Met Gala 2019: Was haben die da an?!

Auffällige Outfits, verrückte Posen und ganz viel Glamour. Bei der Met Gala jagt ein modisches Highlight das nächste. Aber warum kleiden sich bei diesem Event alle so extravagant? Und was bedeutet eigentlich dieses Motto "Camp"?

Billy Porter Met Gala

Der erste Montag im Mai ist für Modefans quasi ein heiliger Feiertag. Was für KinoliebhaberInnen die Oscarnacht ist und für Footballfans die Superbowl ist, ist für die Modebranche die "Met Gala". Die Benefizveranstaltung für das Costume Institute des Metropolitan Museum of Art findet bereits seit 1995 statt und hat sich über die Jahre hinweg als das modische Highlight etabliert. Während die Stars bei Kinopremieren oder Galaveranstaltungen in der Regel meistens auf Eleganz und "Chic" setzen, wird sich am Abend der Met Gala modisch ausgetobt - zur Freude der ZuseherInnen, die das Event auf der ganzen Welt mitverfolgen.

Im Zentrum des Abends stehen allerdings weniger die Stars, sondern die Mode selbst. DesignerInnen wählen vorab Musen aus, die ihre extravaganten Kreationen auf dem Pink Carpet präsentieren. Gemeinsamer Nenner des Abends ist ein Motto, das vorab vom Costume Institute ausgegeben wird.

Met-Gala-Motto: "Camp"

Dieses Jahr stand das Event unter dem Motto "Camp". Und nein, gestern Abend sind keine PfadfinderInnen über den Pink Carpet geschritten. Vielmehr leitet sich das Motto von dem Essay der Schriftstellerin Susan Sontag, "Camp: Notes on Fashion" (1964) ab, die in 58 Punkten den Begriff zu fassen und herzuleiten versucht. Der Text von Sontag ist eine Ode an die Übertreibung, die Extravaganz und die Theatralik. "Die Essenz von Camp ist die Liebe zum Unnatürlichen, zur Künstlichkeit und zur Übertreibung", fasst die Schriftstellerin in ihrem Essay zusammen.

Nun, stellt sich für Normalsterbliche natürlich schon die Frage: Warum gräbt man für eine Modeveranstaltung einen Text aus den 60ern hervor, zu dem die meisten keinen Bezug herstellen können? Weil es gerade zum Zeitgeist passt, finden die VeranstalterInnen, die unter der Schirmherrschaft von US-Vogue-Chefin Anna Wintour stehen. Camp, das sei ein Synonym für überbordende Extravaganz, Übertreibung und ein "Triumph des epizentrischen Stils", wie es Sontag in ihrem Essay nennt. Eine Entwicklung, die laut den OrganisatorInnen die aktuelle gesellschaftliche und politische Lage perfekt widerspiegeln würde. Quasi eine Ode (oder Parodie) an die über-inszenierten Kim Kardashians dieser Welt, die impulsiven Donald Trumps oder die wandelbaren Lady Gagas. Ein Motto, in dem sich jede und jeder ausleben können soll und sich von seiner exzentrischsten Seite präsentieren kann.

Die Met Gala

Die Benefizveranstaltung für das Costume Institute des Metropolitan Museum of Art findet bereits seit 1995 statt und hat sich über die Jahre hinweg als das modischen Highlight etabliert. Die Spendeneinnahmen in Millionenhöhe kommen dem Fashion-Department des Museums zugute und fließen unter anderem in die Realisierung von aufwendigen Mode-Ausstellungen. Schirmherrin der Gala ist US-Vogue Chefin Anna Wintour.

Das Motto ist im Vorfeld aber nicht nur auf Begeisterung gestoßen. Denn was die OrganisatorInnen anscheinend nicht bedacht haben, sind die kulturellen Wurzeln des Camp-Begriffs, denen sich Sontag in ihrem Essay vielfach entzogen hat, bemängeln KritikerInnen heute. Sontags Essay würde die Einflüsse der Queer-Community, im speziellen jener der Trans-People-Of-Color ignorieren - dabei wäre dieser Camp-Begriff, wie wir ihn heute verstehen ohne queere Einflüsse nicht denkbar, kritisieren mehrere ExpertInnen etwa auf Refinery29. Camp-Ikonen von Josephine Baker bis RuPaul seien nur einige Beispiele dafür. Das Met-Motto sei ein weiterer Beweis dafür, wie solche Begriffe ohne Bezug auf deren Herkunft von der Mainstream-Kultur vereinnahmt werden.

Das Motto hätte eine gelungene Ode an genau diese kulturellen Einflüsse und die vielfältige Entwicklung des Begriffs sein können, hätte man sich auch mit diesen Wurzeln stärker auseinandergesetzt und vor allem: Credit gegeben. Stattdessen ist "Camp: Notes on Fashion", leider vor allem eins: erneute kulturelle Aneignung.

Und was tragen die da?

Nun aber an's Eingemachte. Schließlich lebt die Met Gala vor allem von dem, was auf dem Teppich zur Schau gestellt wird. Und das zur-Schau-stellen wurde dieses Jahr besonders ernst genommen, wie die folgenden Kreationen beweisen.

