Mein erstes Mal Crossfit: Wir haben die Trendsportart getestet

Wir haben unsere Kollegin zum Crossfit-Training geschickt und ausprobiert, wie schnell der Trendsport sie in die Knie zwingt!

Hätte mir vor einem Jahr jemand gesagt, ich würde jemals freiwillig in ein Crossfit-Studio, ich hätte diese Person ausgelacht.

Nun, ein Jahr später, war ich genau an diesem Ort: In einem Crossfit-Studio (Crosszone 1190 Wien) in den Wiener Stadtbahnbögen inmitten von Burpee-springenden (=Liegestützsprünge) und Kugelhantel-schupfenden SportlerInnen.

Doch es kam alles ein wenig anders als gedacht...

Statt einem sterilen Studio fand ich mich in einem durchgestylten Backsteinbau wieder, der dank seiner Lage in den Wiener Stadtbahnbögen ein ganz eigenes Flair ausstrahlte. Draußen vor dem Eingang trainierten bereits die ersten SportlerInnen auf der Kunstrasenwiese und feuerten sich gegenseitig an. Alles fühlte sich ein wenig mehr nach einer Schul-Turnstunde unter Freunden, als nach Body-Builder-Workshop an - die Klischees in meinem Kopf begannen langsam zu bröckeln.

Angekommen im Studio wurde ich freundlich von meiner Trainerin begrüßt, die mich durch das Studio zu den Gaderoben führte. Am Weg dorthin blieb sie immer wieder stehen, begrüßte jeden (!), der uns entgegenkam und unterhielt sich mit den SportlerInnen im Studio.

In der Garderobe die nächste Überraschung: Freundliche Blicke, ein "Hallo" nach dem anderen. Ich war irritiert und fragte mich kurzzeitig, ob mich die Frauen in der Kabine vielleicht mit jemandem verwechselten. Aber nein: Sie waren einfach nur nett zu mir. Und sowieso waren meine Leidensgenossinnen irgendwie ganz anders, als ich sie erwartet hätte: Weit und breit sah ich keine muskelbepackten Bodybuilderinnen oder Instagram Fitness-Queens. Stattdessen Frauen in Blümchenkleidern, Haremshosen und Hello Kitty Taschen (kein Scherz). Meine anfänglichen Vorurteile waren mir in diesem Moment fast schon ein bisschen peinlich.

Doch nun zum Eigentlichen: Dem Crossfit-Training.

Schon beim Eingang war mir bewusst: Die nächsten 60 Minuten würden kein Kinderspiel werden. Im Außenbereich des Studios stemmten einige Männer schwere Gewichte, andere schleuderten ihre Kettlebells durch die Luft, als hätten sie das Gewicht einer Feder. Ich ahnte, dass es bei mir nicht ganz so mühelos aussehen würde.

Bevor unsere sechsköpfige Trainingsgruppe mit dem eigentlichen Basic-Workout anfing, stand aber erstmal eine Runde "Aufwärmen" am Programm. Das fand, gutes Wetter sei Dank, im Freien statt. Gemeinsam mit meinen MitstreiterInnen machten wir uns vor dem Studio auf den Betontreppen breit: Es folgten Stiegenlauf auf allen Vieren, Burpees (viele! Burpees!) und Mountainclimbers - alles am Straßenboden versteht sich.

Zwar waren erst zehn Minuten des Trainings waren um, doch mein Kopf schon so rot, dass jede Tomate vor Neid erblasst wäre. Meine anfänglichen Zweifel wurden bestätigt: Ich würde diesen Ort nicht mehr lebend verlassen.

Für das restliche Training ging es wieder in das Studio. Langhantel-Workout (für Anfänger) stand am Programm. "Super", dachte ich: Meine Arme trainiere ich sowieso am liebsten. NOT.

Egal, aufgeben kam nicht in Frage: Also ran an die Hanteln. 40 Minuten lang stemmte ich Gewichte wie einst Matthias Steiner bei den Olympischen Spielen und fühlte beinahe, wie meinen mickrigen Zehnkilo-Hanteln meine Armmuskeln zum Wachsen brachten. Und obwohl ich es nie für möglich gehalten hätte, dass ich dem Gewichterheber-Emoji jemals Konkurrenz machen würde, musste ich mir während dem Training eingestehen: "Hey, eigentlich macht das hier ziemlich Spaß!".

Juhu, noch mehr Burpees!

Und selbst die letzten fünf Minuten Power-Workout (dreimal dürft ihr raten, was dabei nicht fehlen durfte: Burpees!), in denen meine Arme aufgrund der vorherigen Hantel-Belastung förmlich unter mir wegbrachen, konnten meiner Freude am Training keinen Abbruch leisten. Auch, wenn ich dabei, zugegebenerweise, vermutlich eher wie eine halbtote Robbe als ein sporttreibender Menschen ausgesehen haben muss.

Ob es nun an der positiven Ausstrahlung meiner Trainerin oder der ansteckenden Dynamik meiner Trainings-Gruppe gelegen hat, dass ich mir derartige Qualen antat (und dabei noch Spaß hatte), kann ich selbst nicht genau sagen.

Was ich aber sagen kann: Ich habe mich im Crossfit wirklich geirrt. Mit ein bisschen Übung und Sportlichkeit, kann jeder einsteigen, der Lust hat, seinen ganzen Körper zu trainieren. Und ich lüge nicht: Es ist verdammt anstrengend, es ist dreckig und in keinster Weise grazil. Aber das alles ist dir in dem Moment auch ziemlich egal.

 

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