Mexikanische Frauenhäuser warnen: Immer mehr häusliche Gewalt in der Corona-Isolation

"Mein Mann drohte, mich umzubringen" - Seit der Quarantäne sind Anrufe bei Mexikos Anti-Gewalt-Hotlines um bis zu 100 Prozent gestiegen. Frauenhäuser fordern nun mehr Unterstützung von Seiten der Regierung.

Häusliche Gewalt

"Seitdem es diese Krankheit gibt und wir nicht mehr rausgehen sollen, hat sich meine Situation verschlimmert", berichtet eine 26-jährige, die anonym bleiben will, wie die Tagesschau berichtet. Am Dienstag sei sie mit ihrem Baby vor ihrem gewalttätigen Mann weggelaufen: "Mein Mann ist nicht mehr arbeiten gegangen und hatte deshalb ständig Gelegenheit, mich zu beschimpfen. Er sagte mir, dass er mich hasse, und drohte, mich umzubringen. Dass er mich die ganze Zeit zu Hause sehen musste, machte ihn sehr wütend."

Frauenhäuser befürchten weiteren Anstieg von häuslicher Gewalt

Die junge Mutter ist damit eine von immer mehr Frauen, die Schutz in einem Frauenhaus suchen. 69 staatlich organisierte Anlaufstellen gibt es in dem Land mit 130 Millionen Einwohner*innen. Die Gewalt an Frauen war in Mexiko schon vor der Corona-Pandemie extrem. Durch die Ausgangsbeschränkungen habe sich das Problem noch weiter verstärkt, wie Alicia Leal, Leiterin der staatlich organisierten Frauenhäuser, laut Tagesschau berichtet: "Sie sind jetzt gezwungen, mit ihren gewalttätigen Partnern Zeit zu verbringen. Hinzu kommt der Druck durch die Enge vieler Behausungen, das Fehlen privater Räume, die Armut." Viele Mütter hätten etwa berichtet, mit ihren Kindern in Abstellkammern eingesperrt gewesen zu sein, damit die Männer im Home Office nicht gestört würden.

Durch mangelnde Rückzugsorte ist es für von Gewalt betroffene Frauen zudem schwieriger, Hilfe zu rufen: "Wenn der Aggressor die ganze Zeit präsent ist, können sie keine Notfallhotline anrufen."

Anrufe bei Helplines um 100 Prozent gestiegen

Die Corona-Pandemie wirke laut Wendy Figueroa vom Netzwerk der Frauenhäuser wie ein Verstärker für häusliche Gewalt: "Angesichts der Doppel-Pandemie, die wir erleben - extreme Macho-Gewalt gegen Frauen und das Coronavirus, ist es wichtig, dass der Staat mit besonderen Strategien reagiert, die wirklich alle Frauen erreichen - sonst wird sich die Diskriminierung weiter verschärfen. Mexiko hat zwei Herausforderungen: Mit möglichst wenigen Toten die Coronakrise überstehen und dazu mit möglichst wenigen weiblichen Gewaltopfern." In der Regierungskampagne "Du bist nicht allein", die diese Woche gestartet ist, werden Telefonnummern für Notfälle eingeblendet. Je nach Bundesstaat ist die Zahl der Frauen, Mädchen und Kinder, die sich hilfesuchend an Hotlines wenden um bis zu 100 Prozent gestiegen.

Im Schnitt zehn Mordfälle pro Tag

Die Kampagne von Seiten der Regierung könne allerdings nur ein Anfang im Kampf gegen Gewalt an Frauen sein: Im Durchschnitt werden immer noch zehn bis elf Mexikanerinnen pro Tag ermordet. Figueroa fordert deshalb temporäre Unterkünfte – etwa nach französischem Vorbild, wo leerstehende Hotelzimmer als Fluchtorte genutzt werden – und vor allem: eine bessere Ausstattung der Frauenhäuser.

 

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