Mit den SchülerInnen am Ball feiern? Wie geht das?!

Jetzt geht's wieder los. Die ersten Matura- oder Schulbälle der Abschlussjahrgänge gehen über die Tanzflächen. Eine ungewohnte Situation für LehrerInnen und SchülerInnen, die für manchen Schmunzler sorgt.

Ich stehe letztes Wochenende mit einer Freundin an der Bar. Wir sind auf einem Maturaball. Dem Maturaball der Schule, an der sie unterrichtet. Neben uns bahnt sich eine übermütige Gruppe von SchülerInnen den Weg zur nächsten Bestellung - man könnte aus ihrem nicht mehr ganz sicheren Gang darauf schließen, dass es nicht ihre erste Runde alkoholischer Getränke ist. Sie sind bestens gelaunt, blödeln herum, schwanken ein bisschen. Und da. Da sehen zwei von ihnen meine Freundin. Und kriegen den Schreck ihres Lebens. Ihre Gesichter sind auf einmal wie versteinert. Sie sagen kein Wort mehr, drehen sich um und ergreifen die Flucht. Sie haben einen Geist gesehen. Nein, sie haben eine ihrer Lehrerinnen gesehen.

Achtung, flüchten!

Erwischt, ertappt und beobachtet scheinen sie sich zu fühlen und es schaut fast so aus, als hätten sie nicht damit gerechnet, auf dem Schulball auch wirklich ihren LehrerInnen zu begegnen. Meine Freundin und ich brechen darauf hin in schallendes Gelächter aus. Fast tun sie uns ein bisschen leid, weil ihre gute Feier-Laune so abrupt unterbrochen wurde. Dabei ist meine Freundin ein sehr umgänglicher Mensch und kann auch mit angetrunkenen SchülerInnen (natürlich nur, wenn ihr Alter dem Zustand auch entspricht) gut umgehen.

Aber so ist das offensichtlich auf Schulbällen. Wenn LehrerInnen und SchülerInnen außerhalb der gewohnten Schulumgebung aufeinander treffen, dann fühlen sich beide Seiten ein bisschen zu beobachtet, um den Abend in vollen Zügen genießen zu können.

"Ich geh lieber früher"

"Manchmal mag ich auch gar nicht Zeugin davon werden, wie sich meine SchülerInnen aufführen", erzählt mir Tage später eine andere LehrerInnenfreundin, "Deshalb gehe ich von Schulbällen immer recht früh wieder heim, damit sie in Ruhe feiern können. Und dass ich mich voll gehen lasse und ausgelassen feiere, das mag ich auch nicht. Das müssen widerum meine SchülerInnen nicht mitkriegen."

"Ich hab schon recht lustige Situationen bei solchen Abenden erlebt", erzählt wieder eine andere. "Da wissen Schüler oder ehemalige Schüler auf einmal nicht, ob sie sagen dürfen, dass sie mein Kleid hübsch finden oder es komisch ist, ihre ehemalige Lehrerin auf ein Getränk einzuladen. Einmal ist auch eine ehemalige Maturantin nicht mehr von meiner Seite gewichen und wollte mit mir quasi ihre ganze vergangene Schullaufbahn besprechen. Irgendwie sind sie ganz süß, wenn du auf einmal nicht mehr die Lehrerin bist für sie, aber sie trotzdem noch immer so eine starke Verbindung zu dir haben, weil ihr ja viele Jahre miteinander in der Schule verbracht habt."

"Ehemalige SchülerInnen zu treffen, finde ich immer spannend. Lustig ist aber schon, dass es für uns alle eine ungewohnte und neue Situation ist. Auch wenn ich mit vielen nach ihrer Schullaufbahn per Du bin, ganz vielen fällt es wirklich schwer mich nicht mehr zu siezen. Wenn ich sie dann ausbessere, lachen wir viel."

Ungewohntes Terrain ist also bei Schulbällen für viele nicht nur die Tanzfläche. Und erkenntnisreich, schließlich sieht man die anderen in einer neuen Rolle und mit neuen Augen.

WIENERIN-Autorin Ursula Neubauer hat selbst mal unterrichtet. Aber nur kurz. Der Lehrberuf war nix für sie. Das Thema Schule begleitet sie aber nach wie vor dank vieler Lehrerinnenfreundinnen. In dieser Kolumne schreibt sie über Erlebnisse zwischen Lehrer- und Nichtlehrermenschen und den ganz normalen Schulwahn(sinn).

Zu allen Beiträgen der "Hey, Frau Fessa"-Kolumnenreihe.

 

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