Melanie Scheriau über Photoshop und Mutterrolle

Melanie Scheriau ist so schön, dass sie schon seit 18 Jahren erfolgreich als Topmodel arbeitet. Mit der WIENERIN sprach die Kärntnerin über Ehrgeiz, welche Makel sie umarmt hat und was sie ihrer Tochter Marlowe über Schönheit mitgeben möchte.

Kaum sitzt sie, fängt sie auch schon an zu plaudern. Über ihr Baby Marlowe und ein Foto auf Facebook, das sie gepostet hat, „obwohl ich darauf schreckliche Augenringe habe“. Jetzt gerade, in dieser schicken Wiener Hotelbar, ist von Melanie Scheriau (35) viel Echtes, Unverfälschtes zu spüren.
Dabei kann das Topmodel auch anders. Sie hat diesen arroganten Blick voll drauf, von dem wir „normale“ Frauen uns schnell einschüchtern lassen. Und diese lässige Ausstrahlung, wenn man sie über den Catwalk laufen sieht, Größe 34 ...
Ab September wechselt Melanie Scheriau aber die Seiten. Und wird als Model-Mama den jungen Talenten bei Austria’s Next Topmodel – Boys & Girls das harte Business beibringen. Wird bewerten, loben und wohl auch tadeln. Wir wollten vor dem Start der neuen Staffel von ihr wissen: Was ist denn wahre Schönheit für sie?

"Thank God for Photoshop"

Joan Collins sagte einmal: „Das Problem mit der Schönheit ist, dass man reich geboren wird und nach und nach verarmt.“ Was daran kannst du schon nachvollziehen?
Ich arbeite seit 18 Jahren in der Modebranche und ja, natürlich: Schönheit ist vergänglich. Daher kann wahre Schönheit nur von innen kommen. Du merkst, du wirst älter, kriegst Falten, hast Augenringe – vor allem jetzt mit dem Baby. Aber ich finde, Falten gehören zum Leben dazu, sie erzählen Geschichten. Ich bin jetzt 35 Jahre alt, und es wäre doch schrecklich, wenn ich wie 16 aussehen würde. Aber wenn das jemandem nicht gefällt, dann ist das heutzutage auch nur mehr ein Klick, und die Retusche macht alles weg. Thank God for Photoshop ... (lacht).

Die Technik macht viel möglich, klar. Aber bist du grundsätzlich gegen Schönheitschirurgie?
Na ja, ich selbst bin nicht der Typ für diese chirurgischen Sachen, weil ich eben finde, dass eine 50-jährige Schauspielerin nicht wie 20 aussehen sollte. Ich mag Frauen wie Cate Blanchett, Andie MacDowell oder Meryl Streep. Nur mit solchen Menschen kann man sich als Frau auch identifizieren.

Dennoch: Als Model wirst du nach Äußerlichkeiten bewertet, du selbst bewertest ab September wieder die Teilnehmerinnen bei Austria’s Next Topmodel. Jetzt hast du ja selbst eine kleine Tochter. Was sollte sie denn über Schönheit von dir lernen?
Dass man nicht perfekt sein muss, um perfekt zu sein. Dass auch Makel Perfektion sind. Dass ein schiefer Mund oder schiefe Zähne oder wenn ein Auge kleiner ist als das andere, dass das alles zu einem gehört und dass man Dinge, die einem gegeben wurden, einfach umarmen sollte, wie sie sind. Denn ich glaube, Schönheit liegt eben im Auge des Betrachters.

Melanie Scheriau und Tochter
Melanie Scheriau mit Tochter Marlowe

Was würdest du an dir umarmen?
Boah, da gibt es so vieles (lacht). Also, ich hätte gerne so ganz lange dünne Beine.

Und wie nennst du dann diese Beine hier?
Nein, nein, wovon ich rede, das sind diese ganz langen, geraden dünnen Beine, die deswegen so super sind, weil man dann einen Bauch haben kann und mehr Hintern und trotzdem noch sehr gut aussieht. Das ist ein Phänomen, wirklich. Aber was ich bei mir umarmt habe, sind etwa meine Nasolabialfalten. Die habe ich, seit ich 16 Jahre alt bin und die lassen mich sicher älter aussehen, als ich bin. Aber wenn’s den Leuten nicht gefällt, dann können sie es ja rausretuschieren.

