Mehr Energie? 5 Methoden im Test

Energie ist immer und überall, aber was genau tut sie eigentlich in unserem Körper? Und was macht man am besten, wenn man ein kleines (oder größeres) Plus an Energie braucht? Karen Müller ging diesen Fragen im Dschungel der esoterischen Energie-Anbieter nach.

Schön wär's, ich hätte irgendwo so eine kleine Öffnung wie mein Handy. Dann müsste ich mir nur ein Kabel reinstecken und mich zum Aufladen an die Steckdose hängen. Aber leider. Wenn unsereiner mehr Energie brauchen könnte, wird's kompliziert. Es sei denn, man kennt sich in der schwurbeligen Welt der unsichtbaren Kräfte genauestens aus. Und weiß, welche Energie, bittesehr, man eigentlich genau gestärkt haben will. Die allgemeine Lebensenergie? Die, die in den Chakren kreist? Oder die, die in den Meridianen saust? - Ich wüsste nicht, was da für mich das Richtige wäre. Ich weiß nur: Ich würde morgens beim Aufwachen gerne nicht dieses Gefühl haben, dass über Nacht eine Dampfwalze auf mir geparkt hat.

Erster Versuch.

Matt, aber hoffnungsvoll besuche ich eine Sigrid Wieltschnig in der Praxisgemeinschaft Hollandstraße. Eine Altbauwohnung im zweiten Bezirk Wiens, schlicht eingerichtet. Frau Wieltschnig ist ausgebildet in Polarity-Körperarbeit und führt mich auch gleich in einen Raum mit Massagebett. Zierlich ist die Frau, aber - ein gutes Zeichen! - äußerst energiegeladen. Sprudelt auch gleich eine Einführung in die grundlegenden Thesen von Polarity heraus. Polarity-Masseure sehen ihre Aufgabe darin, Energie-Blockaden abzubauen, um den freien Strom zwischen Plus- und Minus-Pol im Körper zu ermöglichen. Von der Theorie zur Praxis: Ich ziehe Hose und Pullover aus und stelle mich vor der weißen Wand auf, damit sie eine erste Analyse meiner "Ovalfelder" vornehmen kann.

Polarity-Masseure sehen ihre Aufgabe darin, Energie-Blockaden abzubauen, um den freien Strom zwischen Plus- und Minus-Pol im Körper zu ermöglichen.
von Sigrid Wieltschnig, Polarity-Masseurin

Diese fünf Bereiche sind bei mir zum Glück relativ ausgeglichen, aber, so bemerkt sie, meine linke Körperhälfte sei insgesamt verspannter und vorgeschoben (stimmt), zudem wären bei mir die Elemente Luft und Feuer überbetont, was bedeute, dass ich energetisch gern über meine Grenzen gehe (stimmt auch). Also gut, ab auf den Massagetisch. Zuerst wird mein Kopf gelockert und gewiegt, damit das Nervensystem auf Entspannung schaltet. Sehr angenehm. Dann folgen viele verschiedene Griffe: manche nur leicht, wie Handauflegen; manche wie schwingende Impulse an Gelenken; manche stark und tief gehend, die so genannten Kontraktionsgriffe. Während eines diagonalen Griffs (rechte Hüfte, linkes Knie) fühle ich, wie sich plötzlich eine Stille in mir ausbreitet. Das Denken hört auf, ganz leise höre ich Straßengeräusche - und schlafe vor lauter Entspannung beinahe ein. Als wir nach etwa einer Dreiviertelstunde fertig sind, fühle ich mich wie ein friedliches Baby. Ich stürme zwar nicht wie ein vollgepowertes Duracell-Häschen aus der Praxis, aber energetisch komme ich mir ausgeglichener vor, irgendwie runder.

Die Finger-Probe.

