Meer geht nicht!

Sollen doch die anderen im Sommer in den heißen Süden düsen. miss hat es jetzt nach Sylt an die Nordsee verschlagen. Die Insel ist nämlich längst mehr als das Lieblingsdomizil des Jetsets. Obwohl ... ein bisschen Luxus schadet dann doch nicht ...

Woran erkennt man, dass man im Flieger nach Sylt sitzt? Richtig, auch wenn man sich definitiv in keinem Privatjet (sondern viel eher im Billigflieger) befindet, sitzen neben einem garantiert einige Damen im Chanel-Jäckchen oder haben zumindest eine Louis-Vuitton-Tasche im Wert eines Kleinwagens auf ihrem Schoß geparkt. Das Klischee, dass Sylt noch immer so was wie das Beverly Hills der Nordsee ist und die Schönen, Reichen und Prominenten anzieht, stimmt nämlich noch immer. Zumindest ein bisschen.
Allerdings hat die Insel viel mehr zu bieten, als nur In-Treff der Schickeria zu sein, denn Sylt ist vor allem eines: ein wunderschönes Fleckchen Erde, wo nicht nur Mallorca-Flüchtige mit Hang zu schlechtem Wetter und Gummistiefeln oder Kitesurfer hinwollen.
Spätestens seit die Insel mehrmals täglich angeflogen wird, gibt es eigentlich keine Ausrede mehr, nicht endlich Urlaub an der Nordsee zu machen.

Klein, aber pipifein
Das haben sich Fotografin Geli und ich auch gedacht und uns gleich auf den Weg gemacht. Am Flughafen angekommen wartet auch schon unser Mietauto auf uns. Gut, Sylt ist natürlich ideal, um mit dem Fahrrad erkundet zu werden. Es gibt kaum Steigungen (die Kondition eines Couchpotatos reicht also) und die Insel ist nicht so groß.
Zugegeben, dass Sylt so überschaubar ist, hätten wir uns nicht gedacht, aber was soll's, jetzt wo das Auto schon gemietet ist. Das Gute daran: Man kann sich eigentlich nicht verfahren und braucht weder GPS, noch eine detaillierte Landkarte. Es gibt ohnehin nur eine große Straße, die von Hörnum im Süden bis nach List im Norden führt. Wenn man nach Keitum will, biegt man rechts ab, nach Westerland zu den Surfern geht's nach links, und nach Kampen zur berühmten Shoppingmeile wieder nach rechts. Alles klar?

Ein bisschen Luxus muss sein
Unsere erste Station ist Hörnum, genauer gesagt das Hotel Budersand, ziemlich neu und ziemlich exklusiv. Aber bitte, auf Sylt will man sich ja nicht lumpen lassen, haben wir uns gedacht - und steigen so nobel ab wie noch nie in unserem Leben.

Die besten Ausflugs-Tipps
List:
- unbedingt Dittmeyer’s Austern-Compagnie, die einzige Austernzucht Deutschlands, besuchen
- einen Besuch wert ist auch das Erlebniszentrum Naturgewalten
Kampen:
- zu einem richtigen Sylt-Aufenthalt gehört ein Bummel über die legendäre Whiskey-Meile
- auf einen Bellini zu Greta gehen oder zumindest Kaffee und Kuchen im Odin genießen
- Aufstieg auf Sylts höchste Erhebung, die Uwe-Düne (immerhin 53 Meter!)
- die berühmte Strandsauna La Grande Plage besuchen Wennigstedt-Braderup
- den Weststrand entlangreiten
- ein Wattspaziergang durch die Braderuper Heide
Keitum
ein Spaziergang durch die Sylter Friesendörfer
Westerland
Für Sportbegeisterte ist der Surf World Cup (24.9.–3.10.2010) vor Westerland ein Pflichttermin. Da geht’s dann auch abends partymäßig heiß her!!
Rantum
Am besten Sie entdecken das Rantumer Becken bei einem Fahrradausflug.

