Maleficent 2: Im Märchen ist das Böse eben weiblich

Auch im zweiten Teil der etwas anderen Dornröschen-Saga, "Maleficent - Mächte der Finsternis" geht es um die Grenzen zwischen gut und böse, komplizierte Familien und darum, was einen Menschen ausmacht.

Maleficent - Mächter der Finsternis

Maleficent ist zurück! Erneut schlüpft Angelina Jolie in die Rolle der bösen oder nicht gar so bösen Fee, die mit Ziehtochter Aurora (Elle Fanning) im Reich der Moore inzwischen ein friedliches Dasein fristet. Bis ein Mann die traute Mutter-Tochter-Idylle stört und in Form von Prinz Philipp (Harris Dickinson) um Auroras Hand anhält. So kann das illustre Familiendrama mit magischem Zusatz beginnen. Die Vorbereitungen zur Hochzeit, die das Königreich Ulstead mit den Mooren in Friede vereinbaren soll (wie nach guter österreichischer Tradition der Habsburger), eskalieren wenig überraschend. Hier gibt es immerhin Jahre alte Feindschaften und Vorurteile, die nicht so einfach überwunden werden können - und eine neue, unheimliche Macht, die Mutter und Tochter auf unterschiedliche Seiten eines Konfliktes ziehen...

Böse Frauen und dumpfe Männer

Eine der besten Neuerungen von Teil Zwei ist Michelle Pfeiffer als Königin Ingrith, die sich als mehr als würdige Gegenspielerin für Jolie erweist. Zwischen den beiden fliegen nicht nur metaphorisch die Fetzen. Dass Pfeiffer Spaß an ihrer süffisanten-hinterhältigen Rolle hat, merkt man an jeder Szene - und dass die Königin irgendwas im Schilde führt, ist zumindest für die Zuschauer*innen von Anfang an kein Geheimnis.

Im Märchen ist das ja nicht außergewöhnlich. Frauen, die aus der Rolle des braven Naivchens fallen, sind hier kategorisch böse. Am schlimmsten, wenn sie Macht haben (Hexen und Feen) oder das traute traditionelle Familienbild gefährden (Stiefmütter, immer die ärgsten von allen). Edel und gut sind nur die Jungfrauen in Nöten, und auch nur dann, wenn sie nicht zu sehr aufmucken. Die selbstbestimmte Frau als die Gute gibt es im klassischen Märchen so nicht.

"Maleficent - Mächte der Finsternis" macht das zum Glück anders, auch wenn die Figuren im Guten wie im Bösen dabei ein bisserl eindimensional bleiben. Das tut dem Spaß beim Zuschauen aber keinen Abbruch: Jolies Maleficent und Pfeiffers Königin Ingrith liefern sich ein wahres Sass-Fest, bei dem die charmanten Boshaftigkeiten nur so durch die Gegend sausen. Besser werden Konflikte zwischen Schwiegermüttern wohl nicht mehr.

Die männlichen Rollen bleiben im Hintergrund und das ist auch gut so, sind sie doch in Vergleich zu dem schillernden Trio Jolie, Pfeiffer und Fanning ziemlich fad. Einzig von "12 Years a Slave"-Darsteller Chiwetel Ejiofor hätte man ruhig mehr sehen können.

Maleficent ist optische Magie auf der Leinwand

Aber es gibt eh auch so genug zu bestaunen: Visuell ist "Maleficent - Mächte der Finsternis" schlicht atemberaubend. Da sitzt jedes Fitzerl CGI, von der verzauberten Moorlandschaft mit ihrer magischen Bewohner*innenschaft bis zu Maleficents imposantem Gefieder. Und Jolie ist sowieso in jedem Kostüm-Ensemble einfach atemberaubend ätherisch - die übertriebenen Wangenknochenprothesen in perfekter Symbiose mit blutrotem Lippenstift, mit Headpiece oder auch mal (Achtung, Mini-Spoiler!) ganz ohne Kopfschmuck mit Haar au naturelle. So oder so: Man hätte die böse Fee nicht besser malen können.

Die Kampfszenen sitzen optisch, über militärisch sinnvolle Entscheidungen muss man bei einem Disney-Spektakel jetzt nicht unbedingt mokieren. (Man könnte aber.)

Von Müttern, die Töchter ziehen lassen müssen

Trotzdem bleibt auch der zweite Teil von Maleficent ein Familienfilm: eine zauberhafte Geschichte über Mütter und Kinder, über Selbstbestimmtheit und übers Erwachsenwerden, das für beide manchmal schmerzhaft sein kann. Und darüber, dass am Ende, über Irrungen und Hindernisse, mit Familienzusammenhalt trotzdem alles gut wird - wie im Märchen. Väter sind abseits der Versorgerrolle im Maleficent-Universum da vergleichsweise unerheblich - wie in der Realität des Patriarchats. Da könnte man in Zukunft noch nachbessern - hier wie da.

Maleficent - Mächte der Finsternis startet am 17. Oktober 2019 in den österreichischen Kinos.

Maleficent - Mächte der Finsternis
 

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