Millennials tun sich schwer in der Arbeit FreundInnen zu finden

ArbeitskollegInnen, die zu FreundInnen werden? Für manche Millennials wirddas zum unereichbaren (Alb-)traum.

Für jeden Lebensabschnitt gibt es Menschen, die einem ganz besonders ans Herz wachsen. Zuerst sind das die KindergartenfreundInnen, dann SchulfreundInnen, später folgen Schul- oder UnifreundInnen und dann befreundete ArbeitskollegInnen - das war bis jetzt irgendwie immer so. Manche dieser FreundInnen bleiben uns ein Leben lang erhalten, andere werden von neuen Lieblingsmenschen abgelöst, wenn man sich wegen neuer Interessen aus den Augen verliert oder Menschen kennenlernt, die einfach gerade besser zur Lebenseinstellung passen.

Nun legen neue Umfrageergebnisse nahe, dass dieses Konzept des Freundefindens gerade bei jungen Leuten immer weniger häufig zur Anwendung kommt. Die so genannten Millennials (= zwischen 1980 bis 1999 Geborene, auch Generation Y genannt) tun sich nämlich schwerer, FreundInnen im Beruf zu machen, als ältere Generationen vor ihnen. Einer Umfrage des Absolventen-Jobportals Milkround.com zufolge, bei dem 2016 Befragte Auskunft über ihre sozialen Kontakte im Beruf gaben, erklärten knapp zwei Drittel der Befragten (65 Prozent) zwischen 25 und 34, dass sie Mühe hatten, FreundInnen im Beruf zu finden. Im Vergleich zu den Befragten der Babybommer-Generation, bei denen nur knapp ein Viertel (23 Prozent) über Probleme beim FreundInnenfinden klagte, zeigten sich die Millennials damit um einiges pessimistischer.

Unter den Unter-25-Jährigen dürften die Schwierigkeiten sogar noch ausgeprägter sein: Hier fürchten sich rund 24 Prozent davor, neue KollegInnen im Job kennenzulernen, unter den 55-Jährigen haben diese Angst nur rund acht Prozent. Knapp die Hälfte der Befragten unter 25 gab außerdem zu, sich schon einmal krankgemeldet zu haben, um sozialen Events in der Arbeit aus dem Weg zu gehen. Die Millennials zeigten sich hier zumindest etwas offener: hier gaben 38 Prozent an, in diesem Fall "krank" zuhause geblieben zu sein.

Stress als Grund?

Sind junge ArbeitnehmerInnen einfach asozialer als ihre Vorgenerationen oder gibt es andere Gründe, die die Angst vorm Kontakte knüpfen erklären? Fragt man die Betroffenen, gaben immerhin 30 Prozent "Stress" als Grund an, warum sie sich mit sozialer Interaktion im Job so schwer taten. Allerdings dürfte es wohl auch an den Millennials selbst liegen, denn nur sechs Prozent gaben an, sich bei solchen Schwierigkeiten an den Arbeitgeber zu wenden und um Hilfe zu bitten.

FreundInnen im Beruf sind wichtig

Dabei wäre Hilfe in diesem Fall wichtig, glauben ExpertInnen. Es sei durchaus hilfreich für Menschen soziale Kontakte im Beruf zu knüpfen, wenn man bedenkt, wie lange Menschen im Job verweilen. "Wir verbringen rund ein Viertel unseres Erwachsenenlebens im Beruf, deswegen hat es einen positiven Effekt auf unser Wohlbefinden, wenn wir uns mit Menschen umgeben, denen wir vertrauen können und mit denen wir gerne Zeit verbringen’”, erklärt die Psychologin Emma Kennyim britischenIndependent.

Das sei nicht nur die Aufgabe der ArbeitnehmerInnen, sondern auch für Unternehmen. Wer hier Anreize schafft, ermöglicht den MitarbeiterInnen in weiterer Folge auch ein besseres Arbeitsklima.

Junge Generation: Arbeit und Freundschaft trennen?

Vielleicht ändern sich die Vorstellungen über den idealen Arbeitsplatz aber auch einfach bei jungen Menschen im Bezug auf soziale Kontakte. Schon jetzt zeigen Studien, dass gerade in der Generation Y und in weiterer Folge auch in der darauffolgenden Generation Z ein Paradigmenwechsel in Sachen Beruf und Privatleben stattfindet. So werden das Thema "Ruhe", kürzere Arbeitszeiten (Stichwort 30-Stunden-Woche) und klare Abgrenzungen zwischen Beruf- und Privatleben, laut aktuellen Befragungen unter jungen ArbeitnehmerInnen, immer wichtiger. Der Faktor Freundschaft im Beruf könnte hier immer mehr in den Hintergrund rücken. Stattdessen könnte der Fokus auf konzentriertem (möglichst pausenarmen) Arbeiten in der Firma liegen, um mehr Zeit für Freizeitaktivitäten (und FreundInnen) zu ermöglichen.

Vielleicht sind die Millennials also doch nicht so asozial, wie so manche(r) denkt. Sie suchen ihre FreundInnen aber (in Zukunft) womöglich einfach woanders.

 

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