The Me You Can’t See: Die Serie über psychische Gesundheit, die wir 2021 brauchen

Prince Harry und Oprah Winfrey haben eine Dokumentations-Serie über psychische Gesundheit gedreht. Wieso ist diese Arbeit so wichtig? Und worum sollte es dabei nicht gehen?

The Me You Can't See

Es war ein hartes Jahr für alle von uns. Während sich für manche erst durch Covid-19 gezeigt hat, wie schwierig es sein kann, kämpften manche schon davor mit Problemen. Wieder andere haben bereits sehr schwere Zeiten in ihrem Leben hinter sich. Was wir aber alle gemeinsam haben ist, dass wir auf die Frage "Wie geht es dir" an irgendeinem Punkt in unserem Leben gelogen haben. Weil die Wahrheit nicht gesellschaftstauglich ist, weil man das Gefühl hat, dass darauf keine ehrliche Antwort erwartet wird. Vielleicht auch weil man sich selbst einredet, wenn man es nicht zugibt, ist es nur halb so schlimm. In unserer Gesellschaft spricht man kaum über psychische Gesundheit. Gerade im Jahr 2021, mitten in einem Massentrauma, ist es Zeit, das zu ändern. Genau dort setzt The Me You Can’t See an.

Auch nur Menschen

"Dieses Jahr hat bewiesen, dass 99,9 %, wenn nicht sogar 100 % von uns allen in irgendeiner Form Trauma erlebt haben", startet Prince Harry die Doku-Serie, die er mit Oprah Winfrey gemeinsam für Apple TV+ gedreht hat. In The Me You Can’t See setzt Prinz Harry sein Gespräch über die Mentale Gesundheit fort, dass er seit er die königliche Familie verlassen hat immer wieder angestoßen hat. Er holt sich dabei bekannte Persönlichkeiten wieLady Gaga und Glenn Close ins Boot, die alle über ihre persönlichen Schwierigkeiten und Erlebnisse berichten. Sie sind nahbar, menschlich. Menschen wie wir, mit Schmerz wie wir ihn haben.

Kraft in der Verletzlichkeit

"Wir werden in unterschiedliche Leben hineingeboren, wachsen in unterschiedlichen Umgebungen auf und sind dadurch unterschiedlichen Erfahrungen ausgesetzt. Aber unsere gemeinsame Erfahrung ist, dass wir alle Menschen sind", sagte Prinz Harry. "Die meisten von uns tragen irgendeine Form von ungelöstem Trauma, Verlust oder Trauer mit uns herum, das sich sehr persönlich anfühlt - und es auch ist. Doch das letzte Jahr hat uns gezeigt, dass wir alle im selben Boot sitzen, und meine Hoffnung ist, dass diese Serie zeigen wird, dass in der Verletzlichkeit Kraft liegt, in der Empathie Verbindung und in der Ehrlichkeit Stärke."

Selbsthilfe-Guide

Die ersten fünf Folgen sind aufgebaut, wie ein Selbsthilfe-Guide. Die Titel sind:

  • Sprich es aus
  • Frag um Hilfe
  • Finde, was dir hilft
  • Wir brauchen einander
  • Das bin ich

Neben den persönlichen Geschichten, die jede*r teilt, sprechen auch Expert*innen über die Forschung und den Wissensstand hinter psychischen Problemen. Sie stellen neue Behandlungsansätze vor und geben Einblick in die Komplexität des menschlichen Gehirns und der menschlichen Psyche. Vor allem aber berichten sie, wie sich Menschen, mit denen sie arbeiten, fühlen. Die Testimonials kommen aus der ganzen Welt und zeigen, dass unser Problem nicht nur westlicher Natur ist. Speziell für die Serie wurde ein Advisory Board mit Expert*innen aus der ganzen Welt zusammengestellt, die eine Richtung und Tipps vorgeben, wie die Serie den meisten Menschen helfen könnte.

Worum es wirklich geht

Während sich die Schlagzeilen gerade darum drehen, was die Berühmtheiten Preis geben, vergessen viele Medien sich dabei das große Ganze anzusehen. Die Idee dahinter. Denn auch wenn Lady Gaga bereits in der ersten Folge berichtet, dass sie von einem Musikproduzenten vergewaltigt wurde, war das nicht die Message, um die es geht. Kern der Geschichte ist, dass sie ihren Schmerz teilt und erklärt, wie sie ihn überwunden hat. Sie ist nahbar und ehrlich und zahlt den Preis der sensationslustigen Schlagzeilen, um anderen Menschen zu helfen. Und auch Harrys Erlebnisse, der über den Verlust von seiner Mutter spricht, sollte kein Futter für die Presse sein, sondern eine Geschichte über Verlust, den viele Menschen kennen. Er ist ein Mensch, der seine Mutter jung verloren hat. Lady Gaga eine Frau, deren Situation in einem Machtgefüge ausgenutzt wurde. Das sind die Geschichten, die zählen und mit denen sich viele identifizieren können. The Me You Can’t See ist die Dokumentations-Serie, die wir 2021 gebraucht haben. Sie blickt hinter die Kulissen und stößt hoffentlich nicht nur das öffentliche Gespräch an, sondern auch das persönliche. Damit wir auf die Frage "Wie geht’s dir?" irgendwann ehrlich antworten.

 

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