Mein bester Feind

Brüderliche Hassliebe, Erpressung, Hochverrat und Bauernschläue. Wolfgang Murnberger kämpft mit den TV-und Filmlieblingen Ursula Strauss, Georg Friedrich und Moritz Bleibtreu gegen die Bitterkeit der NS-Zeit. Dabei teilen zwei Freunde eine NS-Uniform, eine KZ-Montur und die Liebe zu einer schönen Frau.


Wien, in den 30er Jahren: Die NS-Maschinerie erweckt die niedern Instinkte derer, die sich vom Leben benachteiligt fühlen. Einer von ihnen ist der Arbeitslose Rudi Smejkal (Georg Friedrich). Als Sohn einer bescheidenen Haushaltshilfe mit geringer Bildung, entflammt er schnell und vorerst im Verborgenen für die Versprechungen der Nazis, die ihm eine glänzende Zukunft in Aussicht stellen.

Dass er dafür seinen jüdischen Jugendfreund Viktor Kaufmann (Moritz Bleibtreu)

Die Corporate Identity der Nazis war gefährlich und genial zugleich.
von Moritz Bleibtreu im Interview mit Anita Kattinger

und dessen vermögende und gönnerhafte Familie (Udo Samel, Marthe Keller) ans Messer und ins KZ liefern muss, nimmt Rudi in Kauf. Schließlich gibt es da auch Viktors Verlobte, die schöne Lena (Ursula Strauss), die durch den gewaltsamen Abtransport der Kaufmanns nicht nur schwer reich, sondern auch alleinstehend geworden ist.

Mein bester Feind


Aber das Schicksal von Rudi und Viktor ist miteinander verbunden und so kommt es zu einer fatalen Begegnung, bei der die beiden Kleider tauschen. Brandgefährlich in Zeiten, in denen eine Uniform über Tod oder Leben entscheidet ...


Lesen Sie unsere Filmkritik auf Seite 2

Filmkritik:

Arsch und Friedrich: Paraderolle für Georg Friedrich, der nach zahlreichen Auftritten als Zuhälter, Kleinganove und sonstigen finsteren Ausgeburten der Wiener Halbwelthölle, schon zum Inventar jeder österreichischen Filmproduktion gehört. Zur Freude der Damen ist er meistens auch ein bisschen nackt zu sehen. Diesmal nicht. Mit entlarvender Perfektion verkörpert die Verführbarkeit der Einfältigen und den Rausch der Verwandlung, in dem Friedrich als machthungriger und geldgieriger Rudi voll aufzugehen scheint.

Treuhänder: Die Figur des charismatischen, schlauen und todesmutigen Kunstgaleristen Viktor Kaufmann liegt bei Moritz Bleibtreu in guten Händen. Allerdings haben wir mit dem wegen großer Publikumsliebe schon-fast-als-Österreicher-gehandeltem Schauspieler schon mal wesentlich mehr Spaß gehabt. Auch im KZ ein bisschen zu fröhlich und in NS-Uniform ein bisschen zu lustig, überzeugt er uns wenig vom Schicksal eines um Hab-und Herz-Betrogenen.

Vogel-Strauss-Politik:Ursula Strauss hingegen hat die Gefahr, in der ihre Lieben stehen wieder schnell ermittelt. Sie versprüht in Friedenszeiten kitzelige Lebenslust und überzeugt als mutige Komplizin brandgefährlichen Rettungsaktion. Dass sie für die gerechte Sache ab- und zu auch mal mit dem falschen Mann geschlafen hat, macht sie nur noch sympathischer.

Nur Regisseur Wolfgang Murnberger bleibt uns wirklich etwas schuldig: Nämlich den GANZ großen Kinospaß. Als Tragikkomödie dank witziger Dialoge zu flach, als Komödie auf Grund wahrer Begebenheiten zu traurig, kommt Mein bester Feind trotz Starbesetzung nie wirklich in Fahrt. Keinesfalls kann Wolfgang Murnberger hier an das Niveau seiner Hits wie der Verfilmung der Wolf-Haas-Trilogie anschließen.

 

Aktuell