Mein Job ist eine Kunst

Menschen, die der Kunst eine Bühne geben, aber selbst hinter den Kulissen bleiben, sind gefragter denn je.

Sie lieben Kunst, wollen aber selbst nicht ins Rampenlicht? Kein Problem! Menschen, die der Kunst eine Bühne geben, aber selbst hinter den Kulissen bleiben, sind gefragter denn je. Drei Frauen erzählen, wie sie es geschafft haben, am Zukunftsmarkt Creative Industries Fuß zu fassen.

Text Petra Hauk Fotos Ingo Pertramer

Der Kunstmarkt und die Naturgewalten haben mehr gemeinsam, als man denkt: Wenn im Pazifik zwei Urgesteine heftig miteinander kuscheln, gibt’s ein Riesenbeben und meterhohe Wellen. Und genau das gleiche passiert, wenn Damien Hirst seine Werke ins Nobelauktionshaus Christie’s trägt. Für umgerechnet 122 Millionen Euro wechselten im vergangenen September Kunst und Kohle den Besitzer, pikanterweise genau an jenem Tag, an dem Lehman Brothers baden ging.

Was das bedeutet? Arts und Creative Industries sind ein enormer Wirtschaftsplayer – und Jobs, die in und um den Kunstsektor herum angesiedelt sind, werden immer wichtiger. Das zeigt sich auch in Österreich: Laut einem aktuellen Bericht der ­Österreichischen Kulturdokumentation ist das Wachstum der Kunstberufe in Wien anderthalbmal so hoch wie das Beschäftigungswachstum der Gesamtwirtschaft. Übersetzt heißt das: Immer mehr Galeristen, Kuratoren, Kunst- und Kulturvermittler oder Art-Manager helfen der Kunst auf die Beine, geben ihr einen Rahmen, schaffen öffentlichen Diskurs und sind Botschafter ihres Standorts. Von wegen also brotlose Kunst!

Was man mitbringen muss, um mit dem Job nicht nur den Geist, sondern auch das Konto zu erfreuen? „Es braucht Leidenschaft und Durchhaltevermögen“, sagt ­Grita Insam, die Grande Dame der österreichischen Galerieszene, „Rückschläge erleidet jeder. Wichtig ist, schnell wieder aufzustehen. Und: Ein Workaholic zu sein, schadet in dem Beruf auch nicht. In der Freizeit geht’s immer zu neuen Galerien und Ausstellungen.“ Bereut hat Insam ihre Berufswahl in 38 Jobjahren trotzdem keine einzige Minute. Für sie ist das Galeristen­dasein nicht nur ein Beruf, sondern auch Berufung. Etwas, was sie, wie sie sagt, „erfüllt“.

Genau das war auch die Motivation von Susanne Neuburger, Kuratorin im Wiener Mumok: „Ich wollte immer meine Freizeitinteressen mit dem Beruf verbinden. Und das schafft das Kuratieren perfekt.“ Enthusiasmus alleine zahlt aber noch keine Miete. Kulturfachleute sind Wanderer zwischen den Welten. Kunst ist Business geworden. Und braucht Business. Sprich: Neben solidem Fachwissen – etwa einem Abschluss in Kunstgeschichte – kommt es immer mehr auf wirtschaftliches Know-how an. Egal, ob in öffentlichen Einrichtungen oder in der Privatwirtschaft: Es braucht Sponsoren. Und die machen nicht nur wegen der Einzigartigkeit eines Kunstobjekts Geld locker. Sie wollen Zahlen hören – und jemanden, der weiß, wie man mit diesen jongliert. „Eine Professionalisierung der Ausbildung und themenübergreifende Weiterbildungskurse sind besonders wichtig“, meint die Kulturvermittlerin Andrea Zsutty. Das war mit ein Grund, warum sie den Zertifikatskurs Kunst- und Kulturvermittlung am Institut für Kulturkonzepte mit ins Leben gerufen hat: „Damit soll anderen das Rüstzeug in die Hand gegeben werden, dass ich selbst gerne bei meinem Start vor 12 Jahren gehabt hätte.“

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Die Interviews mit den drei am Kunstmarkt beschäftigten Frauen finden Sie in der April-Ausgabe der WIENERIN.

 

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