Menstruieren im Internet

Frauen tweeten den Status ihrer Periode an Donald Trump und die Geschichte einer amerikanischen Marathonläuferin, die ihrer Blutung freien Lauf ließ, ging viral. Warum es gut ist, dass gerade das ganze Internet blutet.

Für alle, die die Online-Ereignisse der letzten Tage nicht mitbekommen haben, hier ein kleines Update:

Donald Trump, Unternehmer und Frauenfeind

Trotz ihrer Heimat beim konservativen Sender „Fox News“ sprach die Moderatorin Megyn Kelly Donald Trump auf mehrere frauenfeindliche Aussagen an, die er zuvor getätigt hatte. (Donald Trump ist in der amerikanischen Präsidentschaftskandidatur ungefähr das, was Frank Stronach für jede unserer Wahlen – aktuell aber vor allem für die Wiener Gemeinderatswahl – ist: Ein reicher, alter Unternehmer, der einen späten Ruf zur demokratischen Legitimation zu hören glaubt, und Wahlkämpfe mit politisch unkorrekten und vor allem frauenfeindlichen Aussagen bereichert.)

"Hey Donald Trump, ich blute!"


Am nächsten Tag kommentierte Trump das Gespräch auf dem Konkurrenzsender CNN mit den Worten “You could see there was blood coming out of her eyes. Blood coming out of her wherever.” Nicht nur, dass Trump auf Kritik mit unsachlicher Diffamierung reagierte, er verlässt sich auch auf die mehr als sexistische und äußerst billige Argumentationslinie „Hysterische Frauen kann man während ihrer Periode ohnehin nicht ernst nehmen“. Darauf brach so etwas wie ein „Menstruationssturm“, also die Regelblutungsvariante eines Shit Storms, los: Frauen tweeteten ihre Peridode – und den ein oder anderen spitzen Kommentar – an Donald Trump.

Marathon ohne Tampon

In derselben Zeitspanne lief Kira Gandhi, professionelle Läuferin und Harvard-Absolventin, einen Marathon ohne Tampon oder Binde und ließ dem roten Fluss einfach seinen Lauf, um auf das Tabuthema und mangelnden Zugang zu Monatshygiene in Entwicklungsländern aufmerksam zu machen. Die Fotos ihrer rot befleckten Laufhose wurden zum Internet-Hit.


Als Frauenmedium thematisieren wir Menstruation regelmäßig und auf eine positive Weise, aber in der restlichen Welt hält unser monatlicher Fluss nach wie vor oft als billiges Argument hin, das sachliche Diskussionen erstickt. Die Sichtweise, dass es sich irgendwie um etwas Schmutziges handelt, verklebt nach wie vor unsere Köpfe und die Angst vor Bluttropfen auf der Hose kratzt am Selbstbewusstsein vieler Mädchen und Frauen. Das männliche Ejakulat hingegen wird als sexuell stimulierender Lebenssaft, ohne den kein Porno auskommt, gefeiert.

Der rote Fluß der Fortpflanzung

Dabei ist dieses ganze Blut vor allem eines: ein Zeichen, dass wir gesund und fruchtbar sind. Jeder Mann kann dankbar für jedes Tröpfelchen Blut, das aus unserer Vagina kommt, sein, denn ohne es kann auch Donald Trump keine Nachkommen zeugen und die Welt stirbt aus. Jede Präsidentin, jeder Friedensstifter, jede Unternehmerin und jeder Billa-Kassier kommen auf diese Welt, weil unsere wunderschöne Gebärmutter sich jedes Monat dazu bereit macht. Wir alle hatten menstruationsbedingt schon unangenehme Erlebnisse, über die man Jahre später hoffentlich lachen kann, aber wir als Frauen und wir als Gesellschaft sollten ihn lieben, unseren roten Saft. Und die schwere kulturelle Last, die er mit sich trägt und wie damit Frauen das Leben schwer gemacht wurde, anerkennen. Auch heute noch wird in manchen Teilen der Welt menstruierenden Mädchen, die keinen Zugang zu Monatshygiene haben, Bildung verwehrt. Dabei sollten gerade sie nicht dafür bestraft werden, den Schatz der nächsten Generation in sich zu tragen.

 

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