Medientage: Puls4-Chef verzichtet auf Redezeit, um Statements gegen Rassismus und Frauenfeindlichkeit Platz zu machen

PULS 4-Gründer Markus Breitenecker überließ seine Redezeit bei den Medientagen Arabella Kiesbauer, Verena Schneider, Alexandra Wachter und Gorgy Wallid und deren Erfahrungen mit Rassismus, Hate Speech, Gewalt und Migration.

Arabella Kiesbauer, Alexandra Wachter, Gorgy Wallid und Verena Schneider

Trotz Corona finden auch heuer wieder die Medientage, der Fachkongress zu Entwicklungen in der Medienbranche, statt. Abgesehen von Schutzmasken und Abstandsregeln ist diesmal noch etwas ein bisschen anders: Markus Breitenecker, Chef der ProSiebenSat1Puls4-Gruppe entschied sich, auf seinen Redeslot zu verzichten und anderen den Vortritt zu lassen. Anstelle von "Reflexionen eines Medienmachers" folgten emotionale Erfahrungsberichte von vier seiner Mitarbeiter*innen.

Medien müssen alle Facetten von Menschen darstellen

"Ich bin eine grindige, blade Frau, die eigentlich nix im Fernsehen zu suchen hat", beginnt Wettermoderatorin Verena Schneider ihre Ansprache. Es handelt sich dabei um einen der zahlreichen Hasskommentare, die sie im Laufe ihrer Karriere zu lesen bekam. "Ich bin so ekelhaft, dass man umschalten muss, denn sowas kann man sich im Fernsehen ja nicht anschauen", fährt sie fort. Schneider litt jahrelang an einer Essstörung. Kommentare wie diese machten alles nur noch schlimmer, erzählt sie. Ihre Bitte: "Augen aufhalten und helfen." Denn die Medien hätten es in der Hand, "alle Facetten von Menschen darzustellen und nicht nur einen Typus".

Showmoderatorin Arabella Kiesbauer schildert ihre Erfahrungen mit Rassismus. Von beleidigenden Kommentaren bis hin zu Drohungen und schließlich einer an sie andressierten Briefbombe. Sie betont, wie wichtig Vielfalt und Repräsentanz in den Medien sind und erklärt, dass es vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen wäre, dass jemand wie sie eine Sendung im Dirndl moderieren könnte.

Opfern eine Stimme geben

Journalistin Alexandra Wachter erklärt, dass sie sich selbst vor einigen Jahren aus einer gewalttätigen Beziehung befreit hat. Daraufhin zitiert sie eine anonyme Schilderung einer Journalistin über Gewalt in ihrer Beziehung, die vor einiger Zeit im Standardveröffentlicht wurde. Wachter betont, wie wichtig es sei, dass Medienschaffende Opfern eine Stimme geben und Gewalttaten gegenüber Frauen auch als solche benannt werden, denn: "Die Worte, die wir verweden prägen das Bild dieser Gesellschaft".

Gorgy Wallid, Kameramann und freischaffender Filmemacher, erzählt, wie er aus dem Irak fliehen musste, weil er als Reporter die Wahrheit über Schüsse auf friedliche Demonstrant*innen berichtete und ihm jahrelange Haftstrafen oder gar schlimmere Konsequenzen drohten. "Ich bin dankbar und froh, dass ich eine zweite Chance hatte, in meinem Bereich Fuß zu fassen, denn Fleiß reicht oft nicht aus. Man braucht auch Möglichkeiten und Chancen", so Wallids Schlussworte.

 

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