Menstruationsfreundliche Arbeitsplätze bringen Vorteile für Angestellte und Unternehmen

In den meisten Firmen ist das Thema Periode nach wie vor ein Tabu. Dabei bringt ein menstruationsfreundlicher Arbeitsplatz nicht nur Erleichterung für Angestellte, sondern auch Vorteile für Arbeitgeber.

Menstruationsfreundliche Arbeitsplätze bringen Vorteile für Angestellte und Unternehmen

Die meisten Menstruierenden kennen es: Jene Tage, an denen die Schmerzen so unerträglich sind, dass man sich kaum rühren kann, sich am liebsten nur mit einer Wärmflasche im Bett zusammenrollen würde und sämtliche Tätigkeiten eine zusätzliche Belastung darstellen.

In einer Umfrage der Menstruations-Plattform erdbeerwoche aus dem letzten Jahr gaben ganze 98% der Befragten an, unter Menstruationsbeschwerden zu leiden. Viele sind dabei so beeinträchtigt, dass sie ihrer Arbeit kaum bis gar nicht in gewohnter Weise nachgehen können. Trotz allem haben knapp 90% aller Befragten noch nie mit ihrem Arbeitgeber über Menstruation bzw. die damit verbundenen Probleme gesprochen. Das Thema ist also nach wie vor ein Tabu in der Arbeitswelt.

Perioden-Scham nach wie vor groß

Die anonyme Umfrage unter 2.165 Frauen ergab, dass 43% der Befragten ihrem Job bereits aufgrund von Regelschmerzen ferngeblieben sind. Der überwiegende Teil thematisiert dies aber nicht oder nur unzureichend aufgrund von Scham bzw. der Angst vor Konsequenzen. Gefragt nach ihren Bedürfnissen bzw. Wünschen an einen menstruationsfreundlichen Arbeitsplatz nannten die Frauen in erster Linie drei Punkte. Laut Probandinnen bräuchte es die Bereitstellung von kostenlosen Periodenprodukten, einen offenen Umgang mit dem Thema sowie flexiblere Arbeitszeiten bzw. die Möglichkeit anlassbezogen im Home Office zu arbeiten.

Wohlbefinden steigern, Krankenstände abbauen

Was haben Arbeitgeber davon, sich mit dem Thema Menstruation auseinanderzusetzen? Bettina Steinbrugger, Geschäftsführerin der erdbeerwoche erklärt in einer Aussendung: "Ein menstruationsfreundlicher Arbeitsplatz erhöht nicht nur die Zufriedenheit und das Wohlbefinden der Mitarbeiterinnen. Er kann auch ganz klar zu einer Reduktion von Krankenstandstagen führen, wovon letztendlich Unternehmen und Arbeitnehmerinnen gleichermaßen profitieren". Laut einer niederländischen Studie entstehen bis zu 24% der Gesamtfehltage von Frauen im Job auf Grund von Menstruationsbeschwerden.

Basierend auf den Rückmeldungen von über 2.000 Menstruierenden hat erdbeerwoche einen 10-Punkte-Plan zu "Periode@work" erarbeitet, um Unternehmen dabei zu unterstützen, das Thema erfolgreich umzusetzen:

10 Punkte für einen periodenfreundlichen Arbeitsplatz:

1. Offener Umgang mit dem Thema Menstruation

Im Rahmen eines periodenfreundlichen Arbeitsplatzes sollte Mitarbeiterinnen kommuniziert werden, dass die Periode im Unternehmen kein Tabu ist. Greifen Sie alle Punkte, die zu Unsicherheit führen können, auf: von diversen neuen Maßnahmen bis hin zu Krankenstandsregelungen.

2. Verbesserte interne Kommunikation

Da jede Branche und jeder Arbeitsplatz individuelle Herausforderungen birgt, ist es wichtig, die Bedürfnisse der eigenen Mitarbeiterinnen zu verstehen. Nehmen Sie sich die Zeit, um mit Ihren Angestellten zu sprechen oder führen Sie anonyme Befragungen durch.

3. Flexiblere Arbeitszeiten / Pausen

Durch potentiell schlechtere Konzentrationsfähigkeit aufgrund von diversen Periodenbeschwerden ist es sinnvoll, Mitarbeiterinnen die Möglichkeit zu bieten, ihre Arbeitszeit flexibler einzuteilen.

4. Möglichkeit für Home-Office

Wir empfehlen, Arbeitnehmerinnen unabhängig vom Geschlecht zu ermöglichen, pro Monat 2-3 Tage ohne Angabe von Gründen im Home-Office zu arbeiten.

5. Flexiblere Einteilung der Arbeitsaufgaben

Nicht nur zeitliche und örtliche Flexibilität ist während der Periode sinnvoll. Wo es möglich ist, sollte Mitarbeiterinnen angeboten werden, ihre Arbeitsaufgaben flexibel einzuteilen.

6. Toiletten periodenfreundlicher gestalten

Ein "Generalcheck" der Toiletten in punkto Hygiene, Verfügbarkeit von Mülleimern sowie Barrierefreiheit ist ein "must do" für einen periodenfreundlichen Arbeitsplatz.

7. Gratis Periodenprodukte bereitstellen

Werden Menstruationsprodukte kostenlos am Arbeitsplatz angeboten, können sich Mitarbeiterinnen darauf verlassen, nicht von ihrer Periode überrumpelt zu werden. Außerdem unterstützen Sie so Menstruierende, die Probleme haben, sich monatlich Menstruationsprodukte leisten zu können.

8. Wärme im Kampf gegen Schmerzen

Eine Küche gibt es in den meisten Büros, oft stehen Kaffee, manchmal auch andere Getränke oder Obst frei zur Verfügung. Wir empfehlen, auch diverse wohltuende (Kräuter-)Tees bereitzustellen.

9. Rückzugsort im Büro

Ruhe ist während der Periode, aber vor allem bei Beschwerden wichtig. Es kann sein, dass auch die Konzentrationsfähigkeit vermindert ist. Rückzugsorte sind nicht nur für Menstruierende sinnvoll, sondern für alle Mitarbeiter*innen, die konzentriert arbeiten möchten.

10. Aufklärung zum Thema Menstruation

Durch das Tabu rund um die Periode sind viele Menstruierende nicht richtig aufgeklärt und laufen Gefahr, mit Produkten und ihrem Körper nicht richtig umzugehen. Dem kann mit der richtigen Aufklärung entgegen gewirkt werden, z.B. speziell für jüngere Mitarbeiterinnen und Lehrlinge.

 

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