Mental Health: 5 Tipps, die den zweiten "Lockdown" zumindest ein bissi leichter machen

Die WHO warnte aufgrund negativer Auswirkungen auf die psychische Gesundheit vor einem zweiten Lockdown. Nun stehen wir kurz davor – und viele Menschen machen sich Sorgen.

Frau schaut aus dem Fenster

Die Zahl der Corona-Infizierten steigt aktuell wieder stark an, halb Europa bewegt sich momentan in Richtung eines zweiten Lockdowns. Auch hierzulande gelten ab morgen wieder strengere Maßnahmen: Der Kontakt zu anderen soll weitestgehend eingeschränkt werden, nach 20 Uhr sollen wir, wenn möglich, zuhause bleiben (wer spazieren gehen möchte, um das Hirn auszulüften oder die Beine zu vertreten, kann das aber immer tun!).

Viele Menschen fürchten nun, dass ihnen die kommenden Wochen psychisch stark zusetzen werden. Auch Gesundheitsexpert*innen vermuten, dass ein zweiter "Lockdown" für viele eine noch stärkere Belastung bedeuten könnte als der erste Lockdown im Frühling. Damit dir die Decke nicht auf den Kopf fällt und du die nächsten Wochen gut überstehst, haben wir Tipps von Expert*innen für dich gesammelt.

1. Hör auf dich

Psychotherapeut Leonhard Schilbach empfiehlt im Gespräch mit der ZEIT, gut in sich hineinzuhorchen und das eigene Befinden zu untersuchen. Er rät, sich selbst zu fragen: Wie geht es mir gerade? – und dabei zwischen Körper, Emotionen und Verhalten zu unterscheiden. Die Antworten am besten auf einem Zettel aufschreiben. Das hilft, um die eigene Gefühlslage besser zu verstehen und entsprechend handeln zu können, da wir so leichter erkennen, welche Verhaltensweisen unser Fühlen und Denken beeinflussen.

2. Fokussiere dich auf jene Dinge, die du kontrollieren kannst

Viele Menschen empfinden den Kontrollverlust, den die Corona-Pandemie mit sich gebracht hat, als besonders belastend. Die britische Psychologin und Psychotherapeutin Charlotte Armitage empfiehlt im Interview mit Stylist, den Fokus weg von Dingen, die außerhalb unserer Kontrolle liegen, hin zu jenen zu lenken, über die wir nach wie vor selbst bestimmen können. Sei es, wie wir unseren Tag gestalten oder was wir zu Mittag kochen. Auf diese Weise könnten wir uns vor Augen führen, dass tatsächlich nicht alles auf einmal außerhalb unserer Macht liegt.

3. Gib deinem Tag Struktur

Psychotherapeut Schilbach rät, auch in der Phase des Lockdowns für Struktur zu sorgen und sich einen geregelten Tagesablauf zurechtzulegen. Denn: Klar strukturierte Abläufe wirken beruhigend und nehmen uns Ängste. Dabei sei es laut Schilbach besonders wichtig, auch freudige Aktivitäten einzuplanen, um ein Gleichgewicht zu schaffen. Viele Menschen tendieren dazu, sich sonst nur auf Pflichttätigkeiten zu konzentrieren, was für die mentale Gesundheit natürlich nicht förderlich ist und zu Stress führt.

4. Achte auf deine physische Gesundheit und Hygiene

Ärztin und Mental Health-Expertin Radha Modgil rät im Gespräch mit der BBC, sich nicht komplett "gehen zu lassen" und weiterhin auf Hygiene und physische Gesundheit zu achten. Soll heißen: Putzen wir auch im "Lockdown" regelmäßig unsere Zähne, waschen uns, wechseln unsere Kleidung, schlafen genug und bewegen uns hin und wieder, so wird das auch unserer Psyche guttun. Es ist total verständlich, wenn manches davon in diesen Zeiten etwas Überwindung kostet – zumal wir wissen, dass wir kaum jemanden treffen werden und uns vielleicht nur im Bett verkriechen wollen, doch fühlen wir uns laut Modgil so gut wie immer besser, wenn wir uns um uns kümmern.

5. Sei nett zu dir und zu anderen

Ein weiterer Mental Health Tipp von Radha Modgil ist, sich selbst keine Vorwürfe zu machen, wenn manches nicht so klappt, wie man das vielleicht gerne hätte oder mal keine Energie da ist, seinen Erledigungen nachzugehen – schließlich ist das hier nach wie vor eine Ausnahmesituation, in der wir uns alle erst zurechtfinden müssen. Genauso, wie wir zu uns selbst nicht zu hart sein sollten, sollten wir das auch nicht zu anderen sein, im Gegenteil: Es kann sogar von Vorteil für unser eigenes Wohlbefinden sein, wenn wir anderen in dieser ungewöhnlichen Zeit beistehen und unsere Hilfe anbieten oder uns mit anderen Menschen über die momentanen Herausforderungen austauschen.

 

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