Menschen teilen auf Twitter, wann sie das erste Mal sexuell belästigt wurden

Ausgelöst durch den Tweet einer Userin teilen nun zahlreiche Personen auf Twitter, wann sie das erste Mal sexuell belästigt wurden und wie alt sie dabei waren.

Frau nachdenklich

Ein Schulrock, der auf dem Pausenhof hochgezogen wird, ein Bekannter der Eltern, der seine Hände auf der Weihnachtsfeier nicht bei sich behalten kann oder eine Wette unter pubertierenden Buben, wer es schafft, die meisten Mädchen zu küssen (wobei deren Einverständnis außer Acht gelassen wird, eh klar) – sexuelle Belästigung hat viele Gesichter. Ausgelöst durch einen Tweet der Userin @TanjaSagt teilen nun etliche Menschen auf Twitter, wann sie das erste Mal Erfahrungen mit sexueller Belästigung gemacht haben.

Wie Statistiken zeigen, macht fast jede Frau in ihrem Leben früher oder später Erfahrung mit sexueller Belästigung: Nach einer Erhebung der Agentur der Europäischen Union für Grundreichte aus dem Jahr 2014 erfährt jede dritte Frau ab ihrem 15. Lebensjahr eine Form von sexueller Belästigung. Viele kommen sogar schon früher damit in Berührung – wie die Flut an Mitteilungen auf Twitter deutlich macht:

Was fällt eigentlich unter sexuelle Belästigung?

Das österreichische Strafrecht (§218) versteht sexuelle Belästigung als sexualbezogene Berührungen der zur unmittelbaren Geschlechtssphäre gehörigen Körperpartien (zum Beispiel intensive Berührung der weiblichen Brust oder der Griff zwischen die Beine - auch über der Kleidung), die nicht nur flüchtig erfolgen. Auch Verletzungen der Würde eines Menschen durch eine intensive Berührung einer der Geschlechtssphäre zuzuordnenden Körperstelle fällt laut StGB darunter. Dieser Fall bezieht somit auch nicht zur unmittelbaren Geschlechtssphäre zählende Körperregionen (Gesäß, Oberschenkel, Lippen) ein, wenn durch intensive Berührungen die Würde des Opfers verletzt wird (zum Beispiel Streicheln am Oberschenkel, "Po-Grapschen", Küssen). Nicht strafbar, aber natürlich ebenso problematisch und verletzend, sind anzügliche Bemerkungen.

Austausch hilft

Wie essentiell es ist, seine Erfahrungen nicht zu verschweigen, sondern sich mit anderen auszutauschen, zeigte bereits die #metoo-Bewegung im Jahr 2017 (inspiriert von einem Tweet der Schauspielerin Alyssa Milano, teilten etliche User*innen ihre Erfahrungen mit sexueller Belästigung unter dem Hashtag #metoo). Menschen lernen, dass sie mit ihren grausamen Erlebnissen nicht alleine sind und erkennen, dass sie keine Schuld am Geschehenen tragen. Das macht das Verarbeiten so furchtbarer Erfahrungen zumindest etwas leichter und gibt Mut, sich auch Menschen in seinem Umfeld anzuvertrauen und gegebenenfalls rechtliche Schritte einzuleiten.

Hilfe für Betroffene

Opfer sexueller Belästigung und Gewalt können telefonisch und im Internet Hilfe finden. Unter 0800 222 555 ist die Frauenhelpline gegen Gewalt erreichbar, die Männerberatung unter 01/603 28 28.

 

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