Das macht dir nichts aus, wenn dein Bild so stark retuschiert wird?
Ach, bei mir ist mir das egal. Ich habe Freunde, die retuschieren die Bilder ihrer Babys. Das finde ich echt schrecklich.

Das würdest du nie machen?
Ich poste schon retuschierte Fotos meiner Arbeit, wenn ein Foto mal sehr gut geworden ist. Aber private Fotos würde ich nie retuschieren und posten. Ich habe erst unlängst ein Bild von Marlowe und mir gepostet um 5 Uhr früh. Wir sind gerade aufgestanden und ich habe echt verschlafen ausgesehen, aber das ist real. Ich bin einerseits das Model, aber andererseits eben auch die Mama.

Und diese Rolle macht dir Spaß ...
Ja, ich gehe ziemlich auf in der Mutterrolle. Und es dreht sich eigentlich alles um die Kleine. Früher habe ich immer an meinen Mann gedacht, also ob es ihm wohl gut geht, und an den Hund, der ja auch irgendwie ein Babyersatz war. Aber jetzt haben wir wirklich ein kleines Baby, und es braucht uns, weil die Kleine alleine ja noch nichts kann. Es ist ein 24-Stunden-Job.

Melanies Wunsch: Zwei biologische, ein adoptiertes Kind

Ihr lebt in den USA, dort hat Fürsorge oft etwas extreme Ausprägungen. Wie sehr hast du dich von der Baby-Hysterie anstecken lassen?
Noch nie. Und gerade für eine Frau, die zum ersten Mal Mama ist, finde ich das super. Schon im Krankenhaus haben sie mir gesagt, dass wir Europäer offenbar relaxter mit dem Kinderkriegen umgehen. In Amerika ist es nämlich schon sehr hysterisch, alles muss desinfiziert werden. Wir haben Freunde, da durfte man nicht mal mit einem Wimmerl in die Nähe des Kindes, weil die so panisch waren, dass das Baby jetzt eine Hautkrankheit bekommt. Ich finde halt, dass das Kind immer ein bisschen die Stimmung der Mutter übernimmt und wenn du sehr hysterisch bist, ist es das Kind auch. Insofern bin ich froh, dass ich recht gechillt bin.

Möchtest du noch mehr Kinder?
Ja, mein Traum waren – schon seit ich 20 Jahre alt bin – immer drei Kinder. Zwei biologische und ein adoptiertes Kind. Ich würde sehr gerne von dem Glück, das mein Mann und ich erfahren haben, etwas weitergeben. Ich weiß nicht, ob mein Wunsch in Erfüllung gehen wird, aber ein weiteres Putzi hätte ich schon sehr gerne.

Von den Kleinen zu den Großen: Zum zweiten Mal sind in Austria’s Next Topmodel Mädchen und Burschen. Was ist der Reiz, mit beiden Geschlechtern zu arbeiten?
Jungs und Mädchen als Models –das ist die Realität in der Modebranche. Gerade Österreich bringt viele gute männliche Models hervor. Und außerdem haben wir es uns, als Erste in Europa, getraut. Und uns damit auch von Germany’s Next Topmodel abgehoben. Ich finde, es macht die ganze Sache interessanter.

Wie hat sich das Klima im Team mit den Jungs verändert?
Die Mädchen sind eigentlich ruhiger. Es gibt nicht mehr diese Zickenkriege, die entstehen, wenn nur Mädchen zusammen sind, denn Burschen schlichten. Sie beruhigen und machen sogar Komplimente. Die können die Mädchen auch gut nehmen.

Model-Shows im Fernsehen bringen hohe Quoten, werden aber auch kritisiert. Allen voran natürlich Heidi Klum, die Mädchen ja oft abwertet und kleinmacht. Kannst du die Kritik an ihr nachvollziehen?
Jein. Es ist natürlich nicht schön, wenn man gesagt bekommt, dass man grauenhaft war. Andererseits stellen sich viele die Modelbranche sehr leicht vor. Ich bin 18 Jahre dabei und es ist echt hart. Kritik in so einer „Model-Schule“ ist dazu gedacht, ein dickes Fell zu entwickeln, denn man kriegt so viele Neins, dass man lernen muss, damit umzugehen. Zu lernen, dass man das nicht persönlich nehmen darf, ist auch Teil unseres Jobs hier. Dieses Training geben wir den Mädchen und Jungs, damit sie später profitieren.

 

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