Menstruierende Göttin in Indien

Menstruationsblut ist ekelig? In Indien gibt es einen Tempel, in dem eine menstruierende Göttin als Zeichen von Fruchtbarkeit und weiblicher Kreativität angebetet wird.

Bei uns gilt Menstruationsblut ja weithin als ekelige Flüssigkeit, mit der man eher nichts zu tun haben will. Wenn nur ein kleines Fleckchen Blut auf einer Hose gesehen wird, ist das schon ein Skandal für den man sich zutiefst schämen muss. Mit Menstruation wurde in verschiedenen Kulturen aber immer schon unterschiedlich umgegangen: In manchen Völkern wurden menstruierende Frauen gar des Dorfes verwiesen, weil sie als unrein galten.

Der Tempel hält die Stellung in einer frauenfeindlichen Kultur

In der indischen Provinz Assam hingegen gibt es einen Tempel, in dem die menstruierende Vagina der Göttin Kamakhya als Zeichen vonFruchtbarkeit angebetet wird.

In diesem Video werden der Göttin Geldstücke als Opfer dargebracht:

Im Inneren des Tempels gibt es eine Statue nur von der Vagina der Göttin. Man sagt, einmal im Jahr würde sie menstruieren, und dann färbt sich der nahegelegene Brahmaputra Fluss rot. Ganz geklärt ist das Phänomen nicht, aber man vermutet, dass Priester Zinnoverrot in den Fluss leeren.

Blut im Fluss

Während der dreitägigen Menstruationsperiode bleibt der Tempel geschlossen, und das heilige Wasser wird als Zeichen von weiblicher Kreativität und Fruchtbarkeit an die Anhänger des Tempels ausgeteilt.

Indien ist definitiv nicht für seinen respektvollen und gleichwertigen Umgang mit Frauen bekannt - man denkt eher an sich häufende Vergewaltigungen und die gezielten Abtreibungen von Mädchen, da Frauen weniger wert sind und die bei der Hochzeit zu zahlende Mitgift Familien in die Armut stürzen kann.

Ein bisschen Anbetung für den Westen

Aber der Gedanke an eine menstruierende Göttin, die für ihre Kreativität und Fruchtbarkeit verehrt wird, ist durchaus inspirierend. Auch wenn Religion für viele Menschen in unserem Kulturkreis kaum eine Rolle spielt, ist das westliche Götterbild durch die monotheistischen Weltreligionen sehr männlich geprägt und bietet kaum Projektionsfläche für Frauen. Das ist Teil einer Kultur, die Bezeichnungen für unsere Geschlechtsteil als Schimpfworte benutzt und in der sexuelle Gewalt gegen Frauen immer noch Alltag ist. Einen kleinen Teil des menstruierenden Tempels könnten wir uns also durchaus abschneiden.

 

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