Man fragt sich... wo kauft man Vintage-Düfte?

Vintage-Düfte, also Parfüms die 25 Jahre oder älter sind, sind bei Sammlern heißbegehrt. Martina Parker verrät, wo und wie man Omas Parfüms gut und günstig ersteht.

Düfte, die vor 1990 entstanden sind, werden von Sammlern als Vintage-Parfüms bezeichnet. Der Grund dafür, Düfte werden ständig reformuliert, 1. weil heute viele traditionellen Duftstoffe als potentiell allergen eingestuft sind, 2. weil es bei synthetische Duftstoffen ständig neue günstigere Alternativen gibt und die Hersteller gerne an der Kostenspirale drehen. Alles über die Problematik der Reformulierung lesen Sie in meinem Artikel "Aus für den Lieblingsduft?" hier auf meinem Blog.

Wie Weine altern Parfüms unterschiedlich gut. Ein angebrochener Duft, der in der Wärme steht, "kippt" nach ein paar Jahren. Er oxidiert, wird dunkel und sirupartig und riecht muffig. Ein Duft, der im Originalkarton im kühlen Schlafzimmer oder im dunklen Badezimmerkasten gelagert wurde, kann hingegen noch nach Jahrzehnten erstaunlich gut riechen.

Wie alt ein Parfüm tatsächlich ist, lässt sich nicht immer feststellen. Einen Barcode, der das Datum der Herstellung verrät, haben die meisten "Oldies" nicht. An den aufwändigen Flakons und den Verpackungen sind Vintage-Parfüms aber auch von Laien leicht zu erkennen. Viel Parfümwissen zu Vintage-Düften liefern die englischsprachigen Seiten Basenotes und Fragrantica.

Begehrte Vintage-Düfte sind ältere Versionen von "Shalimar/ Guerlain" und "Chanel Nr. 5", oder "Arpège/Lanvin". Ich mag "Vent Vert/Balmain" und "Madame Rochas", weil die meine Mutter früher immer trug. Nostalgie ist eine gute Triebfeder, um mit dem Sammeln von Vintage Düften zu beginnen.

Ich sammle seit Jahren alte Parfüms. Hier die Pros & Contras zu den unterschiedlichen Bezugsquellen.

1. Flohmärkte

Flohmärkte - vor allem auf dem Land - sowie Kirchenflohmärkte und caritative Privatveranstaltungen sind für mich die besten Fundorte. Erstens sind Vintage-Düfte hier meist wirklich günstig - ich habe ein "Calèche" von "Hermés" aus den 70er Jahren am Oberwarter Flohmarkt um 2 Euro gekauft, zweitens kann man an den Parfüms schnuppern und die Qualität beurteilen. Hier trifft man noch auf private Standler, die nach Omas Tod den Inhalt ihres "Alliberts" ausräumen und schnell und günstig verscherbeln. Das lehrt uns allerdings auch, dass man sich lieber nichts für "bessere Zeiten" aufheben soll.

2. Ebay

Meine Erfahrungen mit Ebay sind so mittelprächtig. Ein Teil der Düfte, habe ich hauptsächlich wegen der Fakons gekauft. Und das war gut so, denn der Inhalt war bereits oxidiert. Gefinkelte Verkäufer füllen gerne alte, leere Flakons mit neuen Inhalten auf, um den Preis in die Höhe zu treiben.

Noch ein Kritikpunkt: Bei echten Schätzen steigern meist so viele Leute mit, dass der Preis letztendlich den Wert übersteigt.

Ebay ist aber toll, um Düfte aus dem Neunzigern aufwärts zu ersteigern, die nicht mehr erhältlich sind. Ich habe mir dort "KL" von Karl Lagerfeld besorgt. Es stammt aus der Zeit, als Karl noch dick war und Fächer trug. Achtung bei Bestellungen im Ausland. Die englische Post verschickt z.B. keine brennbaren Flüssigkeiten und daher auch keine Düfte.

3. Flohmarktportale wie "Will haben" und co.

Bei will haben habe ich persönlich noch keine wirklich coolen Vintage-Düfte entdeckt. Der Markt wird eher von Fehlkäufen und ungeliebten Duftgeschenken dominiert. Allerdings werden immer wieder Miniaturen mit Setzkasten angeboten. Und die haben ja auch eine Art Kultfaktor.

PS: Oft werde ich gefragt, ob ich die Vintage-Düfte auch trage. Die Antwort ist: "Ja, natürlich!", schließlich will ich nicht, dass diese nach meinem Tod, wieder ungenutzt auf dem Flohmarkt landen.

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