Megan Rapinoe: Hoffnung des Frauenfußballs oder Trumps Albtraum

Zuerst boykottierte sie Trump, dann ging sie auf die FIFA los und jetzt soll sie auch noch US-Präsidentin werden. Megan Rapinoe ist die neue Heldin der Staaten, die wir alle kennen sollten.

Megan Rapinoe Fußballerin, Aktivistin, Trumps Albtraum

Man könnte Megan Rapinoe als den schlimmsten Albtraum von Donald Trump bezeichnen und es wäre wohl keine Übertreibung. Denn die US-amerikanische Fußballerin verkörpert alles, was Trump nicht auszustehen vermag: sie ist laut, selbstbewusst, höchst erfolgreich und spricht sich laut und deutlich für Frauen- und LGBTIQ-Rechte aus.

Am meisten dürfte Trump aber folgende Zahl treffen: Bei einer anstehenden Präsidentenwahl würden derzeit mehr Menschen Rapinoe als Trump wählen. Und das obwohl die US-Mannschaftskapitänin nicht einmal Interesse an dem Amt gezeigt hat ("too busy, I'm sorry"). Uh, das hat gesessen.

"Gehe nicht ins f*cking White House"

Aber mal von Anfang an. Rapinoe war international bisher eigentlich nur unter Fußball-Kennerinnen bekannt. Bis zur Frauenfußball-WM im vergangenen Juni. Dort ließ die Fußballerin und Kapitänin der US-Frauenfußballmannschaft gleich mehrmals mit provokanten Aussagen gegenüber Trump aufhorchen und geriet damit weltweit in den Fokus der Medien. Alles begann mit Rapinoes Aussage bei einem möglichen Gewinn der Weltmeisterschaft nicht im Weißen Haus vom Präsidenten, wie üblich, empfangen werden zu wollen (O-Ton: "Ich gehe nicht ins f*cking Weiße Haus"). Dazu muss man wissen, dass die Wahrscheinlichkeit, dass die Amerikanerinnen die WM gewinnen würden, von Anfang an sehr hoch war. Rapinoe ist eine von mehreren homosexuellen Spielerinnen im Nationalteam. Ihr Vorwurf an Präsident Trump: Mit seinem Slogan „Make America Great Again“ würde er die Vergangenheit verklären und sich auf ein Amerika zu berufen, in dem zahlreiche Menschen im Vorhinein aus dem gesellschaftlichen Konsens ausgeschlossen wären. Dass sie mit der Trump-Regierung schon zuvor unglücklich war, zeigte sie bereits 2016 mit ihrem knienden Protest bei der Hymne. Rapinoe war damals die erste weiße Frau, die sich solidarisch mit dem Footballer Colin Kaepernick zeigte und bei der Hymne auf die Knie ging.

Vom beleidigten Trump folgte auf Rapinoes Ankündigung per Twitter-Meldung die Retourkutsche - Rapinoe solle sich bitte davor hüten, das Weiße Haus oder die amerikanische Flagge zu missachten. Trumps Reaktion brachte Rapinoe aber erst so richtig in Fahrt. Widerstand sei "extrem amerikanisch", ließ Rapinoe an den Präsidenten ausrichten.

Zuerst Trump, dann der Weltverband

Freilich passierte dann das unvermeidbare: Rapinoe gewann zusammen mit ihrer Mannschaft die Fußball-WM. Noch während des letzten Spiels erklangen im Stadium laute "equal pay"-Rufe auf den Zuschauer-Tribünen. Rapinoe bekräftigte nach dem Spiel ihr Verlangen nach gleicher Bezahlung für ihren Sport. "Ich glaube, wir sind durch mit dem Sind-wir-es-wert?, Sollten-wir-gleich-bezahlt-werden? Die Fans sind durch damit, die Spielerinnen sind durch damit, die Sponsoren auch. Lasst uns zum nächsten Punkt kommen!", sagte sie zu den Reportern. Die Forderung nach fairer Bezahlung im Frauenfußball ist keine neue. Erst bei dem letzten Großereignis, der EM vor zwei Jahren, forderten mehrere Teams bessere Bezahlung für den Frauensport. Das dänische Männerteam verzichtete daraufhin solidarisch auf seinen Anteil.

Seit der EM war die Debatte medial eingeschlafen, mit Megan Rapinoe hat sie neue Fahrt aufgenommen. Dass es die Amerikanerinnen mit ihrem Protest ernst meinen, zeigt auch eine Klage wegen unfairer Bezahlung, die gegen den US-Fußballverband seit März ausständig ist. Dem Lippenbekenntnis des FIFA-Präsidents Gianni Infantino, nun mehr Geld in den Frauenfußball stecken zu wollen, kann Rapinoe nur wenig abgewinnen. Zwar würde der Verband das Preisgeld nun auf 60 Mio. US-Dollar verdoppeln, bei den Männern gehe man aber sogar auf 440 Mio. (zuvor: 400 Mio.) Dollar rauf. “Wenn Frauenfußball dir wirklich wichtig ist, lässt du dann den Abstand anwachsen?”, fragte Rapinoe. Sie wirft der FIFA vor, vorhandenes Potenzial nicht auszuschöpfen. "Ich glaube, seine Augen sind jetzt geöffnet. Und ich werde sie kontinuierlich weiter für ihn öffnen", scherzte Rapinoe über ihr Verhältnis zu Infantino.

"Je größer der Druck, desto besser wird sie"

Ihr Team steht jedenfalls geschlossen hinter Rapinoe. "Megan ist dafür gemacht. Umso größer der Druck ist, desto besser wird sie", sagte Trainerin Jill Ellis über das Engagement der Spielerin. Auch dem Trump-Protest haben sich anscheinend alle US-Teamspielerinnen angeschlossen. Rapinoe glaube nicht, dass "irgendjemand im Team" ein Interesse daran habe, sich "von dieser Regierung vereinnahmen und korrumpieren zu lassen".

Vielleicht schafft es Rapinoe ja doch noch einmal ins Weiße Haus - nicht mehr als aktive Sportlerin, wohl aber als zukünftige Präsidentin, wenn man den aktuellen Umfragen Glauben schenken mag. Trainerin Ellis sieht in der Kapitänin jedenfalls großes Potenzial: "Sie ist eloquent. Sie spricht gut und von Herzen. Ich hatte nie Angst, wenn Megan sich öffentlich äußerte. Je größer das Rampenlicht, desto mehr leuchtet sie".

 

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