Lady Gaga

Glücklicherweise konnte man in diesem Jahr Lady Gaga, Königin der Extravaganz, als Co-Gastgeberin für die Mode-Oscars gewinnen (und von jemandem, der ungeniert im Kermit-der-Frosch-Kostüm und in Fleisch-Kleidern durch die Gegend läuft, durfte man sich einiges erwarten). Wir wurden nicht enttäuscht. Die Sängerin ließ ihren Red Carpet-Auftritt in einer 16-minütigen Performance ausarten - so, wie man es eben von Gaga gewohnt ist. Statt in einem Ei, ließ sich Gaga dieses Mal in einem pinken Umhang, dessen sie sich wenig später entledigte, von ihrem Designer Brandon Maxwell eskortieren. Freilich wäre ein Outfitwechsel nicht genug gewesen, letztlich präsentierte Gaga vier verschiedene Outfits, ihre Performance gipfelte in einem Lingerie-Look, den sie theatralisch und völlig over-the-top inszenierte. Mehr Camp war eigentlich kaum möglich.

Lena Waithe

Und trotzdem war Gaga an diesem Abend bei Weitem nicht das einzige Gesprächsthema. Lena Waithe, Schauspielerin ("Dear White People") und Drehbuchautorin ("Masters of None") nutzte ihren Besuch bei der Gala zusammen mit Designer Kerby Jean-Raymond, um der Welt klar zu machen, wer der eigentliche Erfinder des Mottos war. "Black Drag Queens Invented Camp" stand auf dem Rücken ihres Blazers geschrieben - ein Satz, der den OrganisatorInnen "Check Your Privilige" noch einmal ordentlich ins Gewissen rief - und für sehr viel Applaus in den sozialen Medien sorgte.

I came to slay, bitch.

Ein Beitrag geteilt von Lena Waithe (@lenawaithe) am

Katy Perry

Sängerin Katy Perry nahm das extravagante Motto ebenfalls besonders ernst und übte sich als fleischgewordener Kronleuchter. Auch Perry hatte in der Vergangenheit bei ihrer Outfitwahl stets Selbstironie bewiesen, ihr Mut zu Extravaganz in einer Kreation des Designers Jeremy Scott (Moschino) bekam in den sozialen Medien viel Applaus (und ein bisschen Häme, es ist immerhin das Internet). Lumière aus "die Schöne und das Biest" wäre jedenfalls stolz auf sie gewesen.

Männlichkeit am Prüfstand

Die eigentlichen Stars an diesem Abend waren aber diesmal die Männer. Statt für langweilige Anzügen entschieden sich viele Stars diesmal für außergewöhnliche Looks, fernab von Konventionen und Rollenbildern. Nachdem die meisten Männer jahrelang durch gähnende Langeweile aufgefallen waren, kam mit dem gestrigen Abend endlich Bewegung ins modische Spiel der Herren. Oder, wie es das Portal Vulture treffend zusammenfasste: "The boys, they’re back in (fashion) town".

Billy Porter zeigte bereits bei den Oscars, dass Männer in Kleider verdammt gut aussehen können. Und, oh wie könnte es anders sein, stellte er bei der Met Gala erneut unter Beweis, dass an seinen Sass gerade niemand herankommt. Porter erschien in einer goldenen Robe (siehe Titelbild). Wobei, das ist nicht ganz richtig. Porter wurde auf eine Trage in seiner goldenen Robe von sechs Männern in ägyptisch-angehauchten Kostümen hineingetragen. Camp, say no more.

Ezra Miller

Der Schauspieler zog im wahrsten Sinne des Wortes gleich mehrere Augenpaare auf sich und brachte mit seiner optischen Illusion ganz viel Drama auf den rosa Teppich. Seine sieben Augen hatte er davor geschickt unter einer hautfarbenen Maske versteckt, die er schließlich theatralisch vor den FotografInnen fallen ließ. Drama, baby, so much Drama!

Jared Leto

Ganz neu ist die Idee, seinen Kopf zur Party mitzubringen, ja nicht. Gucci's Chefdesigner Alessandro Michele hat es schon vor einigen Jahren für seine Fashion Show gemacht und damit für viel Wirbel in der Modebranche gesorgt. Nun hat er eben sein Kampagnengesicht Leto mit dem ikonischen Kopf in einem All-Over-Gucci-Look über den Teppich geschickt. Wir feiern Leto trotzdem dafür, dass er seinen eigenen Schädel als Accessoire zum Event brachte. Wohl kaum ein anderer Künstler hätte diesen Look so lässig und selbstverständlich rübergebracht, wie der "30 Seconds to Mars"-Sänger.

Alessandro Michele

Zugegeben, die wohl bekanntere Person am Foto steht eigentlich links und heißt Harry Styles. Wir möchten an dieser Stelle trotzdem first and foremost Alessandro den Credit geben, der an diesem Abend mehrere Männer für den Red Carpet einkleidete - und mit seinen Kreationen die Grenzen von Geschlecht und genderspezifischer Kleidung gleich mehrfach zum Platzen brachte. Styles, Teenie-Idol von "One Direction", kam an diesem Abend in einer schwarzen, transparenten Bluse aus Spitze (und. trug. einen. Perlen. Ohrring.).

Und wo ist Rihanna?

Lichtgestalt Rihanna, Königin der Met-Galen, glänzte an diesem Abend mehr durch Abwesenheit als mit Extravaganz. Zum Leidwesen ihrer Fans befand sich die Sängerin in England, wo sie auf Promotour für ihre Beauty-Marke Fenty unterwegs war. Das sorgte zwar für kurzen Unmut in den sozialen Medien - bei so viel Buzz and Talk über die anderen Outfits war die Absenz der Queen of Met aber dann doch wieder schnell vergessen.

 

Aktuell