Mauthausen-Überlebende in "großer Sorge" wegen türkis-blauer Regierung

Das internationale Komittee der Überlebenden des KZ Mauthausen warnt in einem offenen Brief an Bundespräsident Van der Bellen und Bundeskanzler Kurz vor "nationalistischen Strömungen".

In dem offenen Brief äußern die Betroffenen ihre "große Sorge" über Österreichs neue Regierung, gab das Mauthausen Komitee Österreich heute bekannt.

Die Regierung unter Kanzler Kurz und Vizekanzler Strache veranlasse die Überlebenden des Konzentrationslagers zu einer "eindringlichen Warnung vor Nationalismus und Rechtsextremismus, besonders wegen fremdenfeindlicher Tendenzen im Regierungsprogramm und zahlreicher einschlägiger Vorfälle in der FPÖ", so der Wortlaut des Briefs (hier in voller Länge zu lesen).

Warnung vor Rechtsextremismus in der Regierung

Die Betroffenen senden ihren Appell an Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Bundeskanzler Kurz aus verschiedenen Ländern weltweit und erwarten von der neuen österreichischen Bundesregierung, "dass sie sich - den Lehren aus dem dunkelsten Kapitel der europäischen Zeitgeschichte gehorchend - abwendet von nationalistischen Strömungen und sich hinwendet zu einem gemeinsamen und solidarischen Europa! Die rund 100.000 im Mauthausen-System Ermordeten und die Millionen übrigen Opfer des Faschismus dürfen nicht umsonst gestorben sein", erklärte das Komitee anlässlich der im Brief zusammengefassten Wortmeldungen der KZ-Überlebenden.

In einem der Statements wird Bundeskanzler Sebastian Kurz etwa dazu aufgefordert, dafür zu sorgen, "dass es in der österreichischen Regierung keinen Platz für Antisemitismus, Rassismus oder irgendeine Form von Rechtsextremismus gibt".

SOS Mitmensch: Aufruf zu "Wachsamkeit und Zivilcourage"

Die NGO SOS Mitmensch rief in einem Schreiben, das ebenfalls am heutigen Donnerstag veröffentlich wurde, zu "Wachsamkeit und Zivilcourage" auf und warnte vor "rechtsextremen Umtrieben und Machtmissbrauch" in den Ministerien. Anlass für den offenen Brief sei "die Übernahme wichtiger Ministerien durch Personen mit einem Naheverhältnis zum organisierten Rechtsextremismus", erklärte SOS Mitmensch-Sprecher Alexander Pollak in einer Aussendung.

Aktuell