Maria 2.0.: Wenn Katholikinnen streiken, ist die Kirche leer

Her mit den Priesterinnen! Katholische Frauen in Deutschland und Österreich protestieren mit einem Kirchenstreik dafür, dass Frauen künftig zu Weiheämtern zugelassen werden.

Demonstration der Initiative "Maria 2.0" nach einer Priesterweihe im Freiburger Münster. Sie kämpft dafür, dass Frauen ALLE Ämter in der römisch-katholischen Kirche bekleiden können.

Halleluja, Maria 2.0 ist in Österreich angekommen! Maria was? Leider ist auch das kein neuer Feiertag, dafür aber ein katholischer Protest für mehr Gleichberechtigung in der Kirche. Ebenjene sollen am kommenden Sonntag leer bleiben. Katholikinnen wollen die Gotteshäuser nicht betreten, sie feiern ihre Gottesdienste stattdessen im Freien. Der Pfarrer selbst bleibt an diesem Sonntag im Hintergrund, die Frauen leiten die Messe selbst.

Die Idee zu dem Protest stammt aus Münster, wo eine Gruppe Katholikinnen vor einigen Monaten beschloss, sich gemeinsam gegen grundlegende Regeln der katholischen Kirche aufzulehnen. Sie protestieren gegen den Ausschluss von Frauen von Weiheämtern (also dem Diakonen-, Priester-, und Bischofsamt), aber auch gegen das Pflichtzölibat und den Umgang mit Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche. Die Gruppe rief Frauen dazu auf, vom 11. bis 18. Mai keine Kirche zu betreten, ihre kirchliche Arbeit ruhen zu lassen und stattdessen vor den Kirchen mit Frauen und Männern Gottesdienste zu feiern. Vor den teilnehmenden Pfarren wehen oft die Flaggen von Maria 2.0.: "Frauen an den Altar" kann man darauf lesen.

Warum Frauen keine Priesterinnen sein dürfen

In den hohen Kirchenämtern ist das alles schwierig. Eine von Papst Franziskus eingesetzte Kommission hat sich erst kürzlich mit frühchristlichen Quellen zu Frauen in Weihämtern befasst, ist sich aber nicht einig geworden. Zwar habe es Diakoninnen gegeben, es sei aber nicht gewiss, „dass ihre Weihe die gleiche Form und gleiche Bestimmung hatte wie die Weihe von Männern“, so der Papst. „Es gibt Zweifel, also lasst uns weiter studieren.“

Immer wieder mal überlegen die Männer in der katholischen Kirche, ob man die Macht nicht auch ein bisschen mit Frauen teilen soll. Seit dem Bekanntwerden der zahlreichen Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche hat die Diskussion an Fahrt aufgenommen. Nicht, weil mehr Frauen weniger Missbrauch bedeuten würden, betont die Pastoraltheologin Regina Polak im Gespräch mit religion.ORF.at. Verantwortlich seien nicht nur "moralisch fehlgeleitete Kleriker", sondern auch die "nicht transparenten männerbündlerischen Strukturen" innerhalb des Machtkomplex Kirche. Diese würden "seit jeher auch Frauen schaden".

Wer über die Missbrauchsfälle diskutiere, müsse zwangsläufig auch die Machtstrukturen in der Kirche ansprechen. Eine Analyse ebenjener Strukturen führe zu Themen, die mit den Machtfragen zusammenhängen - und so eben auch zum Ausschluss von Frauen, sagt Polak. Obwohl von internen Entscheidungsprozessen ausgeschlossen, müssten sich die Katholikinnen als Gläubige dennoch oftmals für die Missbrauchsfälle rechtfertigen. Sie tragen also die Konsequenzen, dürfen aber nicht an Lösungen mitarbeiten.

Der Ausschluss von Frauen ist "willkürlich"

Dabei sind die Strukturen auch in der katholischen Kirche ohne Frauen nicht zu denken. Schon jetzt sorgen sie mit ihrer Mitarbeit für einen reibungslosen Betrieb in den meisten Pfarrgemeinden. Dass sie wegen ihres Geschlechts von den Weiheämtern ausgeschlossen sind, ist für die Pastoralassistentin Hannelore Mayer eine "willkürliche Entscheidung", wie sie gegenüber religion.ORF.at sagt. Die Kirche Breitenfeld, in der Mayer tätig ist, wird am Sonntag in der Früh leer bleiben, das Pfarrleitungsteam unterstützt die Frauen dabei. Der Gottesdienst soll nur die erste von mehreren, zukünftigen Aktionen für Gleichberichtigung in der Kirche sein. sein. „Ich bin davon überzeugt, dass Männer und Frauen berufen werden und dass Gott nicht schaut, ob du ein Mann oder eine Frau bist", sagt Mayer. "Es ist sehr sehr schmerzhaft, dass Menschen ihre Berufung abgesprochen wird. Das ist eine ganz große Wunde, die die katholische Kirche hat und die geheilt werden muss.“

Aktuell