"Menstruationsurlaub": Warum melden wir uns bei starken Periodenschmerzen nicht krank?

Eine neue Studie zeigt: 2 von 3 Menstruierenden würden sich bei starken Schmerzen gern krank melden - nur ein Drittel tut es tatsächlich.

Neue Umfrage zu Urlaubstagen für Periodenschmerzen

Die meisten, die menstruieren, kennen es: Die Tage, an denen die Schmerzen so unerträglich sind, dass man sich kaum rühren kann, sich am liebsten nur mit einer Wärmflasche im Bett zusammenrollen würde und sämtliche Tätigkeiten eine zusätzliche Belastung darstellen. Trotzdem quälen sich die meisten von uns auch bei starken Menstruationsbeschwerden in die Arbeit, offizielle Regelungen bezüglich Freistellung während der Periode gibt es in Österreich von Staatsseite überhaupt nicht, von Unternehmensseite kaum.

Eine neue Studie der Sextoy-Marke Womanizer hat sich genauer mit der Thematik auseinandergesetzt - und kontroverse Meinungen offenbart.

Was ist ein "Menstruationsurlaub"?

Unter den Begriff "Menstruationsurlaub" fallen jene freien Tage, die sich leidgeplagte Menstruierende zusätzlich - unabhängig von Krankenstand oder Urlaubstagen - nehmen können. Wie viele Tage sie im Monat (oder Jahr) zu Hause bleiben können, ist von Ländern oder Unternehmen abhängig und dementsprechend unterschiedlich.

Krank melden bei Menstruationsschmerzen: Angst vor dem Arbeitgeber

Womanizer befragte 470 Menstruierende aus 26 Ländern zu ihren Einstellungen zum Thema "Menstruationsurlaub". Dabei zeigte sich: Zwei Drittel der Menstruierenden wollte sich aufgrund starker Menstruationsbeschwerden schon einmal krank melden, tatsächlich getan hat es allerdings gerade mal ein Drittel.

Woran liegt's? Wie die Umfrage zeigt, denkt der Großteil der Menstruierenden (52%), dass es gesellschaftlich nicht anerkannt sei, sich für Periodenschmerzen krankzumelden. 47% befürchten, dass der Arbeitgeber Periodenbeschwerden nicht als validen Grund für eine Krankmeldung akzeptieren würde. Ein Drittel ist selbst überzeugt, dass Periodenschmerzen kein ausreichender Grund für eine Krankmeldung sind. 4 von zehn Befragten sagten, dass sie sich gegen eine Krankmeldung entschieden hätten, da sie zu viel in der Arbeit zu tun gehabt hätten oder einen wichtigen Termin hatten, den sie wahrnehmen wollten.

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Menstruationsurlaub in Unternehmen kaum Thema

Während das Thema Periode in der Gesellschaft nach und nach mehr Beachtung findet und langsam offener diskutiert wird, scheint es im Arbeitsbereich nach wie vor ein Tabu zu sein. Fast alle Befragten (97%) sagten aus, dass Menstruationsurlaub in ihrer Firma noch nie besprochen worden sei. Kein Wunder also, dass auch 86% dieser Arbeitgeber keinen Menstruationsurlaub anbieten (9 % der Befragten gaben als Antwort "Ich weiß nicht" an).

Mehrheit würde sich freie Tage bei Periodenschmerzen wünschen

8 von 10 Menstruierenden sagten, dass sie produktiver wären, wenn sie sich tagsüber, wenn der Schmerz am stärksten ist, ausruhen könnten. Etwa drei Viertel der Befragten fände die Option auf Menstruationsurlaub angebracht und fair (72%).

Gleichzeitig gibt es aber auch große Bedenken: Viele der Befragten befürchten, dass dies zu (mehr) Vorbehalten gegenüber der Anstellung von Menstruierenden führt, da sie dadurch möglicherweise an mehr Arbeitstagen fehlen als nicht-menstruierende Personen (77% stimmten (sehr) zu).

"Menstruationsurlaub" - mit Urlaub hat das wenig zu tun

Während im englischsprachigen Raum von "Menstrual Leave" die Rede ist, spricht man im deutschsprachigen Raum bei zusätzlichen freien Tagen aufgrund von Periodenschmerzen von "Menstruationsurlaub". Dieser begriffliche Unterschied macht deutlich, dass das Verständnis für die Beschwerden und Einschränkungen, die mit der monatlichen Periode einhergehen, in der breiten Gesellschaft und vor allem im Arbeitsbereich noch fehlt.

"Aufgrund von starken Rückenschmerzen, Unterleibsschmerzen, Übelkeit oder anderen Menstruationsbeschwerden arbeitsunfähig zu sein, vielleicht sogar nur liegen zu können oder Schmerzmittel nehmen zu müssen, hat rein gar nichts mit Urlaub oder Entspannung zu tun", so Johanna Rief, Head of Sexual Empowerment bei Womanizer. "Sprache ist Macht, Sprache ist repräsentativ", führt sie aus. Das Wort 'Menstruationsurlaub' sei demnach irreführend und sage viel darüber aus, wie es bei uns um die Akzeptanz von der Periode und menstruierenden Menschen steht.

 

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