Männer, die sich über Frauen in "Avengers: Endgame" ärgern: Was is' mit euch, herst?

Marvel's AVENGERS: ENDGAME

Es dauert nur ein paar Sekunden, aber es ist sooo schön. In "Avengers: ENDGAME", dem lang ersehnten letzten Teil der "Infinity-Saga" im Marvel Cinematic Universe (kurz: MCU), sammeln sich einen Augenblick lang alle Heldinnen. Weibliche Avengers und Guardians, Kriegerinnen aus Wakanda und Asgard gemeinsam in einem beeindruckenden Group-Shot, der einer die verdiente Gänsehaut auf die Unterarme treibt. So fühlen sich weiße Männer wohl ihr ganzes Leben im Kino.

„Erzwungen“ und „unnatürlich“, schimpfen ebenjene jetzt aber in einschlägigen Foren. Es geht ihnen dabei freilich nicht um astrophysikalische Ungenauigkeiten und abgehobene Fantasien sondern schlicht ums Geschlecht. Dass sie sich seit Jahrzehnten (auch im MCU und sogar nur wenige Minuten zuvor im selben Film!) ständig rein männliche Ansammlungen an Superhelden anschauen, kommt ihnen dabei nicht in den Sinn. Das ist nämlich „normal“.

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"Normalität" ist immer konstruiert

Die Frauen, aufgereiht und stark und wunderbar, sind die Ausnahme. Natürlich ist das konstruiert, das sind Filme immer. Marvel beweist mit Einstellungen wie dieser aber, dass es dem Zeitgeist nicht nur folgt, sondern ihm sogar ein kleines bisschen voraus ist. Das ist wichtig: Menschen sind nämlich nicht besonders kompliziert, wir finden „normal“, was wir ständig sehen - konstruiert oder nicht. Und wenn wir uns in einigen Jahren und nach unzähligen Wiederholungen eine Gruppe Superheldinnen anschauen können, ohne dass irgendwer Schnappatmung kriegt und empört „ABER DAS IST DOCH FEMINISMUS“ brüllt, dann soll es bitte so sein.

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Marvel und der Feminismus

Feministen der ersten Stunde, und hier wurde absichtlich nicht gegendert, sitzen sowieso nicht bei Marvel. Mit den komplexen Frauenfiguren hat man ein bisserl auf sich warten lassen. In der ganzen sogenannten "Phase 1" des MCU durften Frauen, trotz hochkarätiger Besetzung mit Scarlett Johansson, Gwyneth Paltrow und Natalie Portman, nur Nebenrollen spielen. Wenigstens waren sie keine Damen in Nöten, aber die eindimensionalen, beherrschten und kompetenten Gegenstücke zum lustigen Helden der Herzen: dem Mann.

Das Marvel Cinematic Universe ist ein fiktives Multiversum und Franchise, in dem eine Reihe von SuperheldInnenfilmen spielen. Marvel Studios produziert die Filme selbstständig und hat in den letzten zehn Jahren bis dato 22 Filme und neun Serien produziert. Die Produktionen sind in sogenannte "Phasen" unterteilt. Der aktuelle Film, Avengers: Endgame, ist der vorletzte Film der Phase 3.

Portman soll das Franchise übrigens aus diesen Gründen verlassen haben. Ein bisschen später wurde tatsächlich alles besser und vor allem: diverser. Auch, und da brauchen wir uns nichts vormachen, weil sich Diversität und Repräsentation finanziell durchaus auszahlen. Die Frauen im MCU waren plötzlich auch Schwarz mit natural hair, hatten komplexe Backstories, vom posttraumatischen Stresssyndrom mit Alkoholproblemen bis hin zum Super-IQ, und mit Carol Danvers in "Captain Marvel" 2019 dazu endlich eine Titelheldin.

Hinter der Kamera ist es bei Marvel aber noch immer ziemlich weiß und männlich. Anna Boden ist mit ihrer Arbeit an "Captain Marvel" die erste Regisseurin im MCU. Dessen Präsident und Mastermind Kevin Feige hat letztes Jahr noch versprochen, dass in Zukunft mehr Frauen im Regiesessel sitzen sollen. Im angekündigten "Black Widow"-Solofilm dürfte tatsächlich die Australierin Cate Shortland Regie führen. Schauen wir, was "Phase 4" noch so bringt.

Den antifeministischen Hatern sei an dieser Stelle jedenfalls gesagt: This is how it works now. Deal with it.

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