Dass meine Akkus jedoch - was allerdings auch nicht versprochen wurde - nach dieser einen Polarity-Sitzung anscheinend nicht wirklich aufgefüllt sind, höre ich bei meinem nächsten Termin, Mag. Artour Roukhkian. Der gebürtige Armenier praktiziert Kirlian-Fotografie und Bioresonanz-Therapie. Und nachdem er so ein Kirlian-Foto meiner Hand gemacht hat, stößt er den nicht wirklich beruhigenden Satz aus: "Na, Sie sind ja energetisch ziemlich bedient ...". Für das Bild musste ich meine Hand in eine lichtdichte Manschette stecken, die Finger auf ein Fotopapier legen, und bekam - "brrrzzz" - einen kleinen elektrischen Schlag. Das Schwarzweiß-Polaroid von diesem "Brrrzzz" sieht bei einem gesunden und kraftvollen Menschen dann wie ein Kranz von kleinen Blitzen rund um jeden Finger aus. Der Strahlenkranz meiner Finger macht jedoch den Eindruck, als ob eine hungrige Maus daran geknabbert hätte. Für Mag. Roukhkian ist diese Blitzkorona ein Abbild der Endungen der Energie-Meridiane, das "bioenergetische Veränderungen sichtbar macht, die einen Hinweis auf zukünftige Krankheiten geben können". - Auch diese Aussage finde ich bei meiner ausgefransten Korona nicht gerade beruhigend, aber was soll's: Immerhin habe ich noch zwei weitere Energy-Treatments auf meinem Terminplan.

Pranic-Healing

Pranic-Healing ist die nächste Methode, die ich ausprobieren möchte - im "Institut für Energiearbeit" von Mag. Claudia Dieckmann. Drin riecht es nach ätherischen Ölen und absoluter Sauberkeit, und um die geht es hier im Endeffekt auch: "Vor der Zufuhr von Prana, also Lebensenergie, reinigen wir die Chakren von verschmutzter Energie", erklärt Dieckmann, "deswegen kommt es bei uns auch zu keinen Erstverschlimmerungen, wenn wir Kranke behandeln." Ah ja, gut zu wissen. Bevor sie mit der Reinigung, dem so genannten "Sweeping", beginnt, kommt allerdings erst noch das "Scanning". Sprich, sie stellt sich etwa zwei Meter von mir entfernt auf und fühlt meine Aura. Das sieht etwa wie bei einem Pantomimen aus, der eine unsichtbare Wand entlang tastet. Was die Pranic Healerin dabei so alles spürt, ist jedoch erstaunlich. Ein Stau im Stirnchakra (= zu viel Denken), ein Problem im Hals, Müdigkeit und zu wenig Verankerung im Beckenchakra - stimmt zugegeben alles. "Wie merken Sie das eigentlich?" frage ich verblüfft. Claudia Dieckmann: "Das ist so ein Gefühl in den Fingerspitzen - Wärme, Stechen oder Prickeln. Und bei Krankheiten tut es ein bisschen weh."

Energie-Übertragung.

Pranic Healing geschieht auf dem Massagebett, aber ohne jede direkte Berührung - Mag. Dieckmann setzt sich hin, packt einen geschliffenen Bleikristall aus und beginnt mit dem energetischen Großreinemachen. Das sieht nun wieder nach Pantomime aus (wie Malen auf einer imaginären Leinwand), unterbrochen vom "Ausschütteln der verunreinigten Energie" in eine Schüssel mit Salzwasser, die neben der Heilerin auf einem Sessel steht. Als sie mich dann mit frischem "Prana" wiederauflädt, fragt Dieckmann mitunter, ob es mir "eh nicht unangenehm ist", weil zu intensiv, aber ehrlich gesagt: Ich kann nicht klagen. Vielleicht bin ich einfach nicht sensibel genug, vielleicht kann ich auch einfach jedes Fünkchen Energie brauchen, aber außer einem kleinen Stich im Kopf - der jedoch genauso von Unausgeschlafenheit herrühren kann - spüre ich wenig. Auch, ob ich gerade mit hellviolettem oder blassblauem Licht energetisiert werde, merke ich nicht. Aber eines muss ich zugeben: Als ich nach der Pranic-Healing-Session mit dem Lift wieder nach unten fahre und dabei in den Spiegel schaue, kommt mir mein Gesicht tatsächlich reiner und klarer vor.

Hallo Chakraphon

Meine nächste Energie-Tankstelle ist Andrea Wieger, die mit "Chakraphon"-Musikinstrumenten eine Art Klangbehandlung macht. Die ehemalige Heilmasseurin hat anhand meines Geburtsdatums die "richtigen Klänge" für mich errechnet, die meinem Energiekörper wieder good vibrations bringen sollen. Die Theorie zur klingenden Praxis: "Der Körper besteht zu 75 Prozent aus Wasser, und wenn man dieses Wasser mit bestimmten Schwingungen anspricht, können sich Sachen tun." Ich darf mich für meine Klangbehandlung wieder einmal flach hinlegen und bekomme von Wieger auf meine "Energietore", sprich Gelenke und Scheitelchakra, 13 Klangstäbe aufgelegt. Mit einem Klöppel schlägt sie die Stäbe in verschiedener Reihenfolge an - mal reihum um meinen Körper, mal diagonal. Das Erlebnis ist, tja, wie soll man sagen: höchst sphärisch. Die Klangstäbe mit ihren lang andauernden Obertonschwingungen erzeugen etwas über meinem Körper, das sich wie eine Klangkathedrale anfühlt, wie ein hoher Raum voll kristallklarer Musik. Sehr fein, sehr entspannend - und ich muss wieder einmal dagegen ankämpfen, nicht sanft ins Traumland hinüberzugleiten. Als ich nach der Session zum Auto zurückgehe, denke ich: "Die Wassermoleküle in meinem Körper tanzen jetzt sicher einen Elfenreigen."

Energie im Bild.

Im Geschäft Mehsmer-Esoterik kann man um 20 Euro ein Foto von seiner Aura anfertigen und dann interpretieren lassen. Zuständig dafür ist ein junger Mann namens Rodrigo, der mich ins Obergeschoss des Ladens zum "Biofeedback Imaging Colour Spectrometer" führt. Eine Art Fotoapparat, der gekoppelt ist mit zwei Sensoren für die Hände. "Die messen die statische Entladung an der Haut, und das wird dann in die Farben der Aura übersetzt und über das Gesicht gelegt", erklärt Rodrigo. Das Farbpolaroid, das er von mir macht, sieht aus wie eine gelbrote Wolke. Farben, die laut Rodrigo für Denken und Vitalität stehen. Denken ja, aber Vitalität? Hm. Ich möchte ein zweites Foto. Dieses ist - wahrscheinlich durch mein angestrengtes Nachdenken - noch mehr gelb, dies jedoch eher ins Grünliche gehend, und weniger rot. Angeblich bedeutet das, dass mein Denken jetzt ins Freundliche, Wohlwollende tendiert. Gut möglich. Hört man - speziell nach den vorangegangenen Negativ-Meldungen - ja gerne, dass man ein knallrotes Energiebündel sei.

Ingrid Riegler, Wellness-Autorin
Eine Übung für mehr Energie, wenn man irgendwie neben sich steht: Man reibe mit dem Daumen links und rechts die Handinnenflächen, halte die Hände nach oben ausgebreitet wie eine Schale und stelle sich vor, dass man die Energie, sein Selbst bzw. seine Aura in Richtung Herz schiebt und bewegt. Wenn man seine Kraft dann wieder gesammelt hat, legt man die beiden Hände übers Herz und spürt in sich hinein. Ich fühle es da immer richtig gehend durch den gesamten Körper rieseln und merke, wie seelische Probleme verschwinden.

Sohyi Kim, Szene-Köchin
Ich brauche keine Energie zu "sammeln", weil ich sie gar nicht erst entweichen lasse. Ich versuche, strukturiert zu arbeiten und zu leben und mich nicht zu verzetteln. Während der Arbeit rede ich zum Beispiel nicht ein einziges Wort. Ansonsten schöpfe ich Kraft, indem ich viel Wasser trinke und durch meine positive Einstellung zum Leben.

Ira Mollay, Autorin und Promi-Coach
Meine Hauptenergiequelle ist die Natur. Plätze mit Aussicht sind besonders gut, da bekommt man leichter wieder den Überblick. Wenn sich der Wald nicht ausgeht, arbeite ich mit mentalen Techniken. Ich mache Fantasiereisen zu Kraftplätzen in der Natur oder denke an andere schöne Situationen, die mir Kraft geben. "Lichtduschen" helfen ebenfalls: Man stellt sich vor, unter einer Dusche zu stehen, aus der weißes oder goldenes Licht kommt, in das man sich so richtig einhüllt. Auf ähnliche Weise kann man sich Schutzhüllen gegen Energieverlust bauen.

Eva Glawischnig, Die Grünen
Mein persönlicher Energietrick ist ganz konventionell: Ich ernähre mich mit vollwertiger, biologischer Kost und betreibe Sport - auch im Winter. Bei Erkältungen und Grippe verwende ich nur Hausmittel und Homöopathie, keine Antibiotika. Bergkristalle am Computer? Lege ich nur meiner Mutter zuliebe auf.

Zabine, Sängerin
Ich schöpfe meine Energie aus der Natur. Es gibt nichts Besseres, als sich an der frischen Luft zu bewegen, am liebsten in den Bergen. Das gibt Kraft und ist - abgesehen davon - gesund für Körper und Seele!

 

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