dr. Frühwald Partnern zu einem reduzierten Programm, etwa: „Probiere es wenigstens zum Frühstück, ich steh dir bei.“

 

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