Anreise und Unterkunft
AirBerlin fliegt 3 x täglich nach Westerland.
Mietwagen gibt’s z. B. beim Syltcar ab € 44 pro Tag.

Hotel Budersand www.budersand.de.
Kein Wunder, dass Stars dieses Hotel schätzen. Luxus ist hier nämlich einfach selbstverständlich. Champagner und Austern gehören genauso zum normalen Frühstücksbuffet wie Speck, Eier und Leberwurst (übrigens die beste, die ich jemals gegessen habe). Mag sein, dass es eher unfein ist, so wie wir morgens schon reinhauen, aber heute kann man den Bikini (samt dazugehöriger Figur) ohnehin vergessen - die steife Brise ist dann doch eben, na - zu steif.

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Filmreife Szenen
Egal, wir hatten heute sowieso einen Austritt mit dem Pferd geplant. Über den Strand galoppieren, während das Wasser einen nassspritzt, das kannten wir bisher nur aus kitschigen Filmen und freuen uns darauf wie die Weltmeister. Zu früh gefreut. Anke, unsere Reitlehrerin für heute, beäugt erst mal argwöhnisch unser zugegebenermaßen unprofessionelles Aufsatteln der Ponys (ja, keine Pferde - aber das waren wirklich große Ponys) und beschließt dann, mit uns im Schritt oder höchstens Trab die Braderuper Heide zu erkunden. Galoppieren ist nicht - da bleibt Anke streng.
„Sie glauben gar nicht, wie viele Anfänger sich überschätzen und dann passiert schnell mal was", erklärt sie uns. Und der Mythos vom Reiten am Strand sei eben genau auch so was. Die Gefahr, dass ein Pferd in dem matschartigen, nassen Sand einsinkt und sich verknöchert, sei ziemlich groß. Und ein Pferd mit kaputten Beinen kann man eigentlich nur mehr ... nein, lassen wir das. Also jedenfalls nix mit filmreifen Szenen. Spaß gemacht hat es dann trotzdem, und am Ende des Ausritts sind Anke und wir nicht nur Freunde geworden, sondern müssen auch zugeben, dass gemütliche Ponys die besseren Pferde sind.

Danach geht's zum absoluten Gegensatzprogramm nach Kampen zum Shoppen. Also eigentlich nur Bummeln, weil das nötige Kleingeld für die Nobel boutiquen, die sich in den typischen, entzückenden, reetgedeckten Friesenhäusern verbergen, fehlt uns. Hier parken tatsächlich vorwiegend Porsches vor der Türe, Paris-Hilton-Lookalikes tragen Einkaufstüten von einer Boutique in die nächste und in den Schaufenstern liegt Tiffany's-Schmuck, der locker mal 70.000 Euro kostet.
Die berühmte Pony Bar lassen wir an diesem Nachmittag links liegen (hier wird ja frühmorgens abgefeiert) und gehen in die Kupferkanne, ein Café in den Dünen, wo draußen sitzen auch bei Wind und Wetter noch Spaß macht. Zumindest wenn man dann Kartoffelpuffer mit Apfelmus oder Folienkartoffeln mit Shrimps verdrückt.


Eine Wanne am Meer
Der Tag war lang. Immerhin waren wir dann auch noch auf der Uwe Düne und sind den nahezu menschen leeren Strand in List entlangspaziert. Abends, im Hotel Budersand, lege ich mich erst mal müde in die Wanne, gieße mir ein Gläschen Champagner ein (ja, man passt sich hier schnell den feinen Gegebenheiten an) und genieße in vollen Zügen den Luxus. Der besteht allerdings nicht in dem Schlückchen edlen Tropfen, den ich mir gönne, sondern darin, dass ich von meiner Wanne aus einen freien Blick aufs Meer habe. Mehr Meer geht tatsächlich nicht.

 

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