Mammakarzinome verändern sich

Britische Wissenschafter haben genetische Veränderungen entdeckt, welche darüber entscheiden, ob der Krebs nach anfänglich erfolgreicher Therapie wieder auftaucht oder nicht.

Mammakarzinomzellen verändern sich im Krankheitsverlauf. Sie stellen bewegliche Ziele dar. Britische Wissenschafter haben genetische Veränderungen entdeckt, welche darüber entscheiden, ob der Krebs nach anfänglich erfolgreicher Therapie wieder auftaucht oder nicht. Dies stellte Lucy Yate vom Wellcome Trust Sanger Institute (Cambridge) am Freitag beim Europäischen Krebskongress (ECC) dar.

Obwohl die meisten Patientinnen mit Brustkrebs geheilt werden können, kehrt der Krebs bei einer von fünf Frauen zurück - entweder am Ort des ersten Tumors (Lokalrezidiv) oder an anderen Stellen des Körpers (Metastasierung). Lucy Yates und die Co-Autoren haben die Gensequenzen von Tumorgewebe von 1.000 Frauen mit Mammakarzinom untersucht. Bei 161 Fällen handelte es sich um rezidivierende Tumore oder Metastasen. Die Wissenschafter verglichen die Gene dieser Gewebsproben zur Zeit der Erstdiagnose mit jenen Gewebsproben, die beim Wiederauftreten entnommen wurden.

Tumor verändert sich

Das Hauptergebnis: Es zeigten sich genetische Unterschiede zwischen dem primären und dem wiederauftretenden Tumor, mit einigen Unterschieden, die in späteren Phasen erworben wurden, wenn der Krebs wiederkehrte und sich ausbreitete. "Wir haben zur Zeit der Primärdiagnose einige genetische Mutationen bei später rezidivierenden Tumoren gefunden, die bei jenen Tumoren, die nicht rezidivierten, kaum auftraten. Wir glauben, dass diese genetischen Unterschiede eine Prädisposition zum Wiederkehren darstellen. Einige dieser genetischen Veränderungen sind potenzielle Angriffsziele für die Therapie", sagte die Wissenschafterin.

Wenn individuelle Krebserkrankungen sich über die Zeit genetisch verändern können, dann bedeutet das, dass die auf eine spezielle genetische Mutation abzielende Therapie mit dem Fortschreiten der Erkrankung gewechselt werden muss - bestimmt durch die Ergebnisse regelmäßig entnommener Proben von Krebsgewebe, nicht mehr basierend auf jenen Proben, die bei der Erstdiagnose entnommen wurden. Eine Neuentwicklung stellt hier die Flüssig-Biopsie dar, bei der DNA von Tumoren aus dem Blut analysiert wird. Die Untersuchung via Blutproben ist viel einfacher als Biopsien.

Unter den Mutationen der späteren Stadien fanden die Wissenschafter überzeugende Beweise für die Tumorsuppressionsaktivität von zwei verwandten Genen namens JAK2 und STAT3, die innerhalb des gleichen Signalwegs aktiv sind. "Es scheint, dass bei manchen Erkrankungen eine Unterbrechung dieses Signalwegs für das Überleben der Krebszellen von Vorteil ist. Interessanterweise", wie Yates darstellte, "steht dieser Befund im Gegensatz zu der Rolle von JAK2 bei einigen anderen Krebserkrankungen, bei denen eine Überaktivität dieses Gens die Malignität eher antreibt."

Genetische Merkmale von Metastasen

Es ist bekannt, dass eine verstärkte JAK-STAT-Aktivierung eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der Brustkrebsstammzelle und dem Überleben der Krebszelllinien spielt. Laboruntersuchungen scheinen darauf hinzuweisen, dass eine Hemmung dieser Gene therapeutisch vorteilhaft sein könnte. Diese Befunde haben zur Entwicklung von neuen Medikamenten (JAK-Inhibitoren) geführt, in der Hoffnung, dass diese die Krebsprogression verzögern.

Jorge Reis-Filho, Memorial Sloan Kettering Cancer Center (New York), von der Europäischen Gesellschaft für Medizinische Onkologie (ESMO), der nicht in die Studie involviert war, kommentierte die Ergebnisse so: "Die Studie unterstreicht die Unterschiede zwischen den Genveränderungen, die rezidivierende und metastasierte Tumore gegenüber den Primärtumoren aufweisen und betont damit die Bedeutung der Analyse genetischer Merkmale von Metastasen, wenn Therapieentscheidungen anstehen."

 

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