Mamma Mia! Das Musical, das alle mögen

Bei den mitreißenden ABBA-Hits kommen selbst SkeptikerInnen in Laune. Wir haben mit den Stars der Jubiläumstour über den oft belächelten, aber „härtesten und schönsten“ Job im Business geplaudert.

Mamma Mia Musical Wien

Jahrelang musste Autorin Judy Craymer die ABBA-Veteranen Benny Andersson und Björn Ulvaeus bearbeiten, ehe sie einer Musicaladaption ihrer Songs zustimmten – das war 1999. Seither lachten und weinten mehr als 50 Millionen ZuschauerInnen weltweit mit Donna und Sophie. Zum 20. „Geburtstag“ des Musicals schlüpfen Rosalie de Jong und Katharina Gorgi in der deutschsprachigen Erstfassung in die Rollen des liebenswürdigen Mutter-Tochter-Paares. Ab 16. Jänner 2019 spielen sie in der Wiener Stadthalle.

WIENERIN: Katharina, du bist gebürtige Wienerin. Wie groß ist die Freude in Wien zu arbeiten?

Katharina Gorgi: Ich freue mich echt total, total, total und ich befürchte, dass ich meinen Darstellerkolleginnen und -kollegen schon ein bisserl auf die Nerven gehen, weil ich permanent von Wien schwärme und schon eine Menge Pläne ausgeheckt habe, was wir denn nicht alles anschauen müssen und so. Meine Familie ist auch glücklich, wenn ich daheim bin. Ich habe im Ronacher bei „I am from Austria“ mitgespielt und weiß auch, wie super das österreichische Publikum ist.

Gibt es da wirklich so große Unterschiede?

Rosalie de Jong: Au ja, das möchte man gar nicht glauben. In einer Stadt funktioniert ein Gag super gut, woanders kommt gar nichts vom Publikum zurück, das ist schon interessant. Es kommt auch immer auf den Saal an. In Köln beispielsweise sind wir extrem nah am Publikum dran. Anderswo ist die Band dazwischen, also, das spielt alles eine Rolle.

Standing Ovations beim großen Finale gibt es aber überall, oder?

Gorgi: Ja, da reißt es die Menschen schon von den Plätzen wenn wir ordentlich aufdrehen.

Und ihr selbst? Wie sehr kann man sich denn noch für die Songs begeistern, wenn man sie x-mal singt?

Gorgi: Man ist natürlich nicht jeden Tag gleich gut drauf. Aber bei mir ist da so: Wenn ich auf die Bühne gehe, dann bin ich total in der Rolle. Dann bin ich einfach Sophie und dann hab ich auch ihre Gefühle. Mir macht es unheimlich großen Spaß und ich finde die Geschichte und die Musik einfach toll!

Was ist das besondere an der Geschichte?

Gorgi: Eine toughe Alleinerzieherin, eine Tochter auf der Suche nach ihrem Vater, verrückte Freundinnen: Da finden sich eine Menge Identifikationsfiguren. Es ist wirklich ein echtes Frauenpower-Stück. Frauen sind ja im Gegensatz zum Sprechtheater im Musical generell nicht so benachteiligt, es gibt wirklich viele gute Rollen, aber Mamma Mia! setzt noch mal eins drauf. Die Männer kommen aber auch nicht zu kurz und ich kann sagen, dass auch viele meiner männlichen Freunde, die Musicals nicht so sehr mögen, begeistert sind.

Was vermutlich auch an der Musik liegt. ABBA mag irgendwie jeder, nicht?

de Jong: Natürlich, die Musik ist großartig. Aber die Story ist eben auch speziell. Es geht um die Suche nach den Wurzeln. Wer bin ich? Woher komme ich, was will ich mit meinem Leben machen? Fragen, die wir alle haben.

Als Musical-Darstellerin muss man ja alles können: Singen, Tanzen, Schauspielen. Was ist bei Mamma Mia am wichtigsten?

Gorgi:Bei den Hauptrollen Singen und Schauspielen, wobei wir am Ende auch eine wirklich anstrengende Tanzszene haben.

de Jong: Die wirkt total harmlos, hat es aber in sich. Acht Minuten können sooo lang sein!

