Mental ausgeglichen in 6 Schritten? Wir haben's probiert

Weniger Stress, bessere Konzentration, mehr Energie im Job und einfach glücklicher sein: Das wünschen wir uns alle. Wir machen den Selbsttest zu mehr mentaler Gesundheit in sechs Stationen.

Tipps für die mentale Gesundheit

Station Nr. 1: MEDITIEREN

Meinen Selbstversuch starte ich erst mal mit etwas Klassischem: Meditation.

»SO GEHT'S! Meditation und Achtsamkeit sind ja seit Längerem ein Megatrend. Ich hatte es selbst vor ein paar Jahren probiert -und bald schleifen lassen. Jetzt mache ich einen neuen Anlauf. Die üblichen Platzhirsche am Mindfulness-Markt sind für meinen Geschmack zu kostenintensiv. Ich lande nach einigem Herumprobieren bei dem eher unbekannten Insight Timer. Es ist kostenlos mit der Option einer Plus-Mitgliedschaft für €64,99 im Jahr. In der Basisversion sind aber schon 45.000 Meditationen von unterschiedlichsten LehrerInnen enthalten. Ich lege ein Profil an und bekomme nach ein paar Meditationen die ersten Grüße aus der Community und Infos über meine "vermeditierte" Zeit. Nach und nach stelle ich mir eine Sammlung von Lieblingsmeditationen in der Länge von fünf bis 20 Minuten zusammen und folge einigen "MeisterInnen".

»FAZIT. Durch die unterschiedlichen LehrerInnen schwankt die Qualität der Meditationen mitunter sehr. Das Angebot ist dafür riesig und die Individualisierbarkeit ein echtes Plus.

Station Nr. 2: WENIGER DIGITALER WAHNSINN

Nachdem es schon so meditativ und achtsam zugeht, wird es gleich Zeit für Digital Detox.

» SO GEHT'S! Social Media können toll sein -aber auch ein Ort, der Ablenkung und Unzufriedenheit schürt. Ich habe noch nie Digital Detox gemacht und hole mir Das Digital Detox Buch (Like Publishing, € 14,95) von Anitra Eggler, DER Expertin zu dem Thema. Es enthält ein 28-tägiges Programm mit Tipps und Aufgaben für jeden Tag. In der ersten Woche beobachtet man seine Gewohnheiten und stellt fixe Handyregeln auf (z. B. "Nicht im Schlafzimmer!" und "Nicht nach 21 Uhr!") - später werden die Offlineaufgaben immer aufwendiger.

» FAZIT. Ziemlich anspruchsvoll und eher für Menschen gedacht, bei denen eine echte Handysucht im Spiel ist. Wer nicht ganz so radikal detoxen will, findet aber auch einige gute Anregungen.

Station Nr. 3: MEHR FOKUS BEI DER ARBEIT

Gehirntraining verspricht, die Konzentration zu erhöhen und das Kurzzeitgedächtnis zu stärken. Ob das stimmt?

» SO GEHT'S! Die App Neuronation wirbt damit, dass sie wissenschaftlich erprobte Methoden benutzt, um Gedächtnis und Konzentration zu trainieren. Nach einer kurzen Registrierung mit Angabe, was ich verbessern möchte, und einem Test meines Ist-Zustands geht es schon los. Ich klicke mich immer wieder durch kurze Übungen -irgendwo zwischen Handyspiel und IQ-Test. Vielleicht bilde ich es mir ja nur ein, aber schon nach ein paar Tagen kommt mir vor, dass ich mich besser konzentrieren kann.

» FAZIT. Macht Spaß -und die Trainings sind kurz genug, um sie mal eben am Klo oder in der U-Bahn zu machen.

Station Nr. 4: TAGEBUCH SCHREIBEN

Es ist der einfachste Kniff aus der Mental-Health-Ecke -für jede und jeden machbar und man braucht nichts dazu. Außer einem Tagebuch.

»SO GEHT'S! Tagebuch schreiben soll gesund sein, heißt es -ich will dem Ganzen einen neuen Twist geben und bestelle One Line A Day (Abrams &Chronicle Books, € 19,99), ein Fünfjahrestagebuch. Für jeden Tag gibt es eine Buchseite mit fünf freien Stellen für fünf Jahre; so kann man irgendwann zu jedem Kalendertag sehen, was man in den letzten fünf Jahren gemacht hat. So die Idee -leider ist es schwieriger als gedacht, einen Tag auf sechs Zeilen zusammenzufassen. Meine Einträge werden immer seltener und enden nach ziemlich genau einem Monat. Das kleine Büchlein mit Leinendeckeln ist schön, aber es macht mir einfach nicht genug Spaß.

»FAZIT. Manchmal ist ein simpler Schreibblock besser als ein cooles Gadget

Station Nr. 5: SICH SELBST BESSER KENNENLERNEN

Genug der Bücher und Apps! Jetzt will ich mal etwas persönliche Betreuung - ich gehe zu meinem ersten Coaching.

»SO GEHT'S! Marcus Gegenbauer (marcus gegenbauer.com) coacht Einzelpersonen, Paare und Firmen. Seine Methode ist das Personal Profiling -er erstellt ein Profil meiner Persönlichkeit und ermittelt dadurch, auf welche Art ich am besten arbeiten und leben kann. Bei einem ersten Termin sprechen wir über die Themen, die mich zu ihm bringen, und Gegenbauer erklärt mir, was er macht. Als Nächstes bekomme ich von ihm ein Mail mit einer Freischaltung für die Website des Gallup Instituts, wo ich einen Fragebogen (Dauer: ca. 40 Minuten) ausfülle. Ein paar Tage später treffen wir uns zu einem weiteren Gespräch und ich bekomme mein Profil erklärt.

»FAZIT. Das Profil bringt für mich einige Aha-Momente: Es stimmt fast alles, was Gegenbauer über mich sagt! Die eigentliche Arbeit beginnt aber erst nach dem Coaching, wenn es darum geht, das Gelernte umzusetzen.

Station Nr. 6: UNNÜTZES LOSLASSEN

Die Wohnung ausmisten, das ist so "erster Lockdown" - aber was, wenn man das Ausmisten etwas weiter versteht?

» SO GEHT'S! Wenn schon spät, dann zumindest gründlich - und mit fachkundiger Hilfe: Das Minimalismus-Projekt (GU-Verlag, € 18,50) liefert Strategien, mit denen man seinen Alltag entrümpeln kann. Wer Zeit hat, wählt die "Tabula rasa"-Methode; für Faulere gibt es das Kapitel "Ein Dutzend Bereiche, die du in 15 Minuten ausmisten kannst". Nach und nach kommen Sockenschublade, Schuhschrank, Badezimmer und Co dran -in je 15 Minuten mit Timer. Minimalismus bedeutet nicht nur, Wohnungskram zu reduzieren: Das Buch ermutigt einen auch, Unnützes loszulassen, indem man öfter mal Nein sagt oder sich mal nur einer Sache widmet, statt stets multizutasken.

» FAZIT. Reduzieren und Eingefahrenes zu überdenken lohnt sich!

 

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