"Mein tiefstes Geheimnis ist, dass ich eigentlich voll der positive Mensch bin." - Michael Buchinger über seine Hass-Listen

Michael Buchinger spricht aus, was sich viele Leute denken. In einem Interview erklärt uns der YouTuber, warum er ständig Dinge sucht, die er hassen kann...

Michi Buchinger hinter Weihnachtskugeln

In seinem neuen Buch teilt YouTuber und Autor Michael Buchinger alles, was er an Weihnachten verabscheut, und zwar so lustvoll und unterhaltsam, dass selbst der Grinch da­rüber lachen muss! Wir haben ihn gefragt, warum er so viele Sachen hasst, aber Neujahrsvorsätze liebt. Außerdem: Wie findet Michi immer neue Dinge, die ihm auf die Nerven gehen?

Wienerin: Wie ist es dazu gekommen, dass der Hass so ein großer Teil deines Erfolgskonzepts geworden ist?
Michael Buchinger: Das war nicht beabsichtigt. Die erste Hass-Liste ist einfach supergut angekommen, deswegen ist es so ein regel­mäßiges Ding geworden. Oft sagen die Leute, es sei so schlimm, zu "hassen", aber natürlich nehme ich als Comedian das Wort sehr leicht­fertig und provokant in den Mund. In letzter Zeit hasse ich allerdings nicht so sehr über YouTube, sondern eher in meinen Büchern oder auf Instagram.

Wenn ich mich dann öffentlich aufgeregt habe, fühle ich mich immer um einiges leichter! Und wenn mir die Leute dann auch noch recht geben, geht es mir natürlich umso besser (lacht). Nach meinen Kabarettauftritten sagen oft Leute: "Du hast genau das ausgesprochen, was ich mir schon lange denke!" Das ist doch fein! Deswegen bin ich immer auf der Suche nach neuen Dingen, die ich hassen kann.

Jetzt hast du ein Buch ­darüber geschrieben, wie tierisch dich Weihnachten nervt. Wie verbringst du heuer die Feiertage?
Ja, ich habe jetzt wirklich alles gefunden, was man an Weihnachten irgendwie nervig finden könnte, und das war gar nicht so leicht! Ich habe es irgendwann im Frühling geschrieben, bin dafür extra in eine ländliche Gegend Österreichs gefahren und habe es mir in einer Hütte im Wald gemütlich gemacht. Es war nahezu weihnachtlich.

Aber für die richtigen Feiertage konnte ich mit meiner Familie aushandeln, dass ich am 24. mit meinem Freund zu Hause in unserer Wohnung bleibe. Mal haben wir Gäste, mal nicht. Und am nächsten Tag besuchen wir dann die Familie.

Wie stehst du zu Neujahrsvorsätzen?
Love them! Ich habe die ganze Zeit welche. Ich mache sie sogar auch mitten im Jahr und zu meinem Geburtstag. Das Erste, was ich im neuen Jahr mache, sind zehn Tage Detox, so blöd das auch klingt, wo ich auf Alkohol, Koffein, Weizen, Nachtschatten­gewächse und so weiter verzichte – ganz schlimm. Aber danach fühle ich mich wie neu geboren.

Und ich weiß nicht, ob das was bringt, aber es fühlt sich gut an. Und dann trinke ich irgendwann nach den zehn Tagen meinen ersten Kaffee und habe das Gefühl, ich sitze in einer Rakete und fliege durch die Lüfte. Also so sehr ich Silvester auch hasse, Neujahrsvorsätze finde ich super. Die mache ich dann drei Wochen lang – und dann reicht es auch wieder.

Wenn dieses Heft erscheint, bist du gerade frische 30 geworden. Was hast du dir für die nächsten Jahre vorgenommen?
Jetzt, wo ich das Internet halbwegs mit Inhalten befüllt habe, würde ich eigentlich sehr gerne ins Fernsehen. Ich habe das Gefühl, in Österreich musst du erst mal 30 werden, ehe sie dich regelmäßig ins Fernsehen lassen, aber jetzt ist es so weit und es kommen immer mehr Fernsehanfragen rein. Darüber kann ich mich gar nicht beschweren. Ich merke auch, dass ich so Leute erreiche, die ich vorher nicht erreicht habe. Wenn ältere Menschen zu meiner Show kommen, weil sie mich im TV gesehen haben, finde ich das voll entzückend!

Eine letzte Frage: Ist das Glas halb voll oder halb leer?
Das Glas ist halb voll. Ja, wirklich! Ich weiß, mir eilt immer so ein negatives Image voraus, aber eigentlich bin ich voll die positive Person. Und ich bin zwar nicht religiös, aber ein bisschen spirituell. Ich wache morgens auf und dann schreibe ich mir manchmal auf, wofür ich dankbar bin. Dann versuche ich, mit positiven ­Affirmationen in den Tag zu starten, und manchmal meditiere ich. Und dann denke ich mir so: "Ha! Jetzt kann ich wieder haupt­beruflich hassen und wie ein negativer Mensch wirken!" Aber mein tiefstes Geheimnis ist, dass ich im Grunde eigentlich voll der positive Mensch bin (lacht).

 

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