"Meine Laufkleidung ist keine Einladung zur Vergewaltigung"

Die Medizinprofessorin Laurah Lukin ist Anfang August beim Little Miami Half Marathonmitgelaufen. Die US-Amerikanerin erzählt von einem schönen Tag: Sie lief mit ihren Freunden, alle waren sie erfolgreich, im Ziel haben ihr Ehemann und ihre Tochter ihr zugejubelt.

Am nächsten Tag postet der Veranstalter ein Foto von Lurkin. Sie sieht es sich natürlich an, will wissen, wie der Tag eingefangen wurde. Es ist ein ganz normales Sportfoto einer Läuferin mit starken, muskulösen Beinen. Eine Facebooknutzerin bewundert diese Beine in einem Kommentar sogar - aber es sind die Kommentare eines ihr unbekannten Mannes, die Lurkin sprachlos zurücklassen.

"[...] Sie hat keine verdammte Kleidung an und sie rennt um ihr Leben. Kein Wunder, dass JoggerInnen vergewaltigt werden," steht da. Und Lurkins erste Reaktion auf diesen Hass, diese Geringschätzung der brutalen Realität sexueller Gewalt an Frauen, dieses Victim Blaming, ist Rechtfertigung.

In einem Blogpost schreibt sie die Gedanken nieder, die ihr sofort durch den Kopf gehen: "Es war ein Rennen! Das sind Wettkampfshorts! Durch sie ist mir weniger heiß und ich kann schneller laufen! Ich kann meine Beine so besser bewegen! Sie sind lustig!" Bis sie innehält, schockiert von der Defensive, in die sie sich automatisch begeben hat. Wo es doch nicht sie ist, die Entschuldigungen und Gründe für ihre Kleidung vorbringen muss.

Sie schreibt von Männern in Shorts, Männern ohne Oberteil, Männern, die sich ohne Kritik an der Wahl ihrer Sportkleidung frei im öffentlichen Raum bewegen dürfen - ohne von diesem Hasskommentarschreiber vorgeworfen zu bekommen, sexuellen Missbrauch zu provozieren. Für Männer wie ihn wäre es einfacher, die Schuld an sexueller Gewalt an Frauen abzuschieben. Kleidung und Auftreten von Frauen stehen in keinem Zusammenhang mit der Erfahrung sexueller Gewalt, es gibt keine "richtiges Verhalten", durch das sich Frauen vor Vergewaltigungen schützen können. Dieser Mythos liefert Vergewaltigern nur eines: Eine Entschuldigung für Gewalt.

"Es ist nicht meine Aufgabe ein Lauf- oder Sportgewand auszuwählen, das Männer nicht in Versuchung führt. Die Länge meiner Shorts sind kein Zeichen von Interesse, keine Einladung oder Einwilligung. [...] NIEMAND bittet darum, vergewaltigt zu werden."

Genug "Schneeflocken" können die Welt verändern

Für die Onlineversion des Laufmagazins Runners World hat Lurkin ihren Blogpost noch ergänzt, er erschien unter dem Titel "My Race Attire Is Not an Invitation for Rape" - Meine Laufkleidung ist keine Einladung zur Vergewaltigung. Darin fordert sie auf, gemeinsam und vehement dagegen anzutreten, wenn Frauen wegen ihrer Kleidung für eine Vergewaltigung verantwortlich gemacht werden.


Das Posting des Mannes wurde mittlerweile entfernt. Angeblich hat er Lurkin als "empfindliche und so leicht zu beleidigende Schneeflocke bezeichnet" und sich weiter über die Vergewaltigungskultur lustig gemacht. Lurkin hat auch darauf die perfekte Antwort: "Mit genug Schneeflocken kann man eine Lawine erzeugen, die die Landschaft verändert!"

 

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