Meine Welt ohne Probleme, wie wär das?

Da war dieser eine Satz in dem Interview letztens. Der hat mich wirklich zum Nachdenken gebracht. Und zum Fantasieren. Und in meiner Vorstellung ging´s dann um eine Welt ohne Probleme. Wow!

Manchmal fallen in Interviews Sätze, die wirken noch lange nach in einem. Über so einen Satz will ich diesmal hier schreiben. Weil die Welt, die sich durch ihn eröffnet, auch wenn es zuerst einmal nur ein Gedankenexperiment ist, ziemlich großartig ist.

"Was, wenn du dich entscheiden würdest, keine Probleme mehr zu haben?!"

Es gibt da eine Frau, Susanna Mittermaier, mit der habe ich unlängst ein langes, lustiges Interview geführt. (Für die Juliausgabe der WIENERIN, das mehrseitige Porträt ist dort drin). Sie ist Psychologin. Und bezeichnet sich selbst als "verrückte" Psychologin. Denn sie hat eine eigene Richtung entwickelt, die Pragmatische Psychologie" und da plädiert sie für neue Perspektiven. Und irgendwann in dem Gespräch sagt sie:

"Man hat immer die Wahl. Man kann sich für ein leichtes Leben entscheiden. Das braucht nur viel Mut, weil: Es ist einfach so normal ein Problem zu haben. Jeder erschafft sich Probleme, um nicht aufzufallen, in die Familie zu passen oder um etwas zu haben, worüber man reden kann. Keine Probleme zu haben, würde bedeuten, dass man extrem auffällt. Dazu muss man bereit sein."

Das Leben könnte so viel leichter sein, wenn wir nicht aus allem ein Problem machen würden

Wow. Hab ich mir da gedacht. Recht hat sie, wenn ich mich so umschaue. Lässt der Sommer auf sich warten, haben wir ein Problem. Ist es dann heiß, haben wir auch eines. Und das ist nur ein Beispiel, das für viele Lebensbereiche gilt. Das Haar in der Suppe zu finden - darin sind wir alle Meisterinnen und Meister.

Ich hab für mich dann daraus ein Experiment gemacht: Was passiert, wenn ich alles, was auf den ersten Blick als "Problem" sehe, genauer untersuche und mich frage: "Ist das wirklich ein Problem?" Hab ich eine Zeit lang gemacht und, naja, ihr werdet jetzt nicht überrascht sein, wenn ich erzähle, dass die meisten Sachen, die man zu Problemen macht, wirklich keine sind. Ich kann diesen Versuch nur empfehlen! Nichts muss nämlich ein Problem sein, wenn man keine Lust hat, sich selber schlechte Laune zu machen und mies drauf zu sein. Sich dagegen zu entscheiden und für das Leben ohne Probleme fühlt sich großartig an.

Steht man dann nach einer Morning-Yoga-Einheit allerdings entspannt beim Bäcker, so in seiner glücklichen Heile-Welt-Blase-ohne-Probleme und wird mit "He, aber jetzt komm schon ich dran" grantig von der Seite angefaucht, dann versteht man die Welt für einen kurzen Moment wieder nicht. Aber das ist leicht auszuhalten. (In so einer Situation dann zu lachen anzufangen, kommt übrigens auch nicht so gut an, wie ich festgestellt habe.)

In diesem Sinne, wünsche ich euch allen eine wunderschöne Woche. Ganz ohne Probleme. Oder Dinge, die man zu welchen machen könnte. Wenn man wollte.

Eure Ursula

In dieser wöchentlichen WIENERIN-Kolumne richten wir den Blick auf Geschichten, die uns im positiven Sinn bewegen.

Über ihre "Schönen Aussichten" schreiben abwechselnd die WIENERIN-Autorinnen und -Autoren Barbara Haas (Chefredakteurin), Ursula Neubauer (stellvertretende Chefredakteurin), Jelena Gučanin (Redakteurin), Ljubiša Buzić (Textchef).

 

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