Manspreading: Wenn Männer die Beine breit machen

Jede hat sie schon ein- oder mehrmals erlebt: Männer, die in der U-Bahn die Beine breit machen, als wären sie alleine da. Eine neue Studie versucht jetzt sogar, die "Manspreader" zu verteidigen.

Wie oft denken wir uns in der U-Bahn, dass der Mann neben uns seine Beine gefälligst zumachen soll, damit auch andere Platz haben? Für dieses Breitbein-Macker-Phänomen gibt es sogar ein Wort: "Manspreading". Bekannt wurde es vor allem wegen einer Kampagne der New Yorker Verkehrsgesellschaft MTA. Die brachte vor einem Jahr in ihren Zügen Schilder an, auf denen die "Manspreader" aufgefordert werden, sich zu benehmen: "Dude, stop the spread, please – it’s a space issue."

Dass dieses Problem keine "Kleinigkeit" ist, sondern tief verwurzelt ist in der Vorstellung, dass den Männern der öffentliche Raum gehört, darauf haben seither viele hingewiesen. Frauen würden sich unsichtbar machen, während Männer Platz einfordern, heißt es. Im Internet haben seither tausende Menschen Bilder von Männern gepostet, die zu viel Platz einnehmen:

Biologisch bedingt?


Wenig überraschend ist daher, dass jetzt ein paar Männer zum Gegenschlag ausholen und versuchen das Phänomen wissenschaftlich zu erklären. Auf dem wirtschaftspolitischen Blog EconoMonitor wurde Mitte Jänner der Versuch einer wissenschaftlichen Analyse veröffentlicht, die erklären will, warum Männer nicht anders können, als die Beine breit zu machen. Der Grund: die Biologie.

„Unserer multivariaten Analyse von anthropometrischen Parametern über mehrere Datensätze zufolge ist Manspreading eine adaptive Strategie, die Männer wegen angeborener morphologischer Eigenschaften anwenden", heißt es darin. Der männliche Körperbau sei also dafür veranwortlich, dass sie breit sitzen. Weil bei Männern die Schultern wesentlich breiter seien als die Hüften, müssten sie spreizen, um die Balance zu halten.

Anerzogenes Verhalten


Ina Hunger, Professorin für Sportwissenschaft an der Universität Göttingen, sieht das jedoch anders. In einem Interview mit der "taz" sagte die Expertin: "Es gibt keine geschlechtsspezifische Anatomie, die Männer dazu zwingt, breitbeinig zu sitzen." Was es jedoch sehr wohl gebe, sei ein anerzogenes Körpergefühl, das bereits Buben beibringt, sie könnten mehr Raum einnehmen als Mädchen.

In einer Studie beobachtete die Wissenschafterin Kleinkinder beim Spielen und wie sie sich dabei bewegen. Das Ergebnis: Buben werde gesagt, sie können sich "austoben" und somit mehr Platz einnehmen, während Mädchen eher auf einem kleinen, begrenzten Raum spielen würden.

Das heißt: dass Männer in der Öffentlichkeit die Beine breit machen, hat nichts mit ihrer Biologie zu tun, sondern damit, dass ihnen von klein auf beigebracht wurde, unreflektiert mehr Raum einzunehmen. Sie könnten sich etwas vom kanadischen Premierminister Justin Trudeau abschauen, der zeigt, wie das Gegenteil von Manspreading aussieht:

 

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