"Meine Regelschmerzen sind so stark wie Wehen"

Wenn die Regelschmerzen sich anfühlen wie Wehen: die Fotografin Georgie Wileman porträtiert das Leben mit der Krankheit Endometriose.

Das Projekt begann als Selbstporträt-Serie, da Georgie Wileman durch starke Schmerzen kaum Kraft hatte, sich zu bewegen. Die Fotografin zeigt eine bisher wenig beachtete Lebensrealität: den Alltag mit Endometriose. Mittlerweile porträtiert die Fotografin aber auch andere, die unter der Erkrankung leiden.

Endometriose ist eine gutartige, aber chronische Erkrankung bei Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter. Bei Endometriose treten Herde aus Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut sehr ähnlich ist, an anderen Stellen im Körper auf. Diese Herde verhalten sich genau so wie die Zellen in der Gebärmutter: Sie werden von Hormonen gesteuert, unterliegen dem Zyklus und lösen Blutungen aus. Das Blut kann jedoch nicht einfach abfließen, was Zysten, Verwachsungen, Entzündungen und Vernarbungen verursachen kann, die zu teils sehr starken Schmerzen und in extremen Fällen auch zur Gefährdung anderer Organe führen können (Quelle: Endometriose Vereinigung Austria).

"Als würdest du verstehen, wie es ist, zu sterben"

"Ich wollte zeigen, wie die Realität der Krankheit aussehen kann. Für manche ist es lähmend oder es fühlt sich so an als hätten sie Wehenschmerzen während ihrer Periode. Für andere ist es ein konstanter Schmerz, den sie jeden Tag mittragen müssen. Und für andere sind es Monate hintereinander, die sie zuhause verbringen müssen, immobil und mit einem lähmenden chronischen Schmerz", beschreibt Wileman die Krankheit auf der Website des Projekts.

Sie selbst war dreizehn Jahre alt, als ihre Schmerzen begannen. "Es fühlt sich an als würdest du verstehen, wie es ist, zu sterben", beschreibt Wileman ihre eigenen Schmerzen. Doch lange Zeit konnten ihr die ÄrztInnen nicht sagen, woran sie leidet. Etwas, das viele Endometriose-Patientinnen kennen. Die Vereinigung "Endometriosis UK" geht von durchschnittlich 7,5 Jahren aus, in denen die Erkrankung unerkannt bleibt.

"So viele Aspekte dieser Krankheit werden übersehen und missverstanden und wir müssen ansprechen, dass die Krankheit jemanden komplett ausknocken kann – sie kann dir Teile deines Darms nehmen, deine Fortpflanzungsorgane fertig machen, sie kann in deine Lunge wachsen. Ich habe eine Frau getroffen, deren Lunge während ihrer Periode kollabiert sind. Ich habe eine Frau getroffen, die Auswüchse in ihrer Nase hatte und immer Nasenbluten bekam, wenn sie ihre Periode hatte. Das ist selten. Aber die meisten ÄrztInnen scheinen nichts davon zu wissen", sagte die Fotografin gegenüber "Lenny Letter".

Mit ihrem Projekt will Wileman darauf aufmerksam machen, dass eine von zehn Frauen unter der Krankheit leiden - und dass die Zeit vorbei sein sollte, in der Frauen eingeredet wird, es seien "nur starke Regelschmerzen".

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