Mehr Frauen suchten Hilfe wegen sexueller Gewalt

Nein heißt nein – auch auf dem Oktoberfest.

Der Wiesnbesuch ist für viele der Höhepunkt des Münchner Jahres. Doch auch auf dem Oktoberfest finden sexuelle Übergriffe, dumme Anmache, Nötigungen und Vergewaltigungen statt. Die Verantwortung dafür tragen stets die Täter. Die Aktion „Sichere Wiesn“ tritt dafür ein, dass alle Mädchen und Frauen einen unbeschwerten Wiesnbesuch erleben können – denn auch auf der Wiesn ist ein sexueller Übergriff kein Kavaliersdelikt.

Der Trend, der sich bereits vergangene Woche zur Wiesn-Halbzeit abzeichnete, hat sich fortgesetzt: auch in der zweiten Oktoberfestwoche suchten zahlreiche Mädchen und Frauen Hilfe am Security Point der Aktion"Sichere Wiesn für Mädchen und Frauen". Insgesamt 215 Wiesnbesucherinnen stand das Team heuer in Problem- und Krisensituationen zur Seite (2015: 197). Ähnlich wie in den Vorjahren überwogen die Fälle von präventiver Hilfeleistung; 18 Mädchen und Frauen suchten die Anlaufstelle aufgrund von erlebter Gewalt auf.

Zusätzlich zu den 215 Klientinnen hatte das Team des Security Points Kontakt zu 57 Begleitpersonen wie Angehörige, FreundInnen, PartnerInnen, etc.

Die Gründe am Security Point Hilfe zu suchen, sind vielfältig


„Wir haben zahlreiche Klientinnen betreut, die beispielsweise ihre Reisegruppe, ihren Partner oder auch ihr Mobiltelefon verloren hatten und die Freunde und Freundinnen nicht wiederfinden konnten“, berichtet Magdalena Schierl (Frauennotruf München). Mit 129 Fällen solcher oder ähnlicher Verluste machten diese Beratungsanlässe rund 60% der gesamten Problemlagen aus. „In den meisten Fällen konnten wir die gesuchten Personen wiederfinden, da kommt es dann schon mal zu Freudentränen“, so Schierl weiter.

(Sexuelle) Gewalt auf dem Oktoberfest


Doch leider gehen die verschiedenen Notsituationen nicht immer so glimpflich aus: 18 Mädchen und Frauen wurden von den Fachberaterinnen aufgrund von erlebter Gewalt auf dem Festgelände beraten. In 9 Fällen waren die Frauen von sexueller Gewalt betroffen. Es handelte sich um verschiedene Formen, angefangen bei Grapscherein und Grenzverletzungen bis hin zu schweren sexuellen Übergriffen. 3 Besucherinnen erlebten Partnerschaftsgewalt, 6 weitere körperliche Gewalt durch Fremde.

„Gerade in diesen Situationen ist eine individuelle Versorgung und Stabilisierung wichtig“, sagt Schierl. Nach der Klärung der Situation ging es dann vor allem darum, einen sicheren Heimweg zu organisieren und auch erste Schritte für eine Nachsorge einzuleiten. Denn: „Die emotionale Verarbeitung eines Übergriffs braucht Zeit. Professionelle Unterstützung ist in diesem Prozess für die Betroffenen sehr wichtig.“

Hilfe durch Beratung, Recherche, Begleitung und Fahrdienste


559 Hilfeleistungen wurden heuer für die 215 Klientinnen erbracht. „Neben einer zum Teil sehr langen und intensiven Beratung benötigten viele Hilfesuchende z.B. Unterstützung dabei, verloren gegangene Personen wiederzufinden oder das Hotel ausfindig zu machen“, erklärt Anja Bawidamann (AMYNA e.V.). „Wir übernehmen aber auch Begleitungen zu einem Treffunkt, zur U-Bahn oder zum Taxistand.“

Durch verschieden Hilfeleistungen wie Recherche (118x), Begleitung (116x) oder den Einsatz des Fahrdienstes (32x) konnte der sichere Heimweg organisiert werden.

Besonders jüngere Frauen und Touristinnen benötigten Hilfe


So international wie in den Festzelten ging es heuer auch wieder am Security Point zu: Rund 58% der Hilfesuchenden kamen aus dem Ausland (125 Frauen). Dabei stellten Besucherinnen aus den USA die bei weitem größte Gruppe dar: mit 40 Hilfesuchenden machten die Amerikanerinnen rund ein Drittel aller Touristinnen aus. Insgesamt suchten Wiesnbesucherinnen aus 25 verschiedenen Ländern Unterstützung in der Anlaufstelle. Dementsprechend fanden knapp über die Hälfte der Beratungen auf Englisch statt (54%).

Aus der Landeshauptstadt nahmen 40 Mädchen und Frauen das Angebot in Anspruch, die übrigen Klientinnen kamen aus anderen deutschen Städten auf das Oktoberfest.

"Begrüßen es sehr, dass Frauen in Notsituationen auf dem größten Volksfest der Welt nicht alleine da stehen"


Ähnlich wie in den Vorjahren benötigten vor allem jüngere Frauen Hilfe und Unterstützung: 84% der Hilfesuchenden waren unter 30 Jahre alt.

Zahlreiche WiesnbesucherInnen, StandlbetreiberInnen, SchaustellerInnen, Bedienungen und MitarbeiterInnen der Sicherheitsdienste begleiteten Frauen zu der Anlaufstelle. „Es freut uns, dass unser Angebot von Jahr zu Jahr bekannter wird“, sagt Kristina Gottlöber (IMMA e.V.). „Wir begrüßen es sehr, dass Frauen in Notsituationen auf dem größten Volksfest der Welt nicht alleine da stehen, sondern von vielen Seiten Unterstützung erhalten.“

 

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