Michael Haneke fordert Ende der #metoo-"Hexenjagd"

Der Preisträger der "Goldenen Palme" kann der #metoo Bewegung nur wenig Positives abgewinnen. Er sieht darin vielmehr fruchtbaren Boden für "Männerhass", eine "Vorverurteilungshysterie" und fürchtet einen "Feldzug gegen jede Form von Erotik".

Der mehrfach ausgezeichnete, österreichische Regisseur Michael Haneke ("Liebe", "Das weiße Band") äußerte in einem Interview mit dem "Kurier" harte Kritik an den Auswüchsen der #metoo-Bewegung.

"Vorverurteilungshysterie"

Der Österreicher fürchtet, die Bewegung würde die Gesellschaft in ein "neues Mittelalter" befördern. Natürlich sei, so Haneke, "jede Form von Vergewaltigung oder Nötigung zu ahnden", allerdings wäre die #metoo-Debatte in einer "Vorverurteilungshysterie" geendet.

Außerdem stellt der Regisseur die Glaubwürdigkeit einiger verjährter Aussagen infrage: "Ich möchte nicht wissen, wie viele dieser Anklagen, die sich auf Vorfälle vor 20 oder 30 Jahren beziehen, in erster Linie Abrechnungen sind, die mit sexuellen Übergriffen nur wenig zu tun haben", so Haneke gegenüber der Tageszeitung.

Keine Erotik wegen #metoo?

Dass es den BefürworterInnen der #metoo-Bewegung um Machtmissbrauch und das Aufbrechen patriarchaler und frauenverachtender Strukturen geht, scheint bei Haneke kaum Relevanz zu finden.

Vielmehr, so fürchtet er, würde die Debatte einen "männerhassenden" Puritanismus befeuern, er ahndet ein "Feldzug gegen jede Form von Erotik". "Das hat alles nichts damit zu tun, dass jeder sexuelle und jeder gewaltsame Übergriff – egal ob gegen Frauen oder Männer – zu verurteilen und auch zu bestrafen ist, aber die Hexenjagd sollte man im Mittelalter belassen. Ich kann mir vorstellen, was man im Netz nach diesem Interview lesen kann: Haneke, the male chauvinist pig."

Anders sehen das viele Hollywood-SchauspielerInnen, die das neue Klima am Set neuester Hollywood-Produktionen durchaus zu schätzen wissen. So erklärte etwa Schauspielerin Michelle Williams kürzlich im WIENERIN-Interview: "Ich arbeite zurzeit an einem Film, und ich habe das Gefühl, dass das Klima am Set anders als alles ist, was ich je erlebt habe. Es ist professioneller, respektvoller und fairer."

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