Manuel Rubey im Interview

Ein exaltierter Rockstar in „Falco – Verdammt, wir leben noch!“, ein schräger Priester in „Braunschlag“: Manuel Rubey (33) schlüpft gerne in Rollen, die ihn selbst und die Zuschauer herausfordern. In dem österreichischen Kinofilm „Zweisitzrakete“ zeigt er jetzt seine weiche Seite.

In deinem neuen Film „Zweisitzrakete" sagt Inge Maux als Frau Müller zu dir: „Wort no a paar Jahr, du wirst mit jedem Tag schöner". Glaubst du an den George-Clooney-Effekt oder hast du Angst, im Alter abzubauen?
Ich finde, der Tod und die Vergänglichkeit sind ein Affront. Ich bin nicht damit einverstanden (lacht). Ich habe aber eher Angst vor dem Verfall - dass man anfängt, Dinge nicht mehr machen zu können. Optisch ist mir des irgendwie wurscht. Mein Vater war mit Mitte zwanzig vollgrau. Ich habe immer gedacht, dass sich das vererbt. Insofern warte ich eigentlich darauf und stelle mich drauf ein: lieber grau als Glatze.

Wie alt fühlst du dich gerade?
Im Moment sehr alt. Weil ich so müde bin. Seit ich Kinder habe, fühle ich mich tendenziell um zehn Jahre älter.

Im Film haben Mia und Manuel eine Liste mit Dingen, die sie irgendwann mal machen wollen. Hast du das auch?
Ich habe keine Liste, aber es gibt zwei Dinge, die ich noch machen will: französisch und Klavier spielen lernen.

Und deine Idee, ein Restaurant zu eröffnen?
Das ist mehr ein Plan B. Wenn's nicht so gut läuft und man nachdenkt, welche Alternativen man hätte. Ich hab ja nix gelernt. Und ein Restaurant ist das einzige, was mir einfällt. Ich koche sehr gerne und sehr viel, aber ob es reicht für ein Restaurant, wage ich zu bezweifeln. Aber man kann ja einen guten Koch einstellen. Ich habe einen sizilianischen Haubenkoch kennen gelernt, den würde ich gerne engagieren und mich selbst um die Ästhetik kümmern. Ich glaube, das wäre eine gelungene Kombination.

Manuel Rubey und miss-Textchefin Jasmin Kreulitsch

Die Figur von Manuel ist als Softie-Typ angelegt. Magst du solche Rollen oder spielst du lieber den Macho, den Fiesling, den Antagonisten?
Tatsächlich ist es ja so, dass ich in den letzten Jahren mehr Fieslinge gespielt habe. Ich finde es immer wichtig, etwas zu spielen, das noch nicht da war. Je mehr Brüche ein Charakter hat, umso mehr Futter hat man. Und gerade bei einem liebenswerten Kerl wie Manuel muss man fokussieren, damit es nicht eintönig wird und die Figur nur nett und dadurch fad wirkt.


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Manuel Rubey und Alissa Jung
Manuel Rubey und miss-Textchefin Jasmin Kreulitsch
Manuel Rubey im Interview

Bei „Zweisitzrakete" hast du mit mehreren Leuten gedreht, mit denen du schon viele andere Projekte gemacht hast. Gibt es da eine Art Gang oder ist die Szene so klein?
Beides. Die Branche ist so klein, dass man sich immer wieder begegnet, und es gibt tatsächlich eine Gang, weil wir uns auch irgendwann gesagt haben: Warum sollen wir anders fungieren, wenn's mit uns so gut funktioniert. Also versucht man, die Gang immer wieder reinzuboxen.

Mia und Manuel sind beste Freunde. Glaubst du, dass Männer und Frauen das sein können, ohne dass ihnen Sex dazwischen kommt?
Ich glaube, dass es möglich ist, aber die Komponente Sex ist eine latente Gefahr. Ich habe eine sehr gute Freundin, das ist eine Exfreundin. Wir haben damals gemeinsam gut die Kurve gekriegt, zu einem Zeitpunkt, als uns beiden klar war, dass wir kein Paar sein wollen. Da ist heute eine total enge Vertrautheit, fast schon etwas Geschwisterliches.

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Kennst du das Gefühl, dass man sich jahrelang nach jemandem verzehrt und sich nicht getraut, seine Liebe zu gestehen?
Ich kenne es aus Jugendtagen, dass man nicht wahrhaben will, dass die andere Person nicht interessiert ist. Mit 15 habe ich vier Jahre lang nicht akzeptiert, dass ein Mädchen nichts von mir wollte, obwohl sie es ganz klar gesagt hat. Aber ich dachte immer: „Irgendwann wird sie es noch schnallen!" (grinst)

Und umgekehrt: Was war die schönste Liebeserklärung, die du bekommen hast?
Die Mutter meiner Kinder ist zu Fuß von Wien nach Linz gegangen, als ich da Theater gespielt habe. Sie war 48 Stunden unterwegs und hat sich dann in Melk auf einen Frachter eingeschifft. Das war schon sehr super. Da wird man weich.

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Gibt's ein Geheimnis für eine Beziehung?
Ich kenne keines. Es ist natürlich Arbeit. Ich halte auch nichts von großen, ewigen Versprechungen oder Eheverträgen. Ich glaube, das einzige Geheimnis ist, sich jeden Tag aufs Neue füreinander zu entscheiden.

Glaubst du an das Konzept des Miteinander-alt-werdens?
Ja. Gerade im Alter, finde ich, ist es super, wenn man jemanden an seiner Seite hat.


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In einem Interview hast du mal gesagt, dass du ein Hypochonder bist. Wie kann man sich das vorstellen?
Das äußert sich darin, dass ich mir alle zwei Jahre eine unheilbare Krankheit einbilde. Ich hab mir beispielsweise mal eingebildet, dass ich eine Augenkrankheit habe, bei der sich die Sehfähigkeit so verändert, dass man nur noch zwei kleine Punkte sieht. Das habe ich dann gegoogelt. Wenn ich sowas in einem schlechten Moment höre, kann ich mich richtig reinsteigern. Für einen Außenstehenden klingt das immer lustig, und ich selbst finde es ja auch manchmal albern, aber wenn man da drinsteckt, ist es wirklich nicht lustig.

In einem anderen Interview hast du gesagt, dass du gerne in den „Goldenen Zwanziger Jahren" gelebt hättest, weil es damals so viel Stil gb. Was genau würdest du von damals gerne ins Heute bringen?
Mich fasziniert, dass die Leute diese Liebe zur Literatur hatten, die Kunst einen solch hohen Stellenwert hatte oder dass man sich die Zeit genommen hat, sich gut anzuziehen und generell eine große Höflichkeit herrschte.

Ziehst du dich denn gerne gut an?
Puh, schwierig. Ich glaube schon, dass man etwas damit erzählt, wie man sich anzieht. Aber gut anziehen? Ich denke zumindest gerne darüber nach, was ich trage.

Was ist der Stil von Manuel Rubey?
Hose, Hemd, Sakko. Ich bin nicht so der Kapuzenpulli-, Sneakers- oder Hip-Hop-Typ.

Wenn ich sagen würde: Da ist eine Frau, da ist ihr Kleiderschrank - und jetzt zieh sie an. Was würde dabei rauskommen?
Das ist total subjektiv. Ich würde mir den Kleiderschrank anschauen und dann irgendwas rausziehen. Ich habe keinen Masterplan für Mode.

 

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