#MeToo-Folgen: Beschwerden wegen sexueller Belästigung am Arbeitsplatz steigen

#MeToo hat reale Auswirkungen. Das zeigt sich nicht zuletzt an den Beschwerden wegen sexueller Belästigung am Arbeitsplatz. Die sind nämlich im ersten Halbjahr 2018 deutlich höher als noch im Vorjahr.

Im ersten Halbjahr 2017 sind der Gleichbehandlungsanwaltschaft noch 104 Fälle sexueller Belästigung in der Arbeitswelt gemeldet worden. Im ersten Halbjahr 2018 waren es 172. Die Gleichbehandlungsanwältin Sabine Wagner-Steinrigl führt das laut APA-Bericht auf Veränderungen im Zuge der #MeToo-Bewegung zurück. Die Firmen schicken etwa Führungskräfte, um sie zu schulen, wie sexueller Diskriminierung vorgebeugt werden kann.

#MeToo hat einen Bewusstseinswandel herbeigeführt

Auch die Solidarität unter den Betroffenen steigt - es komme immer öfter vor, dass sich mehrere Menschen aus einer Firma dazu entscheiden, eine Beschwerde vorzubringen. Auch Unternehmen selbst würden vermehrt eigene Stellen zum Umgang mit sexueller Belästigung einrichten.

Metoo im Job

Wann spricht man von sexueller Belästigung?

Das Gleichbehandlungsgesetz im Arbeitsleben definiert sexuelle Belästigung als "ein der sexuellen Sphäre zugehöriges Verhalten, das die Würde einer Person beeinträchtigt oder dies bezweckt und für die betroffene Person unerwünscht, unangebracht oder anstößig ist ... Sexuelle Belästigung liegt vor, wenn dieses Verhalten vom Arbeitgeber, einem Kollegen oder einem Dritten (z. B. einem Kunden) an den Tag gelegt wird, oder wenn der Arbeitgeber es schuldhaft unterlässt, eine angemessene Abhilfe zu schaffen, wenn die Arbeitnehmerin durch Dritte sexuell belästigt wird."

Damit sagt der Gesetzgeber recht klar: Sexuelle Belästigung ist u.a., was als solche empfunden wird und für die betroffene Person unerwünscht ist. Das kann ein "freundschaftlicher" Klaps sein, eine zweideutige Anspielung oder eine echte handgreifliche Attacke, wie auf der "Arbeiterkammer"-Seite nachzulesen ist.

Weitere Beispiele für sexuelle Belästigung:

  • Poster von Pin-ups im Arbeitsbereich (auch am Computer)
  • pornografische Bilder am Arbeitsplatz
  • Anstarren, taxierende Blicke
  • anzügliche Witze, Hinterherpfeifen
  • anzügliche Bemerkungen über Figur oder sexuelles Verhalten im Privatleben
  • eindeutige verbale sexuelle Äußerungen
  • unerwünschte Einladungen mit eindeutiger (benannter) Absicht
  • Telefongespräche und Briefe oder E-Mails (oder SMS-Nachrichten) mit sexuellen Anspielungen
  • Versprechen von beruflichen Vorteilen bei sexuellem Entgegenkommen
  • Androhen von beruflichen Nachteilen bei sexueller Verweigerung
  • zufällige/gezielte körperliche Berührungen
  • Aufforderung zu sexuellen Handlungen
  • exhibitionistische Handlungen

Hilfe für Betroffene

Opfer sexueller Belästigung und Gewalt können telefonisch und im Internet Hilfe finden. Unter 0800 222 555 ist die Frauenhelpline gegen Gewalt erreichbar, die Männerberatung unter 01/603 28 28.

 

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