Michi Buchinger: "Wir können alle vom Feminismus profitieren"

Der charmante YouTuber im "Hawara der Woche"-Interview über das Tabuthema Feminismus, Beleidigungen im Netz und seinen Beruf als YouTube-Star.


Männer, die wir mögen: In unserer Rubrik "Hawara der Woche" stellen wir regelmäßig Männer vor, für die Gleichberechtigung selbstverständlich ist. Heute: Michael Buchinger.

Michi Buchinger zählt nicht zu den typischen österreichischen Prominenten - und das, obwohl der junge Burgenländer mittlerweile von über 1 Mio. Menschen in Monat gesehen wird. Michi Buchinger ist YouTuber. Was das heißt? Der Student verdient mit selbstgedrehten Videos seinen Lebensunterhalt und ist dabei im Übrigen auch noch ziemlich lustig. Bekannt geworden ist er mit seinen monatlichen "Hasslisten". Videos, in denen er seinem Hass bei einem Glaserl Weißwein freien Lauf lässt (ein Zustand, der jedem leidenschaftlich sudernden Wiener wohl sehr bekannt vorkommt).

Für unsere "Männer-Feministen"-Kampagne baten wir den Burgenländer zum "Hawara der Woche"-Interview und sprachen mit ihm über Geschlechter-Stereotype, männliche Feministen und seine Vorbilderrolle als YouTuber.

Als wir dich damals gefragt haben, ob du bei unserer Aktion "Ich bin Feminist" mitmachen willst, hast du ja sogar ein Video zum Thema Männer und Feminismus gedreht. Wie haben es deine Zuseher aufgenommen, dass du das Thema Feminismus behandelst?

BUCHINGER: Teilweise überraschend schlecht, das hätte ich mir echt nicht gedacht. Weil es ja Leute aus meiner Community waren und ich mir dachte, dass die das ähnlich sehen wie ich. Ich muss dazu sagen, wenn ich sage, "überraschend schlecht", dann heißt das schon, dass immer noch zwei Drittel der Kommentare positiv waren. Aber ich bin es halt nicht gewohnt, dass so viele Leute etwas nicht gut finden und ich fand das Video jetzt nicht so schockierend. Ich habe ja Dinge wie Gleichberechtigung und Gender in meinen Videos schon seit zwei oder drei Jahren immer wieder thematisiert, nur jetzt habe ich sie eben explizit ausgedrückt.


Natürlich freut es mich, wenn dann Diskussionen unter meinen Videos entstehen und die Leute sich austauschen. Nur hab ich jetzt aufgehört die Kommentare zu lesen, es sind ja schon mittlerweile über Tausend geworden. Es ist wirklich überraschend, dass das Thema so viele Leute bewegt. Also ich finde es gut, dass es bewegt aber, dass es so aufregt ist halt das Problem.

Glaubst du, rührt diese Aufregung daher, dass du dich in dem Video explizit als "Feminist" bezeichnet hast?

Ja, ich glaub' schon. Viele Leute haben dann Negativ-Beispiele gebracht von Feministen und Feministinnen, die dies und jenes gemacht haben. Wo ich mir denk, "jo eh, das gibt’s halt bei jeder Gruppe an Menschen". Es sind immer irgendwelche dabei, die etwas gemacht haben, das irgendwie problematisch ist. Und einige meinten, dass es schlecht von mir ist, sowas zu unterstützen. Sie meinten, wenn ich behaupte, dass Feminismus super ist, würde ich damit auch meinen, dass diese paar Ausreißer ebenfalls super sind. Ja... (verdreht schmunzelnd die Augen). Ich weiß ned, warum es so ein Tabuthema ist. Aber genau deswegen wollt' ich es auch einmal thematisieren.

Wenn man im Internet ist, fühlt sich immer irgendwer angegriffen. Man muss es nicht immer jedem Recht machen. Leider bin ich vom Sternzeichen Waage, deshalb funktioniert das nicht so gut.
von Michi Buchinger

Ist Feminismus bei uns in Österreich mehr ein Tabuthema als in anderen Ländern, in den USA zum Beispiel?

Das kann gut sein. Es wird bei uns in den Medien nicht so oft zum Thema gemacht. Wenn, dann halt schon sehr auf eine Art und Weise, in der man verleitet wird zu denken: "Ah geh, diese Feministen schon wieder, was die da schon wieder mochen, des was i ned". Aber es braucht einfach wieder einige Positivbeispiele. Es gibt ja eh sehr viele davon und ich kenn' auch sehr viele tolle Feministinnen - sonst hätte ich das Video auch nicht gemacht. Aber für viele Leute, die in dem Thema nicht so drin sind, ist Feminismus noch immer ein Wort, das ein Warnsignal auslöst.

Hat deine -doch sehr positive- Einstellung auch mit deinem Studium (Anm: Englisch und Gender Studies) zu tun?

Das hat auf jeden Fall etwas damit zu tun. Als ich angefangen habe, Englisch zu studieren, haben wir immer wieder Werbungen analysiert haben, bei denen es um Gender und Rollenbilder ging. Das hat mich sehr fasziniert und deswegen hab' ich dann auch "Gender Studies" als Erweiterungsstudium gewählt. Ich habe dort auch sehr viele tolle Menschen kennengelernt - und natürlich auch einige Unsympathler, aber die gibt’s überall.

Wenn sie das Wort Gender hören, dann denken sie natürlich gleich an "gendern". Und dann kommt gleich als Folgefrage: "Isst du dann eigentlich auch einen Kaiserinnenschmarrn?".
von Michi Buchinger

Siehst du dich in deinem Umfeld auch mit Vorurteilen konfrontiert, wenn du dich als "Gender Studies"-Student "outest"?

Ich glaube, es ist immer wieder diese negative Gender-Auffassung, die so verbreitet ist. Die einen meinen eben, sie würden Feminismus hassen - was meiner Meinung nach eher aus Falschinformation kommt, denn, wenn man sich ein bisschen informiert, dann kann man Feminismus ja nicht hassen. Das gilt zumindest für meine Freunde, deren Werte ich ja kenne. Und die anderen sagen dann meist: "Na, also das find' ich jetzt total übertrieben". Weil, wenn sie das Wort Gender hören, dann denken sie natürlich gleich an "gendern". Und dann kommt gleich als Folgefrage: "Isst du dann eigentlich auch einen Kaiserinnenschmarrn?". So blöd. (lacht)

Wenn die Leute so auf dich reagieren, bist du dann eher jemand, der still bleibt und sich damit abfindet oder versuchst du das dann gerade zu rücken?

Ich sag' meist schon etwas, aber ich versuche es unterschwellig mit der persönlichen Schiene a la: "Also meiner Erfahrung nach ist das so und so". Bei meinem Video meinten auch einige, "du sagst zwar Feminismus ist so, aber auf dieser Website steht, dass Feminismus die Hervorhebung der Frau ist". Man kann sich ja eh immer zurechtlegen, wie man es halt möchte. Wenn die Leute es dann nicht akzeptieren, dann ist das auch ok. Aber ich habe dann eine schlechtere Meinung von ihnen (schmunzelt).

Glaubst du, dass Feminismus auch für Männer Vorteile hat?

Ja, ich glaube wir leiden – also leiden – aber wir sind schon ein bisschen eingeschränkt durch die patriarchale Gesellschaft. Beispielsweise durch die Tatsache, dass in unserer Gesellschaft alles, was bei Männern ein bisschen feminin ist, gleich schlecht ist. Ich, jetzt als Mann, der jetzt nicht dem Prototyp Macho entspricht, merke dann schon oft, dass die Leute sagen: "Na, das ist ja schon ganz schön feminin an dir, das mag ich aber nicht". Ich glaube, es gibt viele Männer, die sich dann nicht männlich genug fühlen, weil sie denken, dass sie durch ihre feminine Art – also im Sinne des Stereotyps feminin - gleich schlecht sind und es fürchterlich ist, dass sie Schwäche zeigen. Also im Sinne dessen, dass der Feminismus auch hilft Stereotype aufzulösen, können wir alle davon profitieren.


Für solche kleinen Sticheleien und Anschuldigungen bietet YouTube ja leider eine relativ große Angriffsfläche, oder…?

Die Kommentare sind oft sehr positiv und es war nur bei diesem Video recht negativ. Es sehen sich selten Leute meine Videos an, die mich nicht mögen. Ich glaube schon, dass ich da eine relativ große Angriffsfläche habe, aber nach einiger Zeit wird man auch ziemlich immun dagegen. Wenn jemand etwas an meiner Person aussetzt, ist mir das relativ wurscht. Aber, wenn jetzt jemand ganze Gesellschaftsgruppen beleidigt, dann lösch ich es. Wenn man im Internet ist, fühlt sich immer irgendwer angegriffen. Man muss es nicht immer jedem Recht machen. Leider bin ich vom Sternzeichen Waage, deshalb funktioniert das nicht so gut (lacht).

Ich bin halbwegs höflich und ich trink' jetzt auch nimmer so viel Wein wie früher.
von Michi Buchinger

Aber kann man beruflich von dem YouTuber-Dasein leben?

Ja doch. Also ich bezeichne mich beruflich als selbstständiger YouTuber. Aber es kommt drauf an, es ist von Monat zu Monat verschieden. Den meisten ist es nicht bewusst, dass man davon wirklich leben kann. Es ist für den Moment ein netter Beruf, aber wie lange ich das weiter machen kann, weiß ich auch nicht. Irgendwann hat man auch ein Ablaufdatum auf dieser "jungen" Plattform.

Was hältst du generell von der österreichischen YouTube Szene? Also wenn man sich da den größten österreichischen YouTuber "KsFreakWhatElse" ansieht, kommt einer Feministin/ einem Feminist schon manchmal das Grauen…

Ja er mag mich glaub' ich nicht. Also unsere Communities sind auch verfeindet. KSFreak denkt auch ich bin ein Hurensohn. Aber ja, auf so etwas will ich mich auch gar nicht einlassen. Find ich jetzt nicht so toll, aber es scheint ja zu funktionieren. Ich versuche mich auch nicht mit irgendwem zu vergleichen. Viele Dinge, die jetzt nicht so toll sind, sind ja trotzdem auch populär.

Würdest du dich selbst als Vorbild gegenüber deinen Zusehern sehen?

Ich habe immer versucht es mir nicht bewusst zu machen, weil man dadurch schon sehr eingeschränkt wird. Ich habe es eine Zeit lang probiert, aber dann merken die Leute auch irgendwann, dass ich quasi zensiert bin. Allerdings schreiben mir die Leute schon manchmal: "Michi du bist mein Vorbild". Da denk' ich mir schon, dass das gerade mit dem Alkohol vielleicht nicht so gut ist. In vielerlei Hinsicht denk' ich, bin ich aber an sich kein schlechter Mensch. Ich bin halbwegs höflich und ich trink' jetzt auch nimmer so viel Wein wie früher.

Michi Buchinger und sein Hass-Begleiter - der Weißwein - in action:

Wirst du dafür kritisiert, dass du in deinen Videos so viel Wein trinkst?

Ständig. Also das ist ein beliebter Kritikprunkt bei mir. Ich mein', wenn ich jetzt völlig besoffen Videos machen würde, dann könnt ich ja auch verstehen. Aber, so ein Glaserl beim herumstänkern… Also ein Glas Wein soll ja auch gesund sein.

 

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