Ärgert ihr euch eigentlich darüber, dass Musical oftmals als „leichte Kunst“ abgetan und belächelt wird?

de Jong: Ehrlich jetzt? Überhaupt nicht! Ich kenne eine Menge Leute, Schauspieler, die dann mal bei einem Musical mitgearbeitet haben, und dann meinen: Puh, Repekt, das ist viel härter als ich dachte. Ich würde niemals sagen, „nur“ schauspielen ist easy oder so. Jede Richtung hat ihre Berechtigung. Wir unterhalten die Leute, das machen wir super und darauf können wir auch stolz sein.

Gorgi: Ich sehe das auch recht pragmatisch: Ich liebe es und wem es nicht gefällt, der muss ja nicht. Außerdem haben wir die großartigsten Fans. Wir bekommen so tolle Anerkennung und Wertschätzung von den Leute, das ist großartig. Ich hab glaub ich allein neun Schlüsselanhänger bekommen. Die Menschen stehen vor den Theatern bei Regen und Kälte, bitten um Autogramme, sind happy wenn sie ein Foto mit dir machen können.

de Jong: Vor kurzem habe ich Fanpost von einem Mädchen bekommen, das schreibt, dass es früher so unglücklich war und gemobbt wurde und das ihm Musicals soviel geben. Ehrlich, das ist doch wirklich schön, wenn wir mit unserer Arbeit Menschen Kraft schenken können.

Gorgi: Ja, es ist ein echtes Privileg. Ganz viele Menschen träumen davon und wir haben es geschafft und unser Hobby zum Beruf gemacht.

Der aber auch viele Entbehrungen mit sich bringt. Wie hart ist das Tourleben wirklich?

Gorgi: Klar, gibt es auch Schattenseiten. Jedes Monat eine andere Stadt, nie daheim, das ist schon hart. Wenn meine Familie nicht nachreist, sehen wir uns nie. Feiertage, Geburtstage und so weiter das feierst du halt mit deiner Bühnen-Familie.

de Jong: Ja, man muss das schon wirklich mögen. Ich meine, hallo, achtmal die Woche Mamma Mia!

Was ist eure Lieblingsszene im Stück?

Gorgi: Kurz vor dem Showdown, wenn Donna Sophie die Haare macht und Durch meine Finger rinnt die Zeit singt. Es fühlt sich total echt an, und ich merke auch, wie im Publikum viele mit den Tränen kämpfen. Da bekomme ich jedes Mal Gänsehaut.

de Jong:Ja, jeder kennt auch dieses Gefühl, dass einem die Zeit davonläuft.

Man kennt die Songs ja alle mit englischem Text. War es schwierig, die deutschen Texte zu singen?

Gorgi: Ganz viele Menschen, die ins Musical kommen befürchten, dass das mühsam werden könnte und werden aber dann eines besseren belehrt. Die Lieder müssen einfach auf Deutsch sein. Sie sind super getextet und passen perfekt in die Geschichte. Ich bin jetzt nicht so sehr mit ABBA aufgewachsen, also für mich war das gar kein Problem.

de Jong: Es geht ganz schnell. Das Englisch ist weg, das hast du irgendwann nicht mehr im Ohr.

Und wie ist es, Songs zu singen, die jeder mitträllern kann?

Gorgi: Du glaubst ja beim ersten Hinhören, dass die Lieder eh ganz easy sind. Aber vor allem die langsamen Balladen haben es in sich. Es ist richtig schwierig, diese langsamen, langen Tönen zart und unbeschwert zu singen. Da darfst du kein bisschen nervös sein.

Habt ihr den Wunsch jemanden von ABBA zu treffen?

de Jong: Ach, das wäre natürlich schon cool, wenn die kommen würden und sich das anschauen. Aber ich sehe gar nicht so sehr den Bezug zu ABBA. Für mich ist es eine fantastische Mutter-Tochter-Geschichte.

Mamma Mia! 2019 in Österreich

Mamma Mia! Das Musicalmit den Hits von ABBA in der deutschsprachigen Erstfassung

16. Jänner bis 3. Februar 2019 in der Wiener Stadthalle

6. bis 17. Februar 2019 im Festspielhaus Bregenz

 

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