Malaysia: Ministerium rät Frauen, sich zu schminken, um Hausfrieden zu wahren

Ordentlich anziehen, mit Pieps-Stimme sprechen und dezentes Make-Up auflegen: Das sind keine Tipps eines 50er Jahre-Frauenmagazins, sondern ernstgemeinte Ratschläge des malaysischen Familienministeriums.

Malaysische Frau bei der Arbeit

Via Facebook und Twitter teilte das malaysische Familienministerium Ratschläge für Frauen während des Corona-bedingten Lockdowns, die helfen sollten, den häuslichen Frieden aufrecht zu erhalten: So wird etwa geraten, Frauen sollten keine bequemen Schlabberklamotten tragen, sondern sich auch in den eigenen vier Wänden adrett kleiden. Auch wäre auf Make-Up besser nicht zu verzichten.

Bizarr: Frauen sollen Anime-Katze imitieren

Darüber hinaus rät das Ministerium, darauf zu achten, den Ehemann ja nicht zu verärgern und - sollte man ihn auf einen Fehler hinweisen wollen - das auf "humorvolle“ Weise zu tun und am Ende des Satzes am besten ein Kichern anzuhängen. Sollte es doch mal zum Streit kommen, so rät das Ministerium den Frauen, vor jeder Antwort bis zwanzig zu zählen – so könne sich das Gehirn beruhigen und Frau rationale Entscheidungen treffen (für Männer hat das Ministerium übrigens keine Tipps parat). Besonders skurril: Ebenfalls empfiehlt das Ministerium, die Stimme zu verstellen und die Tonlage einer in Asien beliebten Anime-Roboter-Katze nachzuahmen. Wie sich das anhört, macht Insta-Userin @chelsiang hier vor:

Ratschläge sorgen für Empörung

Während die Verhaltensregeln bei einigen für Amusement sorgen, empören sich andere über die frauenverachtenden Ratschläge des Ministeriums, wie etwa die Frauenbewegung All Women’s Action Society. Auf dem Twitter-Account der Organisation ist zu lesen: “Während es eine Möglichkeit ist, Routine aufrecht zu erhalten, wenn man sich weiterhin für die Arbeit anzieht, ist der Fokus auf das Aussehen, die Kleidung und das Makeup komplett unnötig. Stoppt diese sexistische Nachricht @KPWKM und konzentriert euch lieber auf die Überlebenden von häuslicher Gewalt, die nun einem hohen Risiko entgegensehen.”

Ministerium reagiert mit Statement – und macht alles noch schlimmer

Inzwischen sind die Infografiken und Tipps wieder von den Social Media-Seiten des Ministeriums verschwunden. Stattdessen ist folgendes Statement zu lesen: "Wir entschuldigen uns, wenn einige der geteilten Tipps unangemessen sind und die Sensibilität bestimmter Gruppen berühren, und werden in Zukunft vorsichtiger sein.“ Mit der Aussage geht das Ministerium in keinster Weise auf Sexismus beziehungsweise die Verantwortung der Männer bei Gewalt gegen Frauen ein – viel mehr gibt es zu verstehen, dass User*innen mit ihren Reaktionen überreagiert hätten.

Anrufe bei Krisenhotline verdoppelt

Wie auch in vielen anderen Ländern, steigen die Fälle häuslicher Gewalt in Malaysia momentan stark an. Seit der Ausgangssperre haben sich die Anrufe bei der staatlichen Hotline für Opfer häuslicher Gewalt laut Medienberichten verdoppelt. Angesichts dieser Tatsache ist es umso schockierender, dass das malaysische Familienministerium die Krisenhotline bis vor kurzem komplett schließen wollte (nach lauter Kritik von Frauenrechtsorganisationen wurde dieser Plan letztlich verworfen).

 

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