Mavi Phoenix: "Ich bin nicht die neue Popgöre"

Mavi Phoenix wird als der neue Star am österreichischen Pop-Himmel gefeiert. Wir trafen die junge Prophetin der Coolness zum Interview.

Diese 21-Jährige weiß, was sie tut. Und sie macht es verdammt gut. Mavi Phoenix wird als der neue Star am österreichischen Pop-Himmel gefeiert. Auf FM4 wird die Linzerin, die mittlerweile in Wien lebt, rauf und runter gespielt und bei den Amadeus Awards war sie gleich in zwei Kategorien nominiert.

Gerade ist sie Support bei der Magic Life Tour von Bilderbuch. Ihre neue EP heißt Young Prophet, denn genau das will sie sein: eine Prophetin der Coolness, des Talents und des Zeitgeists. Mit diesem Titel wollte sie „einfach mal auf die Kacke hauen und zeigen, dass ich da bin“, sagt sie selbstbewusst. Ihre musikalischen Ziele lagen immer schon außerhalb des kleinen Alpenlandes, ihr großer Traum heißt nämlich Amerika. Die Widerstände, denen sie als junge Frau in der männerdominierten Musikbranche begegnet, haben sie dabei noch nie aufgehalten. Ganz im Gegenteil: „Es hat mir Kraft gegeben, dass einige auf Abstand gegangen sind, und ich habe mir gedacht: Jetzt will ich’s erst recht wissen.“ Im Interview verrät sie, wie sie mit Gegenwind zurechtkommt und welches Bild sie ihren Fans gerne vermitteln würde.

In einem Interview hast du gesagt, dass du deine ersten Songs bereits mit 13 Jahren aufgenommen hast. Welche Bedeutung hatte Musik damals für dich?

Mavi Phoenix: Es war eher so eine Flucht vom Alltag. Und der Traum, Musik zu machen. Ich wollte immer Disney-Star werden. Ich hab' das voll cool gefunden, das war für mich das Höchste, das man im Leben erreichen kann. Ich habe immer gern getrommelt, Gitarre gespielt und war sehr musikalisch. Dass ich Songs gemacht habe, war aber schon mit dem Hintergedanken, dass ich berühmt werde.

Wie hat sich dein musikalischer Stil verändert?

Extrem. Ich habe immer viel Popmusik gehört, das war fast das Einzige, das ich gehört habe. Dann ein bisschen Hip Hop. Ich habe früher auch extrem argen Pop gemacht, man würde es wohl Schlager auf Englisch nennen (lacht). Das macht man eben mit 13 oder 14, das hat keine künstlerische Aussage. Jetzt mache ich das, was ich wirklich cool finde. Ich traue mich mehr.

Was war dein erster Lieblingssong in der Kindheit?

Mein allererster Lieblingssong war „Don‘t Speak“ von No Doubt.

Du wirst als der neue Popstar Österreichs bezeichnet. Wie hat sich dein Leben in den letzten Jahren verändert?

Es ist viel mehr los. Das ist voll schön. Die Leute aus dem Umfeld nehmen mich wahr und sehen, dass da etwas vorangeht. Das tut gut.

Deine aktuelle EP hat den Namen „Young Prophet“. Warum hast du diesen Titel gewählt? Würdest du dich als junge Prophetin bezeichnen?

Ursprünglich gab es einen Song, der so geheißen hat. Der hat es aber nicht auf die EP geschafft (lacht). In dem Song wird eigentlich der Titel erklärt. Ich bin ein Young Prophet für mein Umfeld, für mich selber. Der Titel ist absichtlich so plakativ – um einfach mal ein bisschen auf die Kacke zu hauen und zu zeigen, dass ich da bin.

😇😇😇 #AAMA17

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Wie wird dein Erfolg in der Branche angenommen?

Ein bissl g‘spür ich‘s schon, dass die Leute verhalten sind.

In deinem Song „Nonstop“ sagst du: 'Cause the people in this business think that I am really fresh 'Little girl' […] You won't take me serious, not before I'm known´ Hast du das Gefühl, dass du als junge Künstlerin in deiner Branche ernst genommen wirst – oder haben es junge Frauen schwieriger?

Damals, im Jahr 2014, hatte ich noch gar keinen Support. Ich habe alles aus eigener Kraft heraus gemacht. Ich hab mit 16 Jahren versucht, Anschluss bei Leuten in der Musikszene zu finden und da hat niemand verstanden, worum es mir geht. Es hat mir Kraft gegeben, dass einige auf Abstand gegangen sind, und ich habe mir gedacht: Jetzt will ich’s erst recht wissen. Jetzt würde ich sagen, dass FM4 mich schon sehr gepusht hat. Es ist irgendwie beides. Auf der einen Seite hab ich das Gefühl, dass es Leute gibt, die es gerade deswegen cool finden, weil ich eine Frau bin, und auf der anderen Seite auch wieder nicht.

Die ersten Versuche in der Branche, wie funktioniert das?

Bei der ersten EP, die ich selbst fertigproduziert habe, hab‘ ich mir so naiv gedacht, dass das eh jeder lieben wird, sobald es draußen ist. So war es dann eher nicht. Ich hab mir in Österreich Mailadressen von Journalisten und Branchenleuten herausgesucht und die EP an 50 Leute geschickt. Kein einziger hat zurückgeschrieben. Das ist schon ernüchternd. Irgendwie ist dann aber FM4 darauf aufmerksam geworden, und dann ist es bergauf gegangen.

Gibt es etwas, das du jungen Musikerinnen mit auf den Weg geben würdest, die gerade in ihrem Kinderzimmer sitzen und Songs komponieren?

Rausgehen mit der Musik. Live spielen. Netzwerken. Auch wenn es zach ist, auf diese komischen Partys zu gehen.

Wenn ich Interviews und Porträts über dich lese, wirst du immer in Bezug zu männlichen Künstlern genannt. Zum Beispiel, dass eigentlich Bilderbuch diejenigen waren, die dich „entdeckten“ oder was du von Voodoo Jürgens hältst. Nervt dich das?

Ich weiß, was du meinst. Dass man trotzdem die Begründung bei einem Mann sucht. „Maurice hat die ja entdeckt.“ Es fällt nicht voll auf, aber ich verstehe den Gedanken. Es hat mich aber nicht genervt – bis jetzt (lacht).

Auf der einen Seite hab ich das Gefühl, dass es Leute gibt, die es gerade deswegen cool finden, weil ich eine Frau bin, und auf der anderen Seite auch wieder nicht.
von Mavi Phoenix

Du war in zwei Kategorien für den Amadeus Award nominiert: FM4 Award und Künstlerin des Jahres. Wie spannend oder unspannend findest du die österreichische Musikszene im Moment?

Ich habe früher eigentlich nie etwas mit der österreichischen Musikszene zu tun gehabt, ich habe mich nie wirklich ausgekannt. Auch aus Trotz. Weil ich immer nach Amerika wollte. Aber ich finde es schon cool, was passiert. Es gibt viele gute Acts. Es gibt aber auch leider viele Acts, die glauben, dass sie cool sind und gute Musik machen – aber in Wirklichkeit stimmt nur der Instagram-Account und die Musik nicht. Es bleibt aber abzuwarten, ob der Hype um die österreichische Musikszene lange hält.

Wie wichtig ist Selbstvermarktung als Musikerin?

Sehr wichtig. Ich merke es auch bei mir: jetzt geht’s grad bergauf mit den Likes. Aber ich habe auch schonmal einen Monat lang nichts gepostet. Weil ich dieses „Warmhalten“ nicht mag. So auf die Art: „Schaut’s ich bin eh noch da.“

Gibt es einen Ort, an dem du gerne leben würdest, um kreativ zu sein?

Ja schon. Amerika reizt mich trotzdem immer noch. Ich find’s einfach cool dort, weil es so gestört ist. Da geht’s irgendwie um nix. L.A. oder so – worum geht’s da schon? Da kann man gut kreativ sein, weil es so komisch ist. Sonst Italien, Toskana, finde ich auch schön.

Hast du als Künstlerin manchmal Angst, dass du in ein Bild gepresst wirst, das du nicht vermitteln willst?

Das ist generell immer eine Sorge von mir. Ich schaue sehr drauf, dass ich authentisch bleibe. Sobald ich merke, dass etwas nicht zu mir passt und ich mich nicht wohlfühle, dann mache ich es nicht. Es ist mein größter Alptraum, dass die Leute nicht verstehen, wer ich bin. Dass sie glauben, dass ich die neue „Popgöre“ bin. Das bin ich nicht.

Von deinem Song Quiet sagst du, es sei der politischste Track bisher. In welchem Zusammenhang ist er entstanden?

Der Song wurde Anfang 2016 geschrieben. Und da war gerade die politische Situation sehr belastend. „Make the world go quiet, I want you to be a riot” heißt schon, dass wir etwas tun müssen. Dass wir schauen müssen, dass nicht alles noch schlechter wird. Auf der anderen Seite möchte ich damit nicht hausieren gehen, mit Parolen.

Was ist dir wichtig, für deine musikalische Zukunft?

Dass es einfach Fans gibt, die mir folgen, die meine Musik mögen. Und ich will international erfolgreich sein. Ich trau‘ mich das sagen, und ich trau es mir zu. Und ein gutes Album. Und einen Grammy (lacht).

 

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