Menschenhaut statt Tierversuche bei L´Oréal

Kritiker werfen L´Oréal vor, Tierversuche zu tolerieren. Wir haben nachgefragt, ob dieser Vorwurf wahr ist.

Patricia Pineau, Communication Director in der L´Oréal Forschung ist eine Frau, die sehr direkt ist. Mit kerzengeraden Rücken empfängt sie mich in den supermodernen L´Oréal Labors am Stadtrand von Paris. Wir unterhalten uns über die Sicherheit von Kosmetika. Dabei taucht natürlich auch die Frage nach Tierversuchen auf.

Macht L´Oréal Tierversuche?


Hier die Antwort von Madame Pineau:

"Fakt ist, wir müssen die Gesetz der einzelnen Länder befolgen. Die Gesetzgebung in Europa hat als erstes Tierversuche für Kosmetikprodukte und auch für die dafür verwendeten Rohstoffe verboten. Die Sicherheit der Konsumenten ist dennoch gegeben, weil es bereits die Möglichkeit gleichwertiger Ersatztests, z.B an Zellkulturen und künstlicher Haut gibt.

China, Indien oder Brasilien sind aber noch nicht auf diesem Forschungstand, deswegen werden alle Produkte, die dort auf den Markt kommen, nach wie vor von den zuständigen Behörden an Nagetieren wie Mäusen getestet.

Wir können die derzeit bestehenden Gesetze nicht ändern, aber wir können den Behörden unsere Forschung zu Verfügung stellen, damit die Entwicklung dort schneller auf europäisches Niveau kommt.

So züchten wir in unseren weltweiten Forschungslaboren erfolgreich künstliche, lebende menschliche Haut und stellen diese Unversitäten und Behörden zu Verfügung."

Für das Episkin-Verfahren nutzen die L´Oréal Forscher Hautzellen, die z.B. bei Brustoperationen übrig bleiben. Diese Keratinozyten wachsen auf Kollagen, dem Stütz-Eiweiß und Hauptbestandteil des Bindegewebes.

Für Tests auf Hautreaktionen tunken die Forscher die künstliche Haut in ein Kosmetikpräparat und behandeln es anschließend mit einem gelben Farbstoff, der sich bei Kontakt mit lebendem Gewebe blau färbt. So lässt sich unmittelbar erkennen, ob und wie viele Zellen durch Zutaten in der getesteten Kosmetik gestorben sind.

Episkin ist für Tests auf Hautirritationen durch Kosmetikprodukte zugelassen und somit ein vollständiger Ersatz für Tierversuche.

Die Methode des Kosmetikkonzerns L'Oréal schone nicht nur Versuchstiere, sondern liefere auch bessere Ergebnisse, attestiert auch das britische Magazin "New Scientist".

China, Indien und Brasilien testen weiterhin an Tieren


Fazit: Man kann sich als tierlieber Kunde natürlich überlegen, international agierende Konzerne wie L´Oréal generell zu boykottieren, da deren Produkte von den zuständigen Behörden tatsächlich in Ländern wie China, Indien oder Brasilien an lebenden Tieren getestet werden. Beenden wird man durch diesen Boykott die Tierversuche dort aber nicht.

Insofern macht der L´Oréal Zugang, die Zustände zwar derzeit zu tolerieren um international im Geschäft zu bleiben, diesen Ländern aber langfristig andere Möglichkeiten aufzuzeigen, wahrscheinlich für das künftige Tierwohl mehr Sinn